Montag
PolitikerInnen gegen Finanzmärkte - keine Chance
schlimmster Feind. Ihre Verzögerungen, Kehrtwenden und Mehrdeutigkeiten hinterlassen an den Finanzmärkten den Eindruck, die Politiker wüssten nicht, was sie tun. Und was tun die Minister dagegen? Sie wechseln wieder einmal den Kurs – und machen damit alles nur noch schlimmer. Auf die Ankündigung der Ratingagenturen, die Beteiligung privater Schuldner als Zahlungsausfall zu werten, reagieren sie gereizt und schnell. Statt
aber nun das einzig Richtige zu tun – auf die Privatbeteiligung zu
verzichten –, haben die Minister sich stattdessen entschieden, ihren
Widerstand gegen eine Pleite Griechenlands aufgeben."
(Aus einer FTD-Kolumne von Melvyn Krauss, FTD von heute, S. 24)
Fondsmanager glauben nicht mehr an eine Hellas-Perspektive
(Ergebnis der Fondsmanager-Umfrage der FTD lt FTD von heute)
Merkel - kommt immer zu spät und wird von den Finanzmärkten bestraft
(Zitat aus FTD vom 18.7., S. 9)
Gegen die Rating-Schelte: Die Agenturen sagen nichts als die Wahrheit
die Arbeit der Ratingagenturen vertei-
digt. Die Überschuldung von Staaten sei
nicht den „bösen Ratingagenturen“
anzulasten, auf denen jetzt herumge-
prügelt werde: „Das Problem ist, dass
wir in vielen Ländern jahrelang über
unsere Verhältnisse gelebt haben“, sag-
te Allianz-Finanzvorstand Oliver Bäte.
Außerdem müsse keine Institution oder
Bank ihre EU-Staatsanleihen automa-
tisch verkaufen, nur weil eine Rating-
agentur ihre Bewertung senke. AP
(aus: FTD Heutiges Newsupdate von 17 Uhr)
Samstag
Das "Ausbildungszentrum Panzertruppen" ist für den Leopardpanzer Typ 2A7+ zuständig
Zum Panzer-Export nach Saudi-Arabien: Wo wurde bei der Bundeswehr der Leopard-Panzer 2A7+ entwickelt?
An der Gesamtentwicklung des neuen Leopard-Typs 2A7+ ist folgender Verbund von Bundeswehr-Einheiten beteiligt:
- Das Panzer-Bataillon 33 in Neustadt a.Rübenberge, dessen Kommandeur am 24.5. von den Hitzetests sprach. Dieses Panzer-Bataillon ist Teil der
- Panzer-Lehrbrigade 9 (Stab in Munster), die für die Weiterentwicklung und Erprobung der Panzer der Bundeswehr zuständig ist. Die Panzer-Lehrbrigade 9 ist wiederum mit dem
- "Ausbildungszentrum Panzertruppen" in Munster verbunden. In diesem Zentrum gibt es eine Abteilung "Weiterentwicklung" (für Waffensysteme)
Hellas-Pleite: Endlich redet ein Politiker Klartext
Freitag
Schnellelieferung.de - Porträt einer kundenfreundlichen Firma
Da wird eine Zeitung nach Kündigung beharrlich und trotz mehrfacher Mahnung auch nach 6 Wochen immer noch munter weiter geliefert. Oder der Blogger bekommt mehrfach Zahlungserinnerungen, obwohl er der Firma schon ein paarmal eine Bankeinzugsermächtigung erteilt hat. Oder er beschwert sich, dass ein DHL-Paket ohne ihn zu benachrichtigen nicht an ihn sondern anderswo ausgeliefert worden ist und bekommt als Antwort, er solle doch froh sein, dass er überhaupt ein Paket erhalte.
Umso wichtiger ist es, auch immer mal wieder Beispiele für regelrechte Service-Oasen vorzustellen, die zeigen: Es geht auch ganz anders.
Von einem solchen absolut begeisternden Fall von Kundenfreundlichkeit soll hier die Rede sein. Der Blogger hatte sich vor paar Monaten über Amazon bei Firma schnellelieferung.de eine Schreibtischlampe gekauft.
Nach rund acht Wochen anstandlosem Gebrauch gab die Lampe plötzlich ohne ersichtlichen Grund ihren Geist auf. Nun, das kann mal passieren. Aber ich war doch neugierig, wie sich die Lieferfirma verhalten würde. "Kein Problem" mailte mir der Firmeninhaber, die Lampe würde getauscht. Ich schickte sie ein, und kurze Zeit später bekam ich eine email: sie sei nicht richtig zusammengeschraubt, das habe er nun gemacht und schicke sie wieder an mich zurück. Und er mailte mir sehr instruktive Photos, wo die richtige Schrauberei einsetzen müsse etc.
An die Notwendigkeit eines korrekten Zusammenschraubens konnte ich mich zwar nicht erinnern, aber ich war froh, die Lampe wieder verwenden zu können. Kurze Zeit später fingen die LEDs an, gefährlich oft zu flackern und dann kam wieder der völlige blackout.
Ich war genervt, regelrecht resigniert, legte die Lampe in meinen Kellerkarton "Sondermüll", informierte aber dennoch die Firma erneut, dass da irgendwie der Wurm drin sei, ich aber die Sache nicht weiterverfolgen und auch keine neue Lampe wolle.
Aber da hatte ich nicht mit der geradezu umwerfenden Kundenfreundlichkeit von Dirk Bischoff gerechnet. Nach kaum 48 Stunden kam eine Email von ihm, dass sie diese Lampe schon über 2000 verkauft hätten und nur eine einzige defekte darunter gewesen sei; er bot mir an, mir eine neue Lampe zu schicken und die alte per Retourenlabel zurückzunehmen (und das immerhin bei nur rund 24 euro Verkaufspreis).
Eigentlich war ich angesichts der bisherigen negativen Erlebnisse schon zu müde für eine neue Runde, aber dem Charme dieses Angebots konnte ich mich doch nicht entziehen. Als selbstkritischer Mensch vereinbarte ich jedoch mit Bischoff einen Deal in umgekehrter Reihenfolge: Erst solle die Lampe an Firma Schnellelieferung zurückgehen, und erst wenn der dortige Check keine Fehlbedienung meinerseits ergeben würde, sei ich mit einer Neu-Lieferung einverstanden.
Und so passierte es. Wieder nach nur wenigen Tagen erhielt ich von Herrn Bischoff die Nachricht, dass ausgerechnet meine Lampe - wohl von Anfang an - einen Wackelkontakt hatte und er mir nun tatsächlich ein neues Modell schicken würde.
Und diesen Blogpost über so viel Verkäufer-Engagement und Kundenfreundlichkeit schreibt der Blogger nun mit der neuen Lampe. Auch als Anerkennung für schnellelieferung.de, weil ich nach so langer Zeit leider keine positive Verkäufer-Bewertung mehr bei Amazon abgeben kann. Da wären natürlich fünf Sterne von fünf fällig gewesen.
War schon seit langem klar war: Hellas muß zum Frisör
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Euro-Krise: Merkel auf der Titanic
"Giulio Tremonti (italienischer Wirtschaftsminister) talked about a “crisis moving through the world like a mutant”. He appeared to compare the German chancellor to a first class passenger on the Titanic. “Today in Europe there is an appointment with destiny. Salvation does not come through finance but from politics. But politics cannot make any more mistakes. Just as on the Titanic, not even first class passengers can save themselves.”
Donnerstag
Euro: Wann kommt bei den PolitikerInnen die Einsicht?
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Euro quo vadis?
Euro-Transferunion du Ungeheuer: Wirkungslos und auch noch teuer
Steuerparadies Hellas
14.000 GriechInnen schulden dem Staat 36 Milliarden Euro.
900.000 GriechInnen haben seit Jahren Steuerschulden; die einzutreiben würde 50 Jahre dauern.
Weil der griechische Staat mit der Steuerverwaltung überfordert ist, will der PM die Aufgabe an Privatfirmen abgeben.
(Details in der heutigen FTD auf Seite 12)
Griechenlands Rating auf CCCC
(durch Fitch, lt FTD von heute)
Commerzbank-Chef: Schluß mit der Euro-Flickschusterei
"Weitermachen wie bisher ist nicht möglich, die Wirklichkeit hat uns eingeholt".
(Zitat laut HB von heute S. 1)
(und zwar - ergänzt der Blogger - dank der jetzt so oft gescholtenen Rating-Agenturen, die den Schäuble-Bluff = "wir retten den Euro, koste es was es wolle" durchschaut haben)
Handelsblatt: Abschied von Europa?
"890 Milliarden Europa wurden bisher für die Euro-Rettung aufgebracht - ohne Wirkung. Unternehmer, Wissenschaftler und ein wachsender Teil der Regierungsfraktion verabschieden sich vom kostspieligen Regierungskurs. Sie forden den Schuldenschnitt."
Mittwoch
Euro-Krise: Hellas ist nackt | Politik | FTD Mobil
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Euro-Krise:Die PolitikerInnen haben ein Lerndefizit
Euro-Krise: Griechen sollen Anleihen zum Dumpingpreis zurückkaufen | Politik | FTD Mobil
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Ratingagenturen und die Politik: Ein Teufelskreis aus lauter Kleinmut - International - Politik - Handelsblatt
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Griechenland: Ex-SoFFin-Mitglied für Schuldenschnitt - International - Politik - Handelsblatt
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Europas Schuldenkrise: Die Trägheit der Rettungsstaffel | Politik | FTD Mobil
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Euro-Krise: Griechen sollen Anleihen zum Dumpingpreis zurückkaufen | Politik | FTD Mobil
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Staatsschulden: Wie die Griechen-Hilfe der Banken im Fiasko endet - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
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Dienstag
Italien in der Krise: Berlusconis letztes Gefecht - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Politik
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Staatsschulden: Wie die Griechen-Hilfe der Banken im Fiasko endet - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
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Euro-Schuldenkrise: Und der Nächste ist ... | Politik | FTD Mobil
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Schuldenkrise: Anleger erklären Italien den Krieg | Politik | FTD Mobil
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Montag
Sorge um Italien: Europas Krisenmanager müssen nachsitzen - SPIEGEL ONLINE - Nachrichten - Wirtschaft
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Doch haircut für Hellas?
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Warum mißt Präsident Wulff mit zweierlei Maß?
| welt.de |
Dass aber der gleiche Präsident zur gleichen Zeit die Geheimniskrämerei der Regierung zum Panzer-Export nach Saudi-Arabien verteidigt, ist schon recht merkwürdig. Ist parlamentarische Transparenz und Bundestags-Beteiligung nur ein beliebiges Add-On im politischen Geschäft, das Herr Wulff nach persönlichem Belieben bei der einen politischen Entscheidung einfordert und bei der anderen negiert? Demokratie-Verständnis und Respekt vor dem Parlament sollte anders aussehen. Vielleicht klärt das ja schon bald eine Verfassungs(!)klage.
Rating-Agencies, thank you
"Everybody hates the rating agencies and no one hates them more than the Europeans. The rating agencies were, without a doubt, an important contributing factor to the credit bubble. But last week, they did us a favour. They showed that populism will not work. The European Central Bank is absolutely right on this. A Greek default will unleash a dynamic process that will threaten the eurozone’s financial stability, even its very survival"
Risikostaat Griechenland
| http://www.aon.com |
Hellas: BürgerInnen contra PolitikerInnen
Ja, Herr Präsident, wenn es so einfach wäre
Die Gefahr der PIIGS-Insolvenzen wächst
Sonntag
EZB gegen Ratingagenturen gegen Berlin - wer verliert beim großen Bluff?
Die EZB hat jedenfalls schon mehrmals die Spielregeln zu ihren Gunsten verändert (beim Poker undenkbar, aber was ist schon Pokern gegenüber Politik), weil sie sonst als erste aus der Runde hätte aussteigen müssen: Erst hat sie im Widerspruch zum EU-Vertrag PIGS-Anleihen aufgekauft. Dann hat sie Krisenbanken immer wieder flüssig gemacht. Und jetzt kümmert sie sich schon gar nicht mehr um Qualitätsforderungen für Sicherheiten aus Portugal und Griechenland.
Wolfgang Proissl hat die Hintergründe für dieses Pokerspiel in einem brillianten Essay in der FTD vom 7.7., S. 25 dargestellt und fasst zusammen, was der Grund für das sture Festhalten der EZB an ihrer Krisenwährung ist:
"Die EZB weiß: Gibt es keinen Euro mehr, braucht man auch die EZB nicht mehr".
Noch ist EZB-Banker ein sicherer Arbeitsplatz.
Griechischer Insel-Ausverkauf
| bluewater.de |
Laut FTD vom 7.Juli, Seite 9 stehen schon ein Dutzend griechischer Inseln zum Verkauf an, z.B. Nausika, Vouvalos, Kaltsonisi, Kardiotissa, einige von rund 6000 Inseln insgesamt. Sogar ein türkischer Baumagnat will in das Geschäft einsteigen. Kardiotissa soll rund 6,5 Millionen Euro kosten.
"Happy Melancholy" - Eine multi-mediale Einführung in die Renaissance mit Shakespeare und Dowland
Neulich hat der Blogger für eine kleinen Performance das Thema Renaissance multi-medial aufbereitet.
Mit der Renaissance verabschiedet sich Europa von der alten Götter-Glaubenswelt der Antike, später auch von der allein-seligmachenden römisch-katholischen Kirche. Jetzt steht der Mensch im Mittelpunkt, seine Freiheit, sein Wissen und Können. Astronomie, Mathematik, Navigation treten in den Vordergrund, statt bloßes Zuschauen bei der Messe. Das Ich emanzipiert sich von der päpstlichen Heteronomie.
Aber wie so oft: Freiheit hat auch ihren Preis. Auch der emanzipierteste Renaissance-Mensch erkennt: Freiheit macht auch einsam. Armut, Erfolglosigkeit, Krankheit, Tod werden trotz Freiheit nicht weniger. Nicht von ungefähr ist deshalb die Renaissance auch das Zeitalter der Melancholie, der Schwermut, der Tränen.
John Dowland, der größte Lauten-Komponist der Renaissance hat mehrere seiner Kompositionen mit demselben Titel “Lachrimae” versehen. Melancholisch nimmt der Renaissance-Mensch das Auf und Ab des Schicksals wahr, die Unsicherheit und Ungewißheit.
Jedoch: Die Renaissance war zwar melancholisch, aber nicht nihilistisch. Dowland nannte eines seiner Stücke “Happy Melancholy” (!) und konnte auch schelmisch Kompositionen wie “Semper Dowland, semper dolens” oder “Mr. Dowland´s Midnight” titeln. Und in der Dramaturgie Shakespeare spielt der tapfere Blick auf das rätselhafte Up and Down des Glücks eine große Rolle, durch Edgar (in King Lear) zusammengefasst: “Der Mensch kommt auf die Welt, er muß von hinnen, Bereitsein ist alles”.
Shakespeare ist mein Lieblingsdichter, weil er wie kein anderer der Meister der Dramaturgie ist. Niemand hat wie er Dramen dermaßen kunstvoll verfasst, dass es meinem unvergessenen Anglistik-Professor Viebrock mit überzeugender Logik geland, eine vollständige Interpretation des ganzen Richard III. unter den einen Motiv-Satz stellen konnte. “Die Erdbeeren im Garten des Bischofs zu Ely”.
Als ich mich auf meine Präsentation vorbereitete, wurde mir - wieder einmal - bewußt, dass mir in jeder Lebenslage immer Passagen aus der Welt Shakespeares einfallen, die - je nach dem - mich verständnisvoll nicken lassen (“deja lu”), mir helfen die Abgründe der Menschen zu durchschauen oder mich im Leid trösten. Zum Beispiel:
“Life is but a walking shadow. It is a story told by an idiot, full of sound and fury, signifying nothing” (Macbeth)
“So macht das Grübeln Feige aus uns allen” (Hamlet)
“Der bessere Teil der Tapferkeit ist die Vorsicht” (Falstaff)
“Lehr´ uns einsehen, dass Unbesonnenheit uns manchmal besser dient, wenn tiefe Pläne scheitern” (Hamlet)
“Einen solch treuen Freund will ich hegen in des Herzens Grunde, ja in des Herzens Herzen” (Hamlet)
“Ich kenn euch all´ und dien´ euch halt ´ne Weile” (Prince Henry)
Für die Präsentation hatte ich folgendes Profil arrangiert:
- Dowland: What if a Day or a Month or a Year
- Macbeth: V.Aufzug, 5. Szene “Tomorrow and tomorrow and tomorrow” (Focus: Verzweiflung)
- Dowland: Fortune
- Hamlet und Horatio: III. Aufzug, 2. Szene (Focus: Freundschaft)
- Dowland: Bockington´s Pound
- Richard II.: Dritter Aufzug, 2. Szene (Focus: Die Hohlheit der Macht)
- Gitarre: “Dowland´s Midnight”
- Henry IV, Erster Teil, Zweiter Aufzug, 4. Szene
Shakespeare hat die Musik Dowlands und gute Dichtkunst als “Sister and Brother” charakterisiert und vom “Heavenly Touch” der Lautenstücke Dowlands gesprochen.
In “What If a Day” komponiert Dowland das Renaissance-Thema des blinden, unbegreiflichen Schicksals: In einem Tag kann alles Glück zu Ende gehen. Das der Musik zugrunde liegenden Gedicht spricht es aus: “All our joys are but toys” - “Time is ever turning” - “Secret fates guide our states”.
Viel härter als diese melancholischen Gedanken reflektiert Macbeth über Leben und Tod:
“All unsere vergangenen Tage führten Narren den Pfad zum staubigen Tod”
“Leben ist nur ein wandelnder Schatten”
“Leben ist bloß ein Roman, erzählt von einem Idioten, voller Lärm und Zorn, ohne Bedeutung”
Aber genau derselbe Dichter, der hier die Sinnlosigkeit des Lebens mit so schonungslosen Worten bloßlegt, preist wiederum mit unvergesslichen Worten Treue, Freundschaft, Standhaftigkeit, als Hamlet für kurze Zeit den höfischen Habitus des Prinzen ablegt und sich seinem treusten Freund Horatio offenbart:
“Dich hab ich auserkoren. Denn du warst als littest du nichts, indem du alles littest. Ein Mann, der Pech und Glück vom Schicksal mit gleichem Dank genommen. Gesegnet, wes Blut und Urteil sich so gut vermischt, daß er zur Pfeife nicht Fortuna dient, den Ton zu spielen, den ihr Finger greift. Gebt mir den Mann, den seine Leidenschaft nicht macht zum Sklaven, und ich will ihn hegen im Herzensgrund, ja in des Herzens Herzen, wie ich dich hege”.
Für einen kurzen Augenblick lassen uns Hamlet und Shakespeare die Tiefen einer wahren Freundschaft erkennen und die Unerschütterlichkeit eines standhaften Herzens. Dann - “Schon zu viel hiervon” - wird Hamlet wieder der Prinz, dem seine Rolle am Hofe unerbittlich zudiktiert ist und die mit seinem Tod enden wird.
Als dritten Text hatte ich eine (Selbst)Reflexion Richard II. ausgewählt, als dieser am Ende aller Macht angelangt ist, keine Krone mehr trägt und nur noch die Gewißheit des Todes vor Augen hat. Ein paar treue Gefährten halten noch zu ihm, verehren ihn noch als früheren König. Aber denen öffnet Ex-King Richard jetzt die Augen:
“Im hohlen Reifen, der eines Königs sterblich Haupt umgibt, hält seinen Hof der Tod. Verhöhnt des Königs Staat und grinst zu seinem Pomp. Lässt ihn ein Weilchen, einen kleinen Auftritt den Herrscher spielen, drohn, mit Blicken töten. Flösst einen eitlen Selbstbetrug ihm ein, als wär sein Fleisch ein ewiges Eisen. Und so kommt er zuletzt, gut gelaunt, und bohrt mit kleiner Nadel die feste Mauer an, und - König, gute Nacht”.
Dies ist der Augenblick, in dem sich Richard vom König zum Menschen wandelt und sich mit dieser Selbsterkenntnis zu seinen Freunden wendet:
“Werft eure Achtung ab. Ihr irrtet euch die ganze Zeit in mir: Wie ihr, leb ich von Brot, ich fühle Mangel, ich schmecke Kummer und bedarf der Freunde. So unterworfen nun, wie könnt ihr sagen, dass ich König bin”
Und nach “Mr. Dowland´s Midnight” war es in der Performance dann an der Zeit, eine der köstlichsten humoristischen Szenen aus Shakespeare´s Königsdramen mit verteilten Rollen zu lesen.
Referenzen:
- Die wunderbare Madrigale “What If I Never Speed” von John Dowland kann frau/man unter
- Die in diesem Text präsentierten Shakespeare-Texte kann frau/man unter
nachlesen
- Unter http://youtu.be/TynYifGkV3s spielt der Blogger Dowlands "What if a Day"
Wie PolitikerInnen "Doktor"arbeiten schreiben
Die dürftigen Entschuldigungen des Noch-Ministers klingen verdächtig ähnlich wie die Causa Guttenberg: Überarbeitung und Familienstress. Wieder erleben wir einen Rückzug auf Raten: Erst mal werden "nur" handwerkliche Fehler eingestanden. Und noch hält der MP natürlich zu seinem Minister. Auf das Ergebnis der Uni Potsdam darf man gespannt sein.
Nachdem nun fast monatsweise reihum immer mehr sog. "Doktor-Arbeiten" von PolitikerInnen als grober Bluff enttarnt werden, fragt sich der Blogger, was wohl mit der politischen Kaste in unserem Lande los ist. Als ob sich nicht zigtausende andere Doktoranden in Deutschland auch unter schwierigen Bedingungen sehr genau an die akademischen Standards halten.
Was motiviert gerade PolitikerInnen, sich so eklatant über die Normen von Wahrheit und Seriosität hinwegzusetzen? Nötig haben sie den Dr.-Titel sicherlich nicht. Ist es Eitelkeit? Die Kalkulation, ihre Bekanntheit immunisiere sie gegenüber Überprüfungen? Oder schlichte Hemdsärmeligkeit a la: in der Wissenschaft müsse man es - ähnlich wie im politischen Tagesgeschäft - mit den Fakten halt nicht so genau nehmen?
Und: leisten Universitäten aus Gefälligkeits-Denken solchen Fehl-Leistungen Vorschub?