Mittwoch

Euro-Krise lässt die Staatsschulden steigen


Financial crisis has added more debt in Germany than anywhere else in the EU

Eurostat figures show that the financial crisis has added more debt to public finances in Germany than in any other EU country, Handelsblatt reports. According to the data, the financial crisis has added public debt in the EU in the magnitude of €603bn of which roughly the half was in Germany. The countries equally heavily affected – albeit considerably less than Germany – are the UK, Ireland and the Netherlands. The main reason is the bad banks that had to be put up for Hypo Real Estate and WestLB. According to Bundesbank data, Germany had to put aside roughly €300bn for „financial market support measures“. According to Handelsblatt the WestLB is planning to outsource another €100bn of bad debt which will have to be added to that sum
(Quelle: Heutiges Eurointelligence News Briefing)

Montag

Wie ein Kind


Du musst das Leben nicht verstehen, dann wird es werden wie ein Fest. 
Und lass dir jeden Tag geschehen so wie ein Kind im Weitergehen von jedem Wehen sich viele Blüten schenken lässt.
Sie aufzusammeln und zu sparen, das kommt dem Kind nicht in den Sinn. 
Es löst sie leise aus den Haaren, drin sie so gern gefangen waren, und hält den lieben jungen Jahren nach neuen seine Hände hin.
(Rilke)

Die Rechtsambulanz in Berlin

Link zum Projekt

Dienstag

Dienstag

Friedliches Dorf mitten im Krieg



Im Rundbrief 1/2011 von Peace Brigades International berichtet Knut Henkel auf den Seiten 8 und 9 von dem erfolgreichen Engangement eines Dorfes in Kolumbien sich mit internationaler NGO-Unterstützung dem dortigen Bürgerkrieg zu entziehen und sich durch ökologischen Bananananbau eine wirtschaftliche Existenzgrundlage zu schaffen. 

Mittwoch

425 plans for orderly exit from the eurozone

425 economists submit plans for orderly exit from the eurozone

In an attempt to win the £250000 of the „Wolfson Economics Prize“, 425 economists from all over the world submitted long and detailed plans for the orderly exit of a eurozone member, Financial Times Deutschalnd and Frankfurter Allgemeine Zeitung say. A jury composed of five economists –Charles Goodhart, Francesco Giavazzi and Manfred Neumann, Derek Scott, and Jean-Jacques Rosa -  has selected five finalists of which the winner will be announced on July 5. The prize’s sponsor Lord Wolfson, a member of the Conservative party and head of UK clothing retailer Next, said he wanted to make sure that the likely exit of a euro member would happen in an orderly and structured way without causing any panic on the financial markets. The youngest participant is a 10 year old boy from the Netherlands.
(Quelle: Eurointelligence News Briefing von heute)

Gesprächskreis Anonyme Insolvenzler

Diese Gesprächskreis bringt Menschen zusammen, die  sich vor oder in einem Insolvenzverfahren befinden, damit sie ihre Problem mit anderen besprechen können.  


hier der link für mehr Informationen

Montag

Der Euro ist nicht unser Schicksal

argumentiert Handelsblatt-Kolumnist Frank Wiebe auf Seite 12 des HB vom 28.12.2011:


"Die Europäer haben auch vor dem Euro friedlich zusammengelebt, und Deutschland war auch ohne Euro wettbewerbsfähig, ebenso wie heute noch zum Beispiel die skandinavischen Staaten." 

Samstag

Waffenschmuggel - Deutsche Schiffe vorn

Jeder fünfte internationale Waffenschmuggel wird über deutsche Schiffe abgewickelt. Das ist das Ergebnis einer neuen Studie des Stockholmer Friedensforschungsinstitut Sipri. Dessen Wissenschafter Griffiths und Jenks haben 2500 Schmuggelfälle in den beiden Jahrzehnten 1991 bis 2011 ausgewertet. Damit hält Deutschland einen traurigen internationalen Spitzenplatz, weit vor Griechenland und den USA. 
Da die Schiffscontainer versiegelt sind und die Zoll- und Hafen-Kontrollen sehr lasch, bereitet das Mischen von Waffen und Drogen mit legalen Handelsgütern wenig Mühe. Deshalb fordern die Wissenschaftler, dass die westlichen Staaten sich nicht einseitig auf die Piraterie-Bekämpfung konzentrieren sollen, sondern sich mit härteren Kontrollen und besserem Informationaustausch zwischen Hafen- und Zollbehörden auch auf dieses "schmutzige Loch im Welthandel" konzentrieren.
(Artikel im Handelsblatt, S. 19, 31.1.2012)

Freitag

Frieden ist möglich

Frederik S. Heffermehl (Herausgeber):
Peace is Possible. Publiziert durch das International Peace Bureau.


Über 30 internationale FriedensarbeiterInnen präsentieren in diesem Buch auf 152 Seiten ihre Arbeit und ermutigen so die LeserInnen, dass das Engagement für den Frieden nicht vergeblich ist, sondern dass sich Mut, Geduld und Fantasie im Engagement für den Frieden lohnt. Auch wenn das internationale Wettrüsten und die viele mondiale Gewalt lähmend wirkt, zeigen die Autoren in diesem Sammelband die Chancen kleiner Schritte. Eine gute Publikation zur Ermutigung. Auszüge liegen auch in deutsch vor: 

http://www.peaceispossible.de/ 

Donnerstag

Elektro-Mobilität

ist das Thema der Sonderbeilage in der heutigen FTD

Nach Griechenland: Spanien

Die Spur des Geldes: Die Euro-Krise wird in Spanien entschieden

März-Sommer in Bonn




Letztes Wochenende war der Blogger im schon fast sommerlichen Bonn und genoss die Botschaft der herrlichen Mandelbäume und japanischen Kirschen am Ufer des allseits glitzernden Rheinstroms: 
Dass uns trotz der vielen Weltprobleme auch noch Gutes geschenkt wird und wir uns trotz mancherlei Seufzer dennoch freuen dürfen. So wie sich unsere kleinen Enkel in Bonn über so viele schöne kleine Dinge freuen: Voll Unbesorgtheit, ohne Argwohn, in Vertrauen.

Mittwoch

Handelsblatt-Chef zur Euro-Krise

Gabor Steingart auf Seite 1 des HB am 26.1.2012:


"Die Banken, die unverantwortlich gehandelt haben, werden nicht bestraft. Die Griechen, die über ihre Verhältnisse gelebt haben, werden nicht in die Knie gezwungen. Die braven Steuerzahler, die für diese Krise nicht verantwortlich sind, werden belastet."

Quote of the Day

Will Rogers: 


"Of course, people are getting smarter nowadays; they are letting lawyers, instead of their conscience be their guides" 


(from: Leland Wilson "The Will Rogers Touch")

Dienstag

Was die Euro-Krise für deutsche Kommunen bedeutet

Titelseite der heutigen FTD:

Hellas "ohne" Mehrwertsteuer

ekathimerini.com | Loss of VAT revenues costs billions

Was ein DDR-Oppositioneller über Gauck meint

Hans-Jochen Tschiche, Satuelle, am 22.Februar 2012

Meine Damen und Herren,
als Pfarrer in der DDR war ich u.a. Leiter der Evangelischen Akademie in Magdeburg. 1989 gehörte ich zu den Gründungsmitgliedern der Bewegung „Neues Forum“ und wurde in die erste frei gewählte Volkskammer der DDR gewählt. Von 1990-1998 bin ich zum Fraktionsvorsitzenden der Partei Bündnis 9o/Die Grünen im neu geschaffenen Landtag von Sachsen-Anhalt bestimmt worden. Von 1994-1998 war ich der Alterspräsident dieses Landtages. Heute bin ich Ehrenpräsident des Landesverbandes Sachsen-Anhalt von Bündnis 9o/Die Grünen.
Mein langes Schweigen in der Debatte um Joachim Gauck will ich beenden, und schicke Ihnen hier meine Stellungnahme..
Nun ist es so weit: Joachim Gauck wird Bundespräsident. Die deutsche Öffentlichkeit tut so, als hätte sie nach einigen Nieten nun das große Los gezogen. Sie behängt ihn mit Würdigungen, die er nicht verdient. Er ließ sich in München bei einer Preisverleihung mit den Geschwistern Scholl vergleichen und wurde noch nicht einmal schamrot. Er hat niemals zur DDR-Opposition gehört, deren Akteure man im heutigen Sprachgebrauch Bürgerrechtler nennt. Er verließ erst Ende 1989 die schützenden Mauern der Kirche und kam über das Neue Forum in die Volkskammer. Aus dem Blätterwald tönt es nun: Der Bürgerrechtler Gauck. Und er reist ohne Skrupel auf diesem Ticket durch die politische Landschaft. Er ist kein Vater der protestantischen Revolution, sondern er gehört zu denen, die sie beendet haben. Endlich ist Gauck dort angekommen, wo er schon immer hin wollte- im konservativen Teil der westlichen Gesellschaft. Aber genau dieser Teil der Gesellschaft hat den Markt entfesselt. Die Konservativen haben die Geister gerufen, die ganze Länder in die Pleite treiben. In Deutschland öffnet sich die Schere zwischen den Armen und Reichen immer weiter. Effizienz und Tempo sind die neuen goldenen Kälber. Die Hektik bringt Menschen um ihre Gesundheit. Es heißt: Wer es nicht schafft, ist selber dran Schuld.
Laut und deutlich will ich aussprechen: Gauck ist die falsche Person. Wir haben es „ mit einem tönenden Erz und einer klingenden Schelle zu tun.“ Ich habe mich bisher gescheut, Joachim Gauck zu widersprechen. Nun will ich aber nicht mehr schweigen.

Montag

Solidarität in der Krise

In der SZ vom 4.3. präsentiert Alex Rühle auf S. 15 Beispiele eines eindrucksvollen Graswurzel-Aktivismus im heutigen Krisen-Griechenland 

Iring Fetscher zum 90. Geburtstag

"Von Rousseau bis Dornröschen" nennt Herfried Münkler seine schöne Würdigung des Politologen auf Seite 17 der SZ vom 3. März, bei dem sich auch der Blogger 1971 examiniert hat. 

Donnerstag

NGO-AktivistInnen online

Auf S. 12 der heutigen FTD: Ein guter Artikel über online-Aktivierung durch NGOs, insbesondere im Mittleren Osten.

Online Aktivierung für NGOs

Tactical Technology Collective

Politische Aktivierung - zehn Vorschläge für NGOs

hier geht´s zum link

Umweltgefährliche Projektplanungen in MO-Europa

FoE Europe - Press Release

Eine Liste Positiver Nachrichtendienste

Good News, Inspirational Stories, Positive Views - HuffPost Good News

Wie ein Dollar helfen kann

Poverty Resolutions, Microloan Nonprofit, Shows How Far $1 Can Go To Provide Jobs For Poor

Zeichen der Hoffnung: Kinderheime in Somalia

Tommy Standun: Nursing Southern Somalia Through Civil War And Famine

Korruption in Griechenland

"Corruption in the government and in business threatens to prolong Greece's debt crisis,  Dow Jones Wires quotes a new report by Transparency International Greece. The first assessment of the anti-corruption group shows that the fight against corruption is undermined by the country's government, businesses and civil servants not only failing to stop corruption but actively participating in it. The report urged Greece to improve disclosure rules of political parties, stronger rules to make private companies more transparent and merge existing anti-corruption agencies into a single body. According to an EU corruption survey published this month, 98% of Greeks feel corruption is a major problem in their country, with 88% saying corruption is part of Greek business culture.  A study by the Washington-based Brookings Institution from mid-2010 estimated that corruption costs Greece the equivalent of 8% of GDP per year."

(aus dem heutigen Eurointelligence News Briefing)

Dienstag

Neue Bonhoeffer-Biographie

Quelle: planet-wissen.de


Ein guter alter Freund in den USA hat mich auf die neue Bonhoeffer-Biographie von Eric Metaxas aufmerksam gemacht, die letztes Jahr auch in deutsch erschienen ist (bei Amazon auf Englisch 12.89 euro, auf Deutsch 29,95 euro). 


Die nachfolgenden Gedanken kamen mir bei der Lektüre der fast 600 Seiten der US-Ausgabe. Natürlich erheben sie nicht den Anspruch einer richtigen Rezension. Ich schreibe einfach auf, was mir durch dieses Buch an Bonhoeffer wichtig geworden ist. 


Wie viele Menschen, die sich entweder für moderne Theologie oder für den Widerstand gegen Hitler oder auch für beides interessieren, hatte ich vor der Buchlektüre ein traditionelles Bild von Bonhoeffer, eine Sammlung diverser Informationen aus Zeitschriften, deutsche Biographien, Bücher von Bonhoeffer selber. 


Metaxas´ Buch hat meinen Kenntnishorizont erheblich erweitert und vertieft. Der Autor hat sich erfolgreich der großen Mühe unterzogen, das Leben Bonhoeffers, seine Persönlichkeit, seine Theologie, die Weimarer Republik, den Aufstieg und das Ende des Nazi-Regime gleichermaßen angemessen darzustellen. Dementsprechend legt er ein Gesamtbild vor, das diese einzelnen Dimensionen prägnant schildert und aufeinander bezieht. So entsteht neben der Präsentation von Bonhoeffer auch eine Art geschichtlicher und kultureller "Deutschland-Kosmos" der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. 


Prägnanter Eindruck aus der Jugendzeit: Bonhoeffers Musik-Leidenschaft inklusive eigener Kompositionen und ein großes Feingefühl für demokratischen Umgang in der gemeinsamen Kammermusik-Praxis. 


Der Erste Weltkrieg unterbricht die Idylle des Berliner Hauses der Bonhoeffer-Familie. Der älteste Sohn stirbt an der Westfront. Dietrich entschließt sich Theologie zu studieren, zunächst in Tübingen. Eine Reise nach Rom zusammen mit seinem Bruder Klaus macht großen Eindruck auf ihn und lässt ihn engagiert über die Frage "Was ist die Kirche" reflektieren und das zu einem für einen Lutheraner nicht gerade gängigen Anlaß: Eine Palmsonntag-Messe im Petersdom. Nach drei Studienjahren in Berlin macht Bonhoeffer ein Auslandsvikariat in Barcelona. Seine Spanisch-Kenntnisse sind so gut, dass er Cervantes "Don Quichotte" im Urtext lesen kann. 


Die Jahre 1930-1931 verbringt Bonhoeffer in den USA. Mit der scharfen Kontroverse dortiger liberaler und fundamentaler Theologie kann er nichts anfangen. Umso größere Eindrücke machen auf ihn die "Negro Churches" in Verbindung mit einem Aufenthalt im Süden der USA und in Mexiko: "When I took leave of my black friend, he said to me: Make our sufferings known in Germany, tell them what is happening to us, and show them what we are like". Bonhoeffer kaufte Schallplatten mit Negro Spirituals und brachte sie in seine spätere Ausbildungstätigkeit in Deutschland ein.


Wieder zurück nach Deutschland übernimmt Bonhoeffer einen Lehrauftrag an der Universität Berlin und lässt dabei die Studierenden unter anderem an seinen Erlebnissen mit der farbigen Kirche in den USA teilhaben. 


Schon kurz nach der Machtergreifung Hitlers macht Bonhoeffer in einer Predigt seine eigene Position deutlich und seine Erwartung an die Kirche, dass sie diesem "Führer" ohne Wenn und Aber zu widerstehen habe. Bonhoeffer geht sogar noch weiter, dass er von der Kirche fordert, in jedem Fall sich auf Seite der Opfer zu stellen, auch wenn sie nicht Mitglieder der Kirche sind. Und "nur" Solidarität mit den Opfern von Unrecht und Gewalt ist Bonhoeffer nicht genug, man muss auch "dem ungerechten Rad in die Speichen fallen." Das führt Bonhoeffer konsequent in die Mitgliedschaft der Bekennenden Kirche, für die er 1935-1937 die Ausbildung angehender Pastoren übernimmt - nicht nur theologisch, sondern auch als persönliches Vorbild, dem Trägheit, Unfairness, Eitelkeit schon seit seiner Jugend fremd gewesen ist. 


Kurz bevor er zur Wehrmacht eingezogen werden soll, reist er erneut in die USA. Doch die Situation in Deutschland lässt ihn auch dort in Gedanken nicht los. Schon nach vier Wochen reist er wieder zurück nach Deutschland. Mit großer Klarheit sieht er Hitlers Weg in den Weltkrieg voraus und ruft deshalb zum gewaltfreien Widerstand und zu einem weltweiten ökumenischen Friedenskonzil auf ("Frieden statt Sicherheit"), was bis in die Friedensbewegung der 80er nachgewirkt hat. 


Nachdem eine Ausbildungstätigkeit für Bonhoeffer unmöglich geworden ist, schliesst er sich der Widerstandsgruppe gegen Hitler an. Er verlobt sich mit Maria Wedemeyer. Im April 1943 wird er verhaftet und ins Gefängnis Tegel gebracht, im Oktober 1944 ins Gestapo-Gefängnis in der Berliner Prinz-Albrecht-Strasse, wo er unter anderem das Lied "Von guten Mächten" schreibt. Er stirbt am 9. April 1945 im KZ Flossenburg. Er geht in den Tod mit derselben unbeugsamen tapferen und gottzugewandten Haltung, die sein ganzes Leben charakterisiert hat. 


Wie schon gesagt: Diese Zeilen im Blog sind weit entfernt von einer fundierten Rezension im klassischen Sinne. Insbesondere habe ich auf eine Würdigung seiner Theologie verzichtet. Aber ich habe durch Metaxas´ Buch Bonhoeffer ganz neu erlebt. Bisher kannte ich ihn nur oberflächlich, nun aber tiefer: Die große Übereinstimmung seiner Theologie mit seinem Leben, seinen Mut, seine Menschenzugewandtheit, den hohen Anspruch, den er an sein Leben stellte. 


Es ist beeindruckend, dass dieses Buch von jemand geschrieben wurde, der sich erst in die deutsche Sprache hineinlesen musste. 

Montag

Gauck - kritisch-wohlwollend kommentiert

Ein bemerkenswerter Kommentar von Andreas Theyssen zum neuen Bundespräsidenten in der heutigen FTD auf Seite 24. 

Mittwoch

Ein Grieche blickt auf Hellas


Nikos Dimou:
Über das Unglück, ein Grieche zu sein 
Verlag Antje Kunstmann. 80, Seiten, Euro 7.95


Blog-Leser Winfried Stanzick hat freundlicherweise folgende Rezension zu diesem bemerkenswerten Buch über Griechenland zur Verfügung gestellt:

"Auf ein solches Buch hat man in Europa gewartet. Neben den eindrucksvollen Interviews, die der in Deutschland sehr beliebte Schriftsteller Petros Markaris in den letzten beiden Jahren zum finanziellen und volkswirtschaftlichen Abstieg Griechenlands gab (mit "Faule Kredite" hat er dem Thema ein ganzes Buch gewidmet) ist der hier nun zum ersten Mal auf Deutsch vorliegende Aphorismenband des bekannten griechischen Philosophen Nikos Dimou ein aufschlussreiches Dokument. Das Buch ist schon 1975(!) zum ersten Mal erschienen und hat nun nach seiner Wiederveröffentlichung in Griechenland sofort die Bestsellerlisten erobert.
Schon 1975 schrieb Dimou etwa: "Ein Grieche tut alles, was er kann, um die Kluft zwischen Wunsch und Wirklichkeit zu vergrößern." Und regelrecht prophetisch, wenn man den aktuellen Zustand des Landes anschaut: "Mit Methode und System, die unserem täglichen Leben und unsere Arbeit fehlen, konzentrieren wir uns auf unsere geheime Mission: das wunderbare Land, das uns das Schicksal zugedacht hat, so effektiv wie möglich zu zerstören."

Deutsche Leser, die vielleicht seit Jahren mit Entsetzen beobachten, wie jede neue Milliarde, für die sie auch als Steuerzahler haften werden, im griechischen Sumpf verschwindet, mögen diese Aphorismen eine Lektüre sein, die ihnen großes Vergnügen bereiten. Für einen griechischen Leser jedoch sind sie eine Qual, denn sie zeigen ihm "das Grundproblem seiner Existenz, sein Verlangen nach mehr und seine Unfähigkeit, sich mit weniger zu begnügen."

Dem Rezensenten wurde bei der Lektüre, die ihn nur selten zum Lachen brachte, mehr als einmal deutlich, wieso in den vergangenen beiden Jahren die EU mit ihrem Mitgliedsland Griechenland solche Probleme hatte. Und auch, warum das Vertrauen in die Griechen, sollte es jemals wirklich bestanden haben, zurzeit völlig aufgebraucht ist. Die Wahlen im April werden zeigen, ob das Volk weiter für seinen eigenen Abstieg in den Untergang stimmt.

Das neu aufgelegte Buch von Nikos Dimou will dazu beitragen, im eigenen Land zu wirken und in Deutschland etwa zu zeigen, dass es auch eine konstruktive Sicht der Dinge gibt, bitter realistisch, aber nicht ohne Hoffnung für ein geliebtes Land. Er schreibt über sein Buch 2012:
Es sei "ein bitteres Nachdenken" über das tragische Schicksal des Landes, "gespalten zu sein zwischen Vergangenheit und Gegenwart, Norden und Süden, Osten und Westen. Es ist eine Liebesserklärung an Griechenland, das wahre, das tiefe Griechenland - und nicht das oberflächliche Land der Mythen, das die Griechen selbst geschaffen haben, um der Realität zu entkommen."
 
Er sei kein Anti-Grieche, sagt Dimou, sondern ein Mann, dem seine Heimat am Herzen liege. Er wolle seinen Mitbürgern helfen, dem delphischen Motto "Erkenne dich selbst" zu entsprechen. Doch ihm ist klar:
"Das kann eine schmerzliche Prozedur sein, wenn deine Mentalität, deine Erziehung dich von Anfang an gelehrt haben, die Wahrheit zu meiden. Griechenlands gegenwärtige missliche Lage ist zu großen Teilen das Ergebnis dieser Mängel im nationalen Charakter. Um es mit aller Emotion zu sagen: Die Griechen müssen sich neu erfinden, wenn sie in der heutigen Welt überleben wollen."

Weitere Milliarden dort hinzupumpen, wird diesen schmerzlichen Selbsterkennungsprozess einer ganzen Nation nicht fördern, sondern die von Dimou beklagte Haltung nur noch verlängern. Die, die jetzt in Griechenland auf den Straßen protestieren und Häuser anstecken, sind Teil des Problems. Wenn sie nun alles dem "Staat" als Schuldigen zuschieben, zeigen sie genau die Einstellung, die Dimou schon 1975 (!) beschrieben hat. Man sollte den Finanzministern und den Regierungschefs der EU-Länder ein Exemplar dieses erhellenden Buches zusenden vor ihren nächsten Entscheidungen."

Montag

Schubert Klaviersonate D 894 G-Dur

Ein guter Freund hat mir diese Komposition nahegebracht. In einer Einspielung von Mitsuko Uchida von 1996. Ich kenne Schubert kaum und war sehr beeindruckt. 


Für den Ersten Satz "Molto moderato cantabile" nimmt sich Uchida über 18 Minuten Zeit. Es soll Pianisten geben, die sich sogar mehr als eine halbe Stunde dafür nehmen. Das ist schon kompositorisch selten. Aber das Thema des ersten Satzes ist so bewegend, dass man es immer wieder hören mag und damit guten Herzens einschlafen kann. Die/der HörerIn sollte aber genügend Geduld, Konzentration und Empathie mitbringen. 


Ganz zum Schluß wurde ich traurig. Hatte ich es recht gehört: das Thema soll(te)... wieder erklingen, aber es erklang nicht mehr. Nicht mehr ganz. Eine Hemmung hörte ich. Bruch. Bruchstücke. Un-vollendet. Bitte, wollte ich sagen, spiel´ es vollständig. Aber es erklang nicht mehr vollständig. Darf man sagen: In der Ewigkeit möge er es zu Ende spielen. 


Quelle: classical.net

Mein Freund meinte, der Grund sei, dass das Thema eigentlich ewig weiter singen will, es aber auf Erden doch auch sein Ende finden muss. 


Ich verstehe das schon, dass Sehnsucht nach Ewigkeit und temporale Endlichkeit in Spannung zueinander stehen, aber der tonale Schluß bei dieser Sonate hat mich doch etwas unruhig werden lassen. Da hörte ich eher heraus: Schubert "schafft" das Thema nicht mehr, es ist ihm abhanden gekommen. 


Mein Freund nennt diesen Satz "unendlich traurig und gleichzeitig unendlich tröstlich". Eine Formulierung mit großer Spannweite, 
Traurigkeit und Trost so aufeinander zu beziehen. Romantisch sein, damit assoziierte ich früher "verspielte Personen in bunten Röckchen". Darüber bin ich in Gesprächen mit Freunden, die es besser wissen, hinaus gekommen. Aber letztlich konnten auch sie mir keine Antwort geben, warum "Die Schöne Müllerin" oder gar "Die Winterreise" so schlimm ausgehen. Mit viel gutem Willen, kann ich vielleicht noch beim Ersten in "Baches Wiegenlied" etwas Trost finden, aber im "Leierkastenmann"?

Mein Freund hat mich noch auf den Kontrast zwischen Beethoven und Schubert hingewiesen: Bei Beethoven die Exposition der Themen, ihr Widerstreit, ihre Versöhnung. Man denkt darüber nach im Kopf, wenn man die Musik hört. Bei Schubert: Gesungene, gemalte Melodien, für deren Gesang und Farbe sich Schubert viel viel Zeit nimmt, indem er die Themen-Melodien immer neu färbt, mal dunkler, mal heller, mal weicher, mal härter. 

Schubert soll gesagt haben: "Ich kenne keine heitere Musik".

Dowland hat ein Stück komponiert: "Semper Dowland, semper Dolens". Und viele viele "Lachrimae".

Mittwoch

Hellas und der Euro

EU Commission vice president Neelie Kroes (über den möglichen Austritt Griechenlands aus der Eurozone):


„It is absolutely not the end of the world if someone gets out“


(zitiert nach dem heutigen Eurointelligence Morning Briefing)

Freitag

Das Ende der Nato-Strategie in Afghanistan

Aus einem Kommentar in der FTD vom 2.2.2012, Seite 25:



"Es ist nicht nur die – seit Jahren bekannte
– Unterstützung aus Pakistan, die
die Taliban so stark macht. Es ist die
viel zu lange auch vom Westen stillschweigend
geduldete, wenn nicht
sogar durch viel Geld und falsche
Personalauswahl geförderte Korruption
im Land, die zum größten
Einfallstor für die Taliban geworden
ist. Die Erinnerung an die Terrorherrschaft
der Radikalislamisten
verblasst eben, wenn man im befreiten
Afghanistan erleben muss, wie
derjenige überall weiterkommt, der
Richter und Beamte besticht.
Wer eine Rückkehr der Taliban
verhindern will, muss ihnen diesen
Trumpf nehmen, die Korruption im
Land endlich genauso bekämpfen
wie die Radikalislamisten. Es wäre
die schlimmstmögliche Niederlage
für den Westen, wenn die Taliban
den Kampf am Ende nicht militärisch,
sondern moralisch gewinnen."

Dienstag

"Wahnsinn mit Geschichte"

Mit dieser Überschrift verabschiedet sich Lucas Zeise nach zwölf Jahren als Kolumnist für die FTD. Hier ein Auszug:


"Der Feuersturm bricht los, wenn
Griechenland – vermutlich im März –
die Zahlungsunfähigkeit erklärt.
Dann wird sich erweisen, ob die von
der IWF-Chefin erwähnten Brandmauern
um Italien, Spanien, Portugal
und so weiter halten. Dann wird sich
erweisen, ob die Kanzlerin recht hat,
wenn sie in den letzten Wochen immer
wieder betonte, Griechenland sei
ein ganz anderer Fall als die übrigen
Euro-Länder. Dann wird sich zeigen,
ob es der EZB gelingt, mit massiven
Zukäufen die Preise der Staatsanleihen
der Südländer zu stabilisieren
und die Währungsunion zu erhalten."


Die ganze Kolumne auf Seite 24 der heutigen FTD

Mittwoch

Die Wulff-Connection

Die heutige FTD präsentiert auf Seite 9 ein gutes Schaubild über das Netzwerk Wulff

Dienstag

In der heutigen FTD:

ftd.de


Seite 4: 
Die deutsche Aufsichtsrat-Connection


Seite 23: 
Landesfocus: Myanmar


Seite 28: 
Humorvolle "Aus-Schnitt"-Collagen zu aktuellen Themen
Hier ein Auszug aus der Steuersünder-Liste, die das griechische Finanzminister jetzt online gestellt hat. Komplett einzusehen unter: 

http://www.gsis.gr/debtors/fp.html

Ληξιπρόθεσμες οφειλές φυσικών προσώπων (άντληση στοιχείων 25/11/2011)


Α.Φ.Μ.Στοιχεία ΟφειλέτηΒασική οφειλή Δ.Ο.Υ.Βασική οφειλή ΤελωνείωνΣυνεισπραττόμεναΣύνολοΠαρατηρήσεις
016314081ΚΑΣΙΜΑΤΗΣ ΝΙΚΟΛ ΠΕΤ561.567.594,980,00390.520.186,57952.087.781,55
028584729ΣΙΕΜΠΟΣ ΕΥΑΓΓ ΓΕΩ191.793.657,310,00128.905.836,52320.699.493,83
049652209ΚΑΡΥΔΟΠΟΥΛΟΥ ΕΛΕΝΗ ΝΙΚ141.762.777,540,0098.149.877,80239.912.655,34
067690627ΟΙΚΟΝΟΜΟΥ ΕΛΕΝΗ ΣΩΤ160.867.598,810,0055.858.215,94216.725.814,75
020864597ΓΕΩΡΓΙΤΣΟΓΙΑΝΝΑΚΟΣ ΣΤΑΥΡ ΙΩΑ83.202.568,803.235.513,5980.219.379,79166.657.462,18

Mittwoch

Europa quo vadis?

Werbung in der heutigen FTD

Hellas: Bankrott - aber Geld für Panzer

MITTWOCH, 18. JANUAR 2012
Guten Morgen Herr Luber,
Unser Griechenland-Korrespondent Gerd Höhler ist ein Freund seines Gastlandes. Aber ein unbestechlicher Fehlergucker ist er auch: In unserer heutigen Ausgabe berichtet er von einem Land, das die Renten kürzt, die Staatsbediensteten entlässt, den Schulen die Schulbücher streicht und in dessen Kliniken die Mullbinden ausgehen. Dennoch will das kurz vor der Staatspleite stehende Griechenland jetzt 400 ausrangierte US-Panzer übernehmen und modernisieren. Einen größeren zweistelligen Millionenbetrag soll das kosten. Dabei hat Griechenland schon heute die größte Panzerdichte gemessen an der Bevölkerung. Und schon heute fehlt für 350 moderne Leopard-Panzer made in Germany die nötige Munition. Höhler sagt: "Es fällt zunehmend schwer, die Politik dieses Landes zu verstehen." 

Ich wünsche Ihnen einen schwungvollen Start in den Tag. Es grüßt Sie herzlichst Ihr

Gabor Steingart
Chefredakteu

Freitag

In der heutigen FTD:

  • Seite 5: Wie Rheinmetall und MAN sich auf mehr Rüstungsexporte vorbereiten
  • Seite 25ff: Horst von Buttlar erzählt von einer Woche ohne email
  • Seite 29: "Rückkehr" zum Bleidrucksatz: Neues Startup mit alter Technik
Seite 31: Thomas Fricke: Warum regen wir uns statt über Wulff leider nicht über viel wichtigere Dinge auf

ftd.de



Zu Buttlars Erlebnissen fällt dem Blogger ein, wie er vor 35 Jahren seine Diktafon-Casetten am Wochenende per jogging zum Büro brachte und http://dstrombeck.de/Plakate6/Fotoplakat_Schreibabteil_1962.jpgab und zu im legendären Schreibabteil der damaligen TEE-Züge sass


 Bildquelle: www.drehscheibe-foren.de/.../read.php?17,3764057