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Montag

Geld regiert die Welt - jetzt haben wir´s "amtlich"

Der frühere Chef der deutschen Bank im Jahr 2000:

"Wenn man so will, haben die Finanzmärkte quasi als "fünfte Gewalt" neben den Medien eine wichtige Wächterrolle übernommen. Wenn die Politik im 21. Jahrhunder in diesem Sinn im Schlepptau der Finanmärkte stünde, wäre dies vielleicht so schlecht nicht".
(Zitat aus Süddeutsche Zeitung, 18.2.2013, Seite 12)

Bild-Quelle: zeit.de


Offensiv gegen gefährliche Finanzprodukte



Gemeinsam mit Kooperationspartnern veranstaltet WEED einen Wettbewerb unter dem Motto
„Europa sucht das gefährlichste Finanzprodukt“.
Dafür fordert WEED BürgerInnen, Organisationen, Unternehmen, Geschädigten-Initiativen, VerbraucherschützerInnen, FinanzmarktexpertInnen, etc. auf, begründete Nominierungsvorschläge für gefährliche Finanzprodukte einzureichen. Nach dem Einsendeschluss am 15. Februar 2013 werden alle Vorschläge von einer Expertenjury bewertet und die drei gefährlichsten für die Endabstimmung nominiert. Danach folgt im Internet eine Abstimmung, um das schädlichste Finanzprodukt zu krönen. Für dieses soll abschließend ein Verbot durch die europäischen Aufsichtsbehörden erwirkt werden.

Die Finanzaufsichtsbehörden sollen zukünftig schädliche Produkte leichter verbieten können, in einigen Fällen wie ungedeckten Leerverkäufen hat Deutschland bzw. die EU auch schon Verbote beschlossen. Doch wird dieses Instrument noch immer viel zu wenig genutzt, um den Finanzmarkt sicherer zu machen und zu begrenzen. Damit dies anders wird, sollten sich möglichst viele Menschen an unserem Wettbewerb beteiligen.

Hier geht es zum Wettbewerb: 



Donnerstag

Finanzen, Globalisierung, Nachhaltigkeit

Neuerscheinung: Ein globales Finanzsystem im Dienst nachhaltiger Entwicklung

Welchen Einfluss haben europäische und globale Finanzreformen auf Entwicklungsländer?

  

Ein globales Finanzsystem im Dienst nachhaltiger EntwicklungDie weltweite Debatte über Finanzreformen ist nach wie vor aktuell. Zwar wurden in der Europäischen Union (EU) mittlerweile einige Reformen umgesetzt. Häufig handelt es sich jedoch nur um halbherzige Maßnahmen, die keinen angemessenen Schutz vor zukünftigen Finanzmarktturbulenzen bieten. Dabei sollten die EU-Finanzmarktreformen eigentlich zu einer nachhaltigen globalen Entwicklung beitragen. Die Reformen betreffen nämlich nicht nur die EU, sondern haben auch starken Einfluss auf Entwicklungsländer. Die nun auch auf deutsch erschienene Broschüre führt in diese Debatte ein.

Bestellung

·        Die Broschüre (deutsch und englisch) kann gegen eine Schutzgebühr von 2,- € (1,50 € für Mitglieder) bestellt werden per E-mail an weed@weed-online.orgoder direkt hier.
·        Die Studie steht zum kostenlosen Download aufenglisch und deutsch zur Verfügung.

Dienstag

Pro-Euro Lobbying wird durch ständiges Wiederholen auch nicht besser

Leserbrief zur Kolumne von Prof. Karl-Heinz Paque im Handesblatt vom 19.4.11 auf Seite 8:


Es ist schon merkwürdig: Je mehr PIGS durch Nordeuropa von der Pleite saniert werden müssen, umso lauthalser betet uns die Pro-Euro Fraktion unter den PolitikerInnen und WirtschaftskommentatorInnen ihr Mantra von der Notwendigkeit und Sinnhaftigkeit einer Euro-Transferunion vor. 


Selbst Prof. Paque geht offenbar davon aus, dass mit Portugal keineswegs schon die Fahnenstange der "Bitte zahlen" Schnorrer in Südeuropa zu Ende ist. Soll denn die Solidarität, die Paque in seiner Kolumne so wohlfeil fordert, nur eine Einbahnstrasse sein?: Pleitesanierung der PIGS durch unsere Steuergelder auf der einen Seite und - Griechenland nur mal als ein Beispiel - Steuerhinterziehung als System, Korruption als Gesellschaftsstil und auf Pump generierte Immobilienblasen auf der anderen Seite? Ist DAS die neue Euro-Gerechtigkeit?


Es ist doch makaber, dass Paque es schon lauthals als "Erfolg" (sic!) feiert, was in den Nord-Euro-Staaten eine Selbstverständlichkeit ist: dass in Griechenland nach seinem mit manipulierten Statistiken erschlichenen Euro-Beitritt - gegen jede wirtschaftliche Vernunft aber "politisch gewollt" - nun - Sensation! - "wirklich Steuern gezahlt werden". 


Wahrscheinlich macht Paque demnächst für Griechenland auch lobby, weil die PolitikerInnen dort - welch grandioser Erfolg! - in diesem Land nicht mehr (wow!), wie jahrelang, als korrupte Kaste agieren und Beamte in Griechenland vielleicht statt mit 50 erst mit 55 Jahre in Rente gehen - immer noch mehr als ein Jahrzehnt zu früh und auf unsere Sanierungs-Kosten. 


In Hellas würden die Ausgaben "drastisch gesenkt", steht in dieser Kolumne. Herr Paque, wenn sie mal das griechische Budget genauer angucken: Griechenland leistet sich eine Mega-Armee und exorbitante Militärausgaben, als ob morgen der Dritte Weltkrieg vor der Tür stünde. Angesichts so viel sinnloser Verschwendung fasst man da sich wirklich an den Kopf. 


Wer sich - wohlgemerkt: seit Jahrzehnten! - offenbar so viel absolut nutzlose Staatsausgaben leisten kann, der braucht unsere Steuergelder nicht. Wenn Griechenland mindestens die Hälfte seiner abgefahrenen sinnlosen Militärausgaben einsparen und mehr als die Hälfte seiner nutzlos rumexerzierenden Soldaten zum Jobben nach Nordeuropa schicken würde, könnte es bequem seine Haushaltsmisere selber sanieren statt beggar your neighbour policy zu machen und Geld von uns abzuzocken, das dann doch nur in den auch von Paquet bemerkenswerterweise für unvermeidlich erachteten Haircut landet. 


Ja, Soini hat recht: so kann es nicht weitergehen. Das ist keine Solidarität mehr, sondern immer mehr ungleiches burden sharing, für das unser Volk dann später die bittere Zeche zahlen muss, wenn z.B. nach einer Währungsreform die Politiker, die uns das alles eingebrockt haben, schon längst nur noch unbekannte Namen in Geschichts-Lexika sind. Das müssen wir verhindern.

Donnerstag

Die im Dunklen sieht man nicht - Schattenbanken, die Big Players im Finance Business

Financial Times FT.com

Das Thema des 300. Jubiläumsposting im 

Unbequemen Blog kommt von der Financial 

Times. In einem instruktiven Artikel mit dem

beziehungsreichen Titel "Shadow boxes" 

beschäftigen sich Brooke Masters und Jeremy Grant

mit den Banken hinter den Banken in der Ausgabe 
vom 2. Februar mit den vielen Finanzagenturen, die 
hinter den Banken agieren, meist unerkannt aber 
deshalb umso gefährlicher. Ihren Umfang schätzt 
die Federal Reserve Bank of New York auf 16.000 
Billionen USDollar, eine Summe die erheblich grösser 
ist als die Einlagen der "echen" Banken.



Hier einige Akteure im Schattenbankbereich: 

Hedge-Fonds:
Kapitalanlagen für vermögende und institutionelle 
Investoren. Die Regulierungsbehörden sorgen sich um 
ihre große und wachsende Rolle an den 
Rentenmärkten evt. Destabilisierungen, falls es zu Ausfällen kommt.

Commodities Fonds: 
Investment-Pools, die große Wetten auf die 
Kursschwankungen von Rohstoffpreise annehmen. 
Da sie Derivate einsetzen, können riesige Verluste im 
Vergleich zu realen Vermögenswerten entstehen.

Private-Equity-Gruppen:
Besorgen langfristige Mittel von institutionellen Investoren 
für Direktinvestitionen. Handeln zum Teil schon wie 
Banken.

Geldmarktfonds: 
Nehmen kurzfristig Geld von Investoren auf und kaufen 
dafür Wertpapiere. 

Securitisation 
Pooling von Vermögenswerten wie Hypotheken in 
Wertpapiere, die zerstückelt und an verschiedene 
Investoren verkauft werden. Da es nur begrenzte 
Informationen über die Sicherheit ihrer Werte gibt, 
sind sie schwer zu bewerten und stellen daher ein
erhebliches Risiko dar.

Sonntag

Die Krise wird noch richtig teuer

27.01.2011, 16:07

So titelt Kolumnist Wolfgang Münchau seinen Kommentar in der FTD vom 26.1.11.

Nachdem er scharfsinnig zeigt, welche Lehren die PolitikerInnen aus der Lehmann
Brother Pleite nicht gezogen haben, entwirft er ein gruseliges Zukunftsszenario:


Bislang hat uns die EFSF keinen Cent gekostet, weil sie nur aus Garantien besteht.
Das macht sie ja gerade politisch so attraktiv: die PolitikerInnen können in 
klassischer Manier weiterhin den Kopf in den Sand stecken und versuchen, auf 
Zeit zu spielen - bis dann die Rechnung präsentiert wird. 

Die Regierung wird in Schockstarre verfallen wenn sich rausstellt, dass die PIGS 
trotz aller Beteuerungen doch nicht in der Lage sind, ihre Schulden zurückzuzahlen.
Dann muss die EFSF Deutschland, Frankreich, Niederlande, Österreich und 
Finnland zur Kasse bitten. Und wenn Frankreich irgendwann mal seine 
"AAA"-Benotung verliert, dann hängt das ganze System nur an Deutschland. 
Das ist dann der ökonomische und politische Super-GAU. Wieder müsste 
Deutschland Hunderte Milliarden als Transferhilfe an andere Länder transferieren. 
Und wenn die PolitikerInnen in Berlin so weitermachen, dann wird Deutschland 
früher oder später nur noch zwischen zwei Katastrophen haben: Transferunion 
ohne Haftungsbeschränkung (also ein Faß ohne Boden) oder Zusammenbruch 
des Euro (den Merkel ja immer mehr zur Schicksalswährung Europas hochstilisiert).

Donnerstag

Weiter im Euro-Strudel

Was so alles zu lesen ist:




  • FT Deutschland berichtet von Überlegungen für ein Umschuldungsverfahren für Griechenland.
  • Sokrates hat Merkel verzweifelt um Hilfe für Portugal, das am finanziellen Abgrund steht, gebeten.
  • Barroso hat den Sündenbock gefunden: Irland ist selber an allem schuld.
  • Für die Financial Times ist klar, dass die EU-Finanzminister erst dann sinnvoll handeln werden wenn die Märkte sie dazu zwingen.
  • Nachfolgekandidatin für Barroso in 2014: Angela Merkel! (nachdem sie die Wahlen in 2013 verloren hat)

(Referenz: Eurointelligence News Briefing von gestern)

Montag

Januar = Kälteschock für die PIIGS

Noch hat das Neue Jahr nicht angefangen, da geht´s los mit den schwarzen Nachrichten: 

  • Neuer Rekordwert für Versicherungen gegen einen Zahlungsausfall Griechenlands an Heilig Abend.
  • In der griechischen Presse munkelt man über Insolvenzverfahren in Athen.
  • Ratingagentur stuft Kreditwürdigkeit Portugals herab und äussert sich erneut negativ über Griechenland. 



Und die Zeitbombe tickt weiter: Ab Januar müssen Länder, Finanzinstitute und Firmen zusammen rund 2400 Mrd. Euro Anleihen aufnehmen – fast 40 Prozent mehr als in diesem Jahr. 


Allein die fünf PIIGS Portugal, Irland, Italien, Griechenland und Spanien müssen im kommenden Jahr zusammen rund 258 Mrd. Euro an Verbindlichkeiten refinanzieren.


Quelle: FTD 27.12.10 online




„Im Januar nimmt der Druck der Märkte wieder zu“, sagt der Chefvolkswirt der Deutschen Bank. Er prognostiziert, dass nach Irland auch Portugal auf die Hilfe der EU und des IWF zurückgreifen muss. „Irgendwann wäre es wohl sowieso fällig. Man
könnte eine Hängepartie abkürzen“,
sagte Mayer in dem Interview. „Ohne eine Umschuldung dürfte zumindest Griechenland
seine Schuldenlast kaum senken können“, so Mayer weiter.


Die griechische Tageszeitung „Ta Nea“ hatte am Donnerstag gemeldet, Griechenland habe der EU sowie der Europäischen Zentralbank inoffiziell eine Umschuldung der griechischer Staatsanleihen
vorgeschlagen.


(Quelle: Christian Kirchner in der heutigen FTD online)

Mittwoch

Die Regierung verplappert sich: Deutsche Banken in Irland massiv gefährdet

Regierungssrpecher Seibert

Durch einen Patzer des deutschen Regierungssprechers kam jetzt heraus, dass die deutschen Geldinstitute mit ihren umfangreichen Krediten im bankrotten Irland viel gefährdeter sind, als man es den BürgerInnen bisher gesagt hat. 
"Irland-Krise und kein Ende" titelt also zurecht das Handelblatt in seiner Ausgabe vorgestern, damit auf die Gefahr des Domino-Effektes in der Euro-Schuldenzone hinweisend, der schon von mehreren Finanzanalytikern angekündigt worden ist. Wenn auch deutsche Banken in den irischen Kollaps hineingezogen werden, hilft auch der grösste Mega-Hilfsschirm nicht mehr. 


Für Irland selber stehen die Prognosen auf Sturm: Moody´s hat die Bonität des Landes erneut heruntergestuft und plaziert es nur noch knapp oberhalb des sog. "Junk-Status", auf den normalerweise nur Staaten mit horrender Inflation und Schuldenstand z.B. in Südamerika stehen. Die irische Immobilienblase hat sich drastisch geplatzt; jeder 10. irische Immobilienkredit hat bereits jetzt einen Zahlungsrückstand von drei Monaten und mehr. Ein Ende ist nicht abzusehen. 


Düster menetekeln die Analysten, ob die spanischen Geldhäuser vielleicht die gleichen massiven Liquiditätsproblemen wie die irischen haben. In diesem Fall wird eine Euro-Talfahrt einsetzen, vor der die griechischen und irischen Stationen fast niedlich aussehen.  

Montag

Irland, Portugal, Griechenland - schon von den Investoren abgeschrieben


Der weltgrößte Anleiheninvestor Pimco schlägt Alarm. Pimco befürchtet das Ende von Euroland. Der Anleiheinvestor gibt Griechenland,
Irland und Portugal praktisch verloren. 

Er rät den drei Ländern,
zumindest zeitweise auf den Euro zu verzichten. „Die Politik darf nicht länger die Augen vor einer Staatspleite verschließen“, sagt Andrew Bosomworth, Leiter des Portfoliomanagements der Allianz- Tochter in München. Für Bosomworth ist der Zusammenbruch der Währungsunion und damit des Euro keine irrealistische Prognose mehr, weil das Krisenmanagement in Bruxelles viel zu spät eingesetzt hat. Deshalb rechne B. mit weiteren Spannungen an den Finanzmärkten im neuen Jahr. Um die Schuldenprobleme dauerhaft zu lösen, hält Bosomworth einen vorübergehenden Austritt von Griechenland, Irland und Portugal aus der Währungsunion für notwendig. Er geht nicht davon aus, dass es diesen Ländern gelingt, innerhalb des Euro zu wachsen und gleichzeitig ihren Haushalt zu entlasten. 
Referenz: FTD Newsupdate heute 17 Uhr

Freitag

Tausche 15 Silvio gegen eine Franc-Mark

Das ist eine der Überschriften, unter der die gestrige FTD seine vier Szenarien zur Zukunft bzw. Nicht-Zukunft des Euro stellt. Zwei Seiten lang humorvolle geistreiche Analysen, wie es mit dieser kranken Währung weitergehen wird. Als Appetit zum Lesen der ganzen Artikel, nachfolgend einige Bonmots, z.T. etwas vom Unbequemen Blogger aufgepeppt:


"Die Krise ist der Politik immer ein Schritt voraus"



In mehreren europäischen Ländern, auch in Deutschland, sind anti-europäische Parteien gegründet worden


"Irgendwas geht immer in Europa = bis 2015 verzehnfacht (!) die EU das Sanierungspaket für die PIIGS



Auf Wikileaks erscheinen Dokumente, wonach das Pekinger Zentralkomitee entschieden hat, massiv seine Euro-Reserven abzustoßen



Volksabstimmung in der EU: Drei Millionen Unterschriften für die Abschaffung des Euro


"Madame No" in Berlin versucht in noch innigerer Umarmung mit Sarkozy die "Eurosklerose" zu stoppen


Berlusconi feiert den Triumph seiner fünften Amtszeit: Der neue Süd-Euro wird "Silvio" heissen.

"Schmeißt die Südländer raus" skandieren neu gegründete Anti-Euro-Bewegungen wie "Pro Gulden" in den Niederlanden und "Volkes Stimme" unter der Führung von Henkel und Sarrazin in Deutschland. 

Der Handel mit Wetten auf den Kurs der wieder eingeführten D-Mark ist der große Renner, an dem die Spekulanten Millionen verdienen. Damit können sie sich locker einen billigen Urlaub im Land der "Nea Drachma" leisten. Ein knappes Dutzend früherer Euro-Länder haben wieder eigene Währungen eingeführt.

Merkel zu Papandreous Erpressung, den Euro zu verlassen: "Dann geh doch". Was sie nicht weiß: China hat Hellas 20 Milliarden Dollar geliehen und in Peking werden die Geldscheine für den Neuen Drachme gedruckt. 

Der Euro fällt unter ein Dollar. Kauder forder den Austritt aller PIIGS aus dem Euro. Schäuble tritt zurück. Die Bundesdruckerei kommt mit dem Drucken neuer D-Mark-Scheine kaum nach.

Montag

Die PIGS - Das Wort zum Tage

"Die Umschuldung von Griechenland und Irland ist unausweichlich. Denn es ist unmöglich, dauerhaft gegen die Märkte zu intervenieren."





(Karl Gernandt, Delegierter des Verwaltungsrats, Firma Kühne und Nagel, FTD online heute)

Freitag

Noch 20 Tage bis zum nächsten Eurokrisen-Meilenstein

Stefano Di Domizio von Lombard Street Research kündigt einen heissen Januar auf den Finanzmärkten an. In wenigen Wochen wird der Anleihebedarf bei den PIBGS dramatisch ansteigen:


ft.com/alphaville 9.12.10






Dienstag

"Wir sind nicht auf dem Basar" - ein EZB-Banker redet Klarext

In der allgegenwärtigen Euro-Kakofonie, ist es fast belebend, zumindest heilsam, das Interview mit Jürgen Stark in der heutigen SZ zu lesen. Nachfolgend paar textliche Kostproben, wie der EZB-Direktor die Euro-Malaise sieht, die Appetit zum Lesen des ganzen Gesprächs machen sollen:





Stark:
"Wenn ein Land gegen den Stabilitätspakt verstösst, dann muss es ohne weitere politische Verhandlung den Haushalt konsolidieren. Und wenn ein Mitgliedsland über einen längeren Zeitraum hinweg die gemeinsam beschlossene Regel nicht einhält, dann muss das automatisch zu Sanktionen führen".


"Die Probleme müssen an der Wurzel angegangen werden, nämlich bei der zu hohen Staatsverschuldung und bei unzureichenden Strukturreformen." 


"Wir sind nicht dafür da, Staaten zu finanzieren".


"Jeder Staat muss für seine eigenen Schulden haften". 


"Der Vertrag sieht kein Eintreten einzelner Staaten für die Schulden anderer Staaten vor. Es gibt auch keine Garantien einzelner Länder für die Schulden anderer Länder".


"Die EZB hat wiederholt Bedenken (gegen die Aufnahme von Hellas in die Euro-Union, BL) zum Ausdruck gebracht, aber von politischer Seite wurden diese Bedenken weggewischt". 


"Man hat den Stabilitätspakt, der die Schuldenaufnahme begrenzen sollte, bis zur Unkenntlichkeit und bis zur Unwirksamkeit verstümmelt, unter Mitwirkungen der damaligen deutschen und französischen Regierungen". 


Danke Herr Direktor für diese klaren Worte. Also auf gut deutsch: Hellas hätte NIE den Euro bekommen dürfen. Sein Euro-Eintritt war eindeutig eine grob fahrlässige politische Gefälligkeitsentscheidung Athen gegenüber, die wir SteuerzahlerInnen nun alle ausbaden sollen.


Ob Jürgen Starks Klartext den Weg bis zu den Ohren von Merkel, Schäuble und Sarkozy findet? Wenn nicht, werden ihnen die deutschen WählerInnen ihr Urteil auf dem Stimmzettel dokumentieren. 


Wir halten fest: 


"Wir sind nicht dafür da, Staaten zu finanzieren"


"Jeder Staat muss für seine eigenen Schulden haften". 


So einfach ist das laut Stark. 


Und wieso halten sich die PolitikerInnen nicht an diese einfache Wahrheit?

Samstag

Jetzt mag sogar die FAZ den Euro nicht mehr

Philip Plickert bringt es in der sicher nicht euro-bashing FAZ von heute auf den Punkt:



Der Euro ist am Ende. Die Anpreisungen dieser Kunstwährung verpuffen in Immobilienblasen, bad banks und einer nicht endenden Serie von Euroländer-Pleiten. Die Deutschen haben mit ihrer Skepsis gegen das deutsch-französische Projekt - dieser absurde Plan, am abstrakten grünen Tisch entworfen, nicht durchdacht und nicht demokratisch verankert - völlig recht. 


Die Durchalteparolen "wir retten den Euro, koste es was wolle" können SparerInnen, RentnerInnen und Hartz IV EmpfängerInnen nur mit Entsetzen hören, denn sie werden für solche unverantwortliche Euro-Manie die Zeche zahlen müssen, nicht die MdB und MdEPs, die solche verheerenden Entscheidungen treffen. 


Nun entscheiden PolitikerInnen Dinge, die ein Jahrzehnt aus gutem Grund völlig Tabu waren: Es werden unhaltbare Haftungszusagen für die Schulden mißgemanagter pleiter PIIGS-Staaten gemacht und die Unabhängigkeit der EZB ist längst nur noch ein Papiertiger. 


Argumentativ legen sich die PolitikerInnen und ihre spin doctors auch mächtig ins Zeug: Das Ende des Euro sei der europäische Weltuntergang. Als ob es in der Geschichte nicht ne ganze Reihe von Währungspleiten gegeben hätte, die die Menschheit auch überstanden hat. Jetzt stellt sich heraus, dass der Maastricht Vertrag wirtschaftlich überhaupt nicht nachhaltig war, sondern eine political bubble, die jetzt platzt. Weil Frankreich nicht die deutsche Wiedervereinigung verhindern konnte, sollte wenigstens die D-Mark verschwinden. 


Und nun wird gebetsmühlenhaft aus Berlin landauf landab getönt, Deutschland sei der grösste Profiteur des Euro. Haben diese PolitikerInnen schon mal in die Lohntüten der Arbeitnehmer geguckt oder in die Rentenbescheide geguckt: Jahr um Jahr wurden wir in Euroland mehr geschröpft (Gewerkschaftler wacht auf!), während in Griechenland und den anderen PIIGS die Immobilienhaie den großen Rebbach machten. 


Ausserdem sind die wirklich nachhaltigen Exportpartner Deutschlands schon lange nicht mehr im Euroraum sondern in Osteuropa und Asien. Mit denen Geschäfte zu machen, dafür ist der Euro eher lästig. Schließlich gab es unsere Exportstärke schon längst zu D-Mark Zeiten. Und die glänzende wirtschaftliche Entwicklung von Schweiz, Schweden, Norwegen zeigt eindeutig und überzeugend: Eine gute Wirtschaft kann man auch ohne Euro haben. 


Und wenn man jetzt den Pleitesumpf der Euro-PIIGS sieht, zu deren Sanierung uns unsere PolitikerInnen jetzt wohlfeil verdonnern wollen, muss es sogar heißen: Ohne Euro stünden wir jetzt viel besser da, statt der Zahlmeister unfähiger Wirtschaften in Südeuropa sein zu müssen. 


Aber die PIGS haben vom Euro auch nicht profitiert: Sie haben sich durch ihn zu völlig übersteigerten Kreditaufnahmen korrumpieren lassen, die Zinsen der Euro-Peripherie lagen zeitweilig unter Null. Jetzt stehen wir vor absurd aufgeblähten Bausektoren in Irland und Spanien und Konsumwahn in Griechenland. Und folgerichtig crashen nun überall die PIGS-Blasen. Von Griechenland und Irland wandert der Pleitegeier in den nächsten Wochen nach Portugal, bald nach Spanien und im naher Zukunft auch nach Italien und Belgien. 


Und für jede neue Schuldenorgie soll der deutsche Steuerzahler blechen? Spätestens im Schicksalwahljahr 2011 werden die deutschen WählerInnen Berlin die Stopkarte zeigen: Dieser Euro-Wahnsinn ist mit den BürgerInnen in unserem Lande nicht länger zu machen.