| SZ 2.12.10 |
Donnerstag
Schulden, mehr Schulden, noch mehr Schulden
Kein schönes Blogpost-Jubiläum, dieses 200. Posting - aber an der Wahrheit kommt keiner vorbei. Das Diagramm zu den Schuldenquoten von EU-Ländern zeigt besser als viele Worte, wie riskant die Situation geworden ist.
Finanzanalytiker im Interview: Die PIGS-Rettungsstrategie ist gescheitert
In der der heutigen online Ausgabe der FTD entlarvt der namhafte Finanzanalytiker Jochen Felsenheimer die Sanierungmaßnahmen von Berlin und Paris für die pleiten Euro-Peripherieländer. Jochen Felsenheimer ist Kreditexperte beim Luxemburger Asset Manager Assenagon. Hier ein paar Interview-Auszüge:
FELSENHEIMER Sie müssen auf die Kosten für die Versicherung gegen einen deutschen Zahlungsausfall (schauen). Und die CDS auf Deutschland sind Anfang der Woche merklich hochgegangen.
FTD: Bei den CDS auf Frankreich ist diese Entwicklung sogar noch viel
deutlicher zu sehen, von Belgien ganz zu schweigen. Kommen die
Einschläge näher?
FELSENHEIMER Zumindest steigt der Druck, im Fall Frankreichs und Belgiens sogar kräftig.
FTD Dabei hatte die Politik doch genau auf das gegenteilige Szenario
gehofft: Irland wird gerettet, und dann beruhigen sich die Märkte
wieder.
FELSENHEIMER Die Halbwertzeit dieser Maßnahmen wird immer kürzer. Die Märkte lassen sich damit nicht mehr beruhigen.
FTD Wie geht es weiter?
FELSENHEIMER Der Druck wird steigen. Die Politik hat ganz auf die Wirkung ihrer Hilfspakete vertraut. Diese Strategie ist gescheitert.
"PIGS"? BFD!
Noch beschwichtigen inkompetente Lokalzeitungen und appeasement-PolitkerInnen die deutschen BürgerInnen: Finanzkrise? Das ist doch Griechenland, Irland, vielleicht noch Portugal und Spanien. Also alles so schön weit weg von uns hier. Im heilen Deutschland ist doch alles roger.
Wer das hört und bevor er das selber glaubt, sollte sie mal auf die ständig steigenden Risikoprämien gegen den Ausfall von Staatsanleihen von angeblich in top Zustand befindlichen Staaten wie Deutschland, Belgien und Frankreich blicken.
So "einfach" ist es, die Finanzwirtschaft zu verstehen. Man muß nur auf die Märkte gucken. Und dann die Worte der PolitikerInnen und die Realitäten der Märkte kontrastieren. Die Märkte lügen nicht.
Wer das hört und bevor er das selber glaubt, sollte sie mal auf die ständig steigenden Risikoprämien gegen den Ausfall von Staatsanleihen von angeblich in top Zustand befindlichen Staaten wie Deutschland, Belgien und Frankreich blicken.
So "einfach" ist es, die Finanzwirtschaft zu verstehen. Man muß nur auf die Märkte gucken. Und dann die Worte der PolitikerInnen und die Realitäten der Märkte kontrastieren. Die Märkte lügen nicht.
| FTD online-Ausgabe von heute |
Mittwoch
Rechtsgeschichte - kompetent dargestellt und spannend erzählt
Rezension von:
Uwe Wesel: Geschichte des Rechts in Europa. Von den Griechen bis zum Vertrag von Lissabon. C.H.Beck Verlag. 734 Seiten. 38 Euro
Bist du verrückt, sagten besorgte LeserInnen des Unbequemen Blogs als ich ihnen erzählte, dass ich ein rechtshistorisches Buch zur Rezension in meinem Blog erhalten hätte. Ich wußte, was sie meinen: Recht, Rechtsgeschichte, das klingt so ganz nach abstrakt, langweilig, staubtrocken.
Um es gleich in einem prägnanten Urteil über dieses Buch zusammen zu fassen: Dieses eindrucksvolle Buch ist das genaue Gegenteil, nämlich flüssig geschrieben, spannend formuliert, geistreich, auch mal humorvoll. Jedenfalls nie langweilig und immer den Leser motivierend, weiter darin zu lesen. So vergehen die Lektüre der über 700, mit kompakten Informationen auf höchstem Niveau ausgestatteten Seiten wirklich "im Flug".
Uwe Wesels Schreibstil ist eindrucksvoll prägnant. Kurze Sätze. Klare Aussagen. Ich hoffe, der Autor nimmt es als persönliches Lob - so ist es jedenfalls vom Rezensenten gedacht - wenn ich es so formuliere: SO wünschte man sich als juristischer Laie auch mal andere rechtsthematische Monographien...., die oft so lese-ungenießbar einherkommen.
Wesels monumentales Werk ist eigentlich eine Abhandlung für drei große Themenbereiche bzw. kann in dreifacher Weise gelesen werden:
- Als Einführung ins juristische Denken
- Als Einführung in die europäische Geschichte
- Und - natürlich und last not least - als Einführung in die europäische Rechtsgeschichte
Unter welchen Aspekten auch immer man Wesel Buch liest, es ist immer ein Gewinn. Was dem Autor neben dem Monographischen auch gut gelungen ist: dass die Leserin immer wieder erkennt: Was sind besonders wichtige topoi in der Rechtsentwicklung (z.B. der Kontrast Sklave-Freier oder das Kategorienpaar Besitz-Eigentum).
Auserdem hat Wesel die schöne Gabe, gute Zusammenfassungen zu schreiben, die nicht abstrakt-nichtssagend sind, sondern wirklich die Dinge klar und präzise auf den Punkt bringen.
Für den Rezensenten war besonders Wesels Zusammenfasung des 19. Jahrhunderts (S. 425-450) und die des 20. Jahrhunderts (S. 535 ff) überzeugend und lesemässig ein hoher Genuß. Da präsentiert Wesel tatsächlich in knappen, aber pointierten und überzeugenden Sätzen eine Porträt von 200 Jahre europäischer Geschichte, die locker die Lektüre manch anderer ermüdender Monographien zum gleichen Thema ersetzen. Wenn man diese knapp 100 Seiten aufmerksam studiert hat, hat man wirklich einen tollen instruktiven Einblick in unsere Gegenwart.
Wolfgang Münchau (FTD): Warum die Euro-Zone zerbricht
Einige Zitate aus dem langen scharfsinnigen Artikel des FT- und FTD- Kolumnisten in der FTD von gestern - die Lektüre des ganzen Artikels ist jedem zu empfehlen, der nicht die Augen verschließen will, was gegenwärtig auf dem Spiel steht.
Der EU-Rettungsschirm kann die Insolvenz der Pigs-Staaten nicht verhindern. Tatsächlich machen die Hilfskredite alles nur schlimmer – sie bedrohen die Existenz der Währungsunion.
Wir steuern in Europa auf einen Massenbankrott souveräner Staaten zu. Griechenland, Irland und Portugal werden irgendwann in den nächsten Jahren ihre Schulden nicht mehr bezahlen können. Dazu sind die Schuldenstände zu hoch, und das Wachstum ist zu gering.
Auch die Kredite unter dem europäischen Rettungsschirm helfen da
nicht. Irland muss dafür Zinsen von 5,8 Prozent zahlen. Bei einem Realwachstum von minus zwei Prozent und fallenden Preisen beschleunigt das nur die Insolvenz.
In Irland ist eine der gewaltigsten Immobilienblasen der modernen Geschichte geplatzt. Ebenso in Spanien.
Schon jetzt sehen wir, dass die Wachstumsprognosen für 2010 zu
optimistisch waren. Griechenland hat schon die erste Hürde gerissen. Die Europäische Kommission sagt, dass auch Spanien seine Ziele nicht erreichen wird.
Die EU ist wie ein Hund, der seinen Schwanz jagt. Die Kommission sagt, er müsse schneller jagen.
Internationale Investoren sind oft irrational, aber nicht annähernd so
irrational wie Politiker angesichts einer Krise.
Mit projizierten Staatsschuldenständen von 100 bis 150 Prozent,
stagnierenden Wachstumsraten und steigenden Marktzinsen ist die Insolvenz dieser Länder nicht mehr aufzuhalten.
Es sind keine Spekulanten am Werk. Es gibt einfach niemanden mehr im Privatsektor, der zu den gegebenen Konditionen noch Staatsanleihen aus der europäischen Peripherie kauft. Und da die EU-Regierungen das Problem nicht lösen, sondern nur deckeln, verlieren die Investoren das Vertrauen.
Irgendwann werden Regierungen in den betroffenen Ländern erkennen, dass sie selbst beim besten Willen die Kurve einfach nicht mehr kriegen.
In der Zwischenzeit steigen die Schuldenlasten der Staaten in der europäischen Peripherie, und es kommt am Ende zu einem Ausfall, der die Kreditgeber, allen voran Deutschland, sehr viel Geld kosten wird. Es wäre viel billiger, Griechenland und Irland jetzt in die Insolvenz zu schicken und das Geld für eine dann nötige Rekapitalisierung deutscher
Banken auszugeben.
Es stellt sich die Wahl zwischen einem Schrecken ohne Ende – dem Verbleib im Euro-Raum mit geringem Wachstum und schwacher Wettbewerbsfähigkeit – und einem Ende mit Schrecken. Eine
Restrukturierung der Schulden, verbunden mit einer Abwertung, würde
innerhalb von zwei oder drei Jahren wieder zu positivem Wachstum führen. Bei Verbleib im Euro-Raum droht die ewige Krise.
Wenn wir nicht bald entschlossen handeln, erlebenwir in diesen Tagen und Wochen den Anfang vom Ende der EU selbst.
Die Banken haben uns alle in Geiselhaft
Gratulation. So muß PR für das Bankwesen sein: Dem Steuerzahler von der Politik Milliarden um Milliarden Euro abknöpfen lassen, um das als sogenannte solidarische Rettung der Pleiten-PIGS zu deklarieren, in Wahrheit aber damit die die Profitstabilität der Banken sichern.
Und niemand stellt dieses Verfahren an den Pranger. "Die Gewinne werden privatisiert, die Verluste werden sozialisiert" - wie oft haben wir gehört, das sei nur infame marxistische Polemik. Aber genau das passiert durch Europas Banken seit dem Griechenland-Bankrott.
Und die Banken setzen in ihrer unverschämten Gier auch noch eins drauf, beharren auf einer absurd niedrigen Eigenkapitalquote und gefährden dadurch in massiver Weise die Stabilität unseres Finanzsektors.
Das kann auf die Dauer nicht gut gehen. Nur traurig, dass wieder mal der kleine Mann, Rentner, Hartz IV Empfänger und ehrlicher Steuerzahler die Zeche zahlen wird.
Nach den PIGS-Pleiten: Nun gerät auch Deutschland unter Druck
Das Rettungspaket für das in die Pleite geratene Irland hat die Märkte überhaupt nicht überzeugt. Risikoaufschläge und Kosten für Kreditausfallversicherungen stiegen auch gestern unaufhaltsam an.
Zum ersten Mal geraten auch Euro-Kernländer in akuter Gefahr. Der Händler einer europäischen Großbank wird mit den Worten zitiert: „Die Investoren wollen im Moment nur noch raus aus Anleihen, sogar Papiere aus Frankreich und den Niederlanden werden abgestoßen“.
An die Rekordhöhen der Risikoaufschläge für spanische und italienische
Staatsanleihen hat man sich fatalerweise schon gewöhnt. Davor kann auch die spanische Regierung nicht mehr ihre Augen verschließen und muß ihre bisherige appeasement-Haltung aufgeben. Die Höhe, die die Zinskosten erreicht haben, die Spanien für seine Refinanzierung zahlen muß, nennt der spanische Wirtschaftsstaatssekretär nun "besorgniserregend".
Dessen ungeachtet posaunt der Präsident der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, fröhlich weiter, dass man „die Stabilität der Euro-Zone nicht ernsthaft infrage stellen“ dürfe. Und der sattsam für seine Arroganz bekannte Schweizer Bank-Chef der Deutschen Bank Josef Ackermann sekundiert fahrlässig mit den coolen Worten, die Probleme im Bankensektor seien „händelbar“.
Die WählerInnen sollten sich diese Sätze gut merken, wenn der Euro-Offenbarungseid kommt und sie für das Mißmanagement der Krise gerade stehen müssen.
Fakt ist, dass weder die Milliarden, die ins finanzmarode Irland gepumpt werden, noch der untaugliche Krisenmechanismus von Merkel die Märkte davon abhält, immer stärker auf das Ende des Euro zu spekulieren.
Dazu knöpfen sie sich erstmal die nächsten Pleitenkandidaten vor, für dessen Sanierung wir demnächst zur Kasse gebeten werden: Portugal und Spanien. „Die Zahl der Investoren steigt, die solche Papiere zu keinem Preis anfassen wollen“, sagt Jim Read, Stratege der Deutschen Bank.
Aber gleichzeitig rückt die Euro-Krise nun auch gefährlich immer näher an Deutschland heran. In den letzten vierzehn Tagen sind die Kreditausfallversicherungen auf deutsche Staatsanleihen um mehr
als 50 Prozent angestiegen. „Die Euro-Zone verkommt
zur Transferunion, Deutschland trägt einen großen Teil der Last.
Investoren fragen sich daher zunehmend, ob die niedrigen Renditen deutscher Anleihen noch gerechtfertigt sind“, formuliert ein Bankenexperte die Stimmung der Märkte.
(Referenz: Frontseite der heutigen FTD)
Dienstag
PIGS-Pleiten - kein Land in Sicht
Das angebliche "Rettungs"paket für Irland ist an den Finanzmärkten wirkungslos verpufft. Stattdessen fürchten die Investoren, dass die Schuldenkrise bald auf Portugal und Spanien übergreift. Auch der US-Ökonom Roubini rechnet damit, dass Portugal als nächstes auf EU-Kosten saniert werden muß.
Und der Europa-Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland prognostiziert, dass die Krise bestimmt nicht mit Portugal aufhört, sondern dann auch Spanien erreicht. Und jenseits vom potenziellen Krisenland Spanien werden schon verdächtig häufig noch weitere Staaten (Belgien, Italien, inzwischen neuerdings sogar Frankreich!) genannt.
Gestern kletterten die Kosten für die Absicherung portugiesischer und spanischer Staatsanleihen gegen einen Zahlungsausfall dieser Staaten auf eine ungeahntes Rekordniveau. Ausserdem trennen sich die Anleger von Bankaktien aus Spanien und (!): Frankreich.
Wer die Zeichen der Zeit lesen kann, weiß wohin die Reise geht.
(Referenz: Artikel von Doris Grass und Mark Schrörs in der heutigen FTDk)
Wikileaks für Schnell-LeserInnen
Den besten Überblick über die informationellen "Filetstücke" unter den dankenswerterweise durch Wikileaks enttarnten Dokumente gibt die heutige FTD auf Seite 11:
Der neue Südeuropa-PIGS-Weicheuro schon im Umlauf? Blick auf einen Prototyp
Aus sicher ganz voreiligen Gerüchten höre ich, dass in den Münzprägefirmen schon der neue Südeuropa-PIIGS-Euro designiert wird.
Demnach wird die Akzeptanz des abgesplitterten Weich-Euros bestimmt nicht am ästhetischen Niveau scheitern.
Hier die Blaupause:
Über den Trümmern der Akropolis reitet eine schön drapierte irische Harfe auf einem spanischen Stier. Das ganze hübsch umrahmt von einem Reigen griechischer Oliven.
Wow, MünzensammlerInnen aufgepasst. Da kommt eine neue Seite in eurem Katalog auf euch zu.
"Endgame" Is it Beckett? No it is the Euro!
Wieder das übliche Muster. Die EU macht ein Abkommen und die Märkte geraten in Panik. Diesmal dauerte das Schauspiel nur paar Stunden. Die EU-Glaubwürdigkeit sinkt von Tag zu Tag. Bankrott-Anzeichen überall. Die Renditen für spanische Staatsanleihen stiegen gestern erneut und sogar auch die für italienische Anleihen. Dass Griechenland, Irland und Portugal faktisch bankrott sind, ist für die unter Finanzanalysten schon gar keine Frage mehr. Eher fragen sie sich, wie lange Spanien noch seinen Bankrott vermeiden kann. Die Aussichten sind düster: Mit jeder Stunde, wo die Zinssätze steigen, verschlechtert sich auch für Spanien die Situation. Und ausserdem nehmen die Märkte nun auch schon Italien und Belgien in ihr Visier. Hier die Fakten: Irlands Zinssätze werden unter dem EFSF im Durchschnitt rund 6% betragen, viel zu hoch um nachhaltig zu bleiben. Da die Wachstumsrate von Irland auf Jahre hinaus bedeutend unterhalb dieser Ziffer liegen wird, kann man sich die Explosion der irischen Schulden ausmalen. Für die Märkte ist somit klar, dass Irland bankrott ist. Irland geht genau den Weg wie vor ihm Griechenland und hinter ihm treten schon Portugal und Spanien in die gleichen Fußstapfen. Daneben lügen sich die PIGS immer noch in die Tasche, indem sie ihre Sanierungsprogramme mit völlig unrealistischen Wachstumsraten als "realistisch" umlügen. Die internationale Wirtschaftspresse geht nun immer einhelliger davon aus, dass das Ende des Euro kommen wird. Nobelpreisträger Paul Krugmann macht das an den viel zu hohen Kreditzinsen für Irland deutlich. Und wie geht es dann weiter? Noch mehr Kredite? Noch mehr Kredite! Krugmann illustriert es mit folgendem Dialog: "Irland kann seine Schulden nicht mehr zurückzahlen.""Ach was, hier ist ein neuer Kredit!""Nein, Irland kann seine Kredite wirklich nicht mehr zurückzahlen.""Ach was, hier ist ein neuer Kredit!" Peter Boone and Simon Johnson entwerfen vier Szenarien für den letzten Akt des Euro-Dramas - durchaus im Ausmaß eines von Becketts Endgame: Szenario Eins: Alles bleibt so wie es ist; Deutschland saniert alle PIIGS. Szenario Zwei: Alles geht so weiter, bis es kracht. Dann muss Griechenland die Eurozone verlassen. Szenario Drei: Nach dem Bankrott Griechenlands und Irlands gehen in naher Zukunft noch weitere PIIGS bankrott. Szenario Vier: Die Eurozone zerfällt in einen Nord- und einen Süd-Euro. (Referenz: Die internationale Wirtschafts- und Finanzpresse) |
Europa: Ground Zero
Angesichts der nicht zu stoppenden Pleitenserie der PIGS wird in der politischen Öffentlichkeit immer offener über das Ende des Euro und die Szenarien für einen Ausstieg aus dieser fehlkonstruierten Währung diskutiert.
Die Regierungen in Paris und Berlin müssen nun einsehen, dass ihr Mantra "Euro auf ewig - koste er was er wolle" den steuerzahlenden und damit letztlich dafür einstehenden BürgerInnen nicht mehr zu vermitteln ist. German-Foreign-Policy.Com bringt es in seiner heutigen Analyse die Sachen auf den Punkt.
Da eine einheitliche EU-Wirtschaftspolitik angesichts des hohen Tempos, in dem die PIGS in ihre Pleiten rennen, nicht mehr helfen wird, wird nun - was bis vor kurzem noch das absolute Tabu war - ganz offen über die Rückkehr zu zu nationalen Währungen oder eine Aufteilung in einen starken Nord-Euro und einen schwachen Süd-Euro diskutiert. Auch der komplette Ausschluß der PIGS ist zum realen politischen Thema in Bruxelles geworden.

Da das Thema in der Öffentlichkeit - zu Recht - gesellschaftspsychologisch immer höher besetzt wird, können die spin doctors in den europäischen Hauptstädten erfreulicherweise ihre appeasement-Politik auch nicht mehr weiter treiben.
Flankiert wird das von den massiv negativen Prognosen namhafter WirtschaftsanalytikerInnen. So weisen sie z.B. darauf hin, dass auch das bisher immer noch als "Too big to fail" klassifizierte Spanien, finanziell weit maroder ist, als es uns die PolitikerInnen in Madrid und ihre Bundesgenossen in Bruxelles und Berlin glaubhaft machen wollen.
Und für den nicht mehr auszuschliessenden Bankrott Spaniens wäre auch kein "Rettungs"paket mehr groß genug, abgesehen davon, dass das Verbrennen von über einer Billion Euro (das wäre die
aufgestockte Summe des EFSF nach den aberwitzigen Fantasien unseres nicht mehr durchblickenden Notenbankpräsidenten) sicher nicht mehr der deutschen Bevölkerung vermittelbar.
Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Professor Dirk Meyer enthüllt dazu flankierend die Illusionen der griechischen Selbstsanierungsmaßnahmen. Eine Kürzung von jährlich
30 Milliarden im griechischen Etat ist völlig abwegig, ganz abgesehen von den Widerständen in der Öffentlichkeit. Ein Drittel der griechischen Sparmaßnahmen demaskiert Meyer glatt als "Luftbuchungen".
Inzwischen können die Regierungen in Athen und Dublin auch nicht mehr den massiven Protest der Bevölkerung gegen die Spardiktate, die Bruxelles als Folge des Mißmanagements ihrer Banken und PolitikerInnen ihren Staaten aufoktroyiert hat, ausser Acht lassen.
Wenn die Euro-Fanatiker so weiter machen, muss politisch-bedenklich nach den Streiks als nächste Eskalation in der WählerInnen-Verdrossenheit auch mit dem Zulauf zu neuen populistischen europafeindlichen Parteien gerechnet werden - alles nur, weil die Pro Euro-Entscheidungsträger zu feige sind, ihren Irrtum einer uniformen Währung für einen völlig diskonforme Wirtschaftsraum einzugestehen.
Wenn die Euro-Fanatiker so weiter machen, muss politisch-bedenklich nach den Streiks als nächste Eskalation in der WählerInnen-Verdrossenheit auch mit dem Zulauf zu neuen populistischen europafeindlichen Parteien gerechnet werden - alles nur, weil die Pro Euro-Entscheidungsträger zu feige sind, ihren Irrtum einer uniformen Währung für einen völlig diskonforme Wirtschaftsraum einzugestehen.
Wenn also die PolitikerInnen nicht endlich den Euro als ihren fundamentalen Irrtum einsehen und massiv in ein wirklich stabiles europäischen Wirtschaftssystem mit befreienden Staatsinsolvenzen und harten Bankkontrollen umsteuern, werden die Menschen bald massenhaft nicht nur in Lissabon und Madrid auf die Straße gehen, sondern auch in Berlin und Paris. Dann nämlich, wenn sie endlich merken, wie massiv die uneffektiven Sanierungsmaßnahmen für die PIGS ihnen ans eigene Portemanai und Sparbuch geht.
Montag
Ireland rescue. The investors are not amused
Die Märkte sind vom groß gepriesenen Irland-Rettungspakt nicht überzeugt. Zuviel Glaubwürdigkeitsverlust der EU in so kurzer Zeit. Die Bedingungen für Irland sind nicht dazu angetan, seine drohende Zahlungsunfähigkeit zu verhindern. Auch der (This is indeed a major change from the original proposals. Once you allow for negotiations, we are essentially in a situation as we are in today, where politicians will meet to discuss what to do, and risk-averse as they are, they will find it easier to agree a bailout, than a default).
Breakingviews said in an initial comment that the chances that this deal prevents contagion are small. Portugal has a small chance if it were to stick to its fiscal plan, and the ECB keeps funding its banks. The problem is the market demand for peripheral debt is weak, and from 2013 demand for peripheral bonds may dry up completely due to the bailin rules. And if Portuguese yields don’t come down soon, attention will focus on Spain. More bailouts will be on the way.
Lex at the FT quotes an interesting observation from Barclays Capital. The problem in Ireland is of course a banking system that is too large to save. Yet in terms of percentage of GDP, the banking sectors in the Netherlands, Belgium, Spain and the UK are larger.
Our comment: The success of the programme will depend crucically on the market reactions. Here you can see a snapshot of the bond markets this morning, as compared to Friday morning. The yield spread – the measure of risk is unchanged in the case of Ireland and Spain, and it is marginally low for Greece and Portugal. But the spread is only a difference. German yields themselves rose further, to 2.76% this morning, which reflects market concerns about the bailout burden on Germany, but without alleviating the concerns about default risk in the periphery. It is a kind of the worst of both worlds scenarios. This is an exceptionally bad reaction to the deal, especially as a lot of questions are now answered. To us, this suggests that the markets are concerned about Ireland’s fundamental solvency, something no bailout package can ever address. And we cannot see how interest rates at 6% are consistent with solvency.
Forex and bonds.
From Reuters this morning. Euro weakens further. Bonds move sideways
Before and after: Not much change
10-year sovereign spreads
Previous day | Today | |
Ireland | 6.766 | 6.753 |
Greece | 9.974 | 9.282 |
Portugal | 4.53 | 4.39 |
Spain | 2.535 | 2.526 |
Euro bilateral exchange rates:
Previous day | Today | |
Dollar | +1.3314 | +1.3285 |
Yen | +111.54 | +111.61 |
Pound | +0.8460 | +0.8519 |
Swiss Franc | +1.3307 | +1.3314 |
Wolfgang Munchau on what the eurozone should do now
It would be best not having to start from here. But as there is no choice, Wolfgang Munchau makes a set of proposals in his FT column on the steps that would be sufficient to take us out of the crisis. The first would be to restructure the debt of Ireland, Greece and Portugal, down to a level consistence with solvency under some realistic post-crisis growth rates. The second would be to transform the EFSF into a pan-European bank restructuring mechanism, through which banks are recapitalised and downsized. This would only work if the EFSF was endowed with sufficient powers to close down banks. And third, the remaining sovereign debt should be pooled into a single European bond. The important part of this proposal is the separation of sovereign and financial debt. He says the chances that the EU will do anything like this are close to zero.
Samstag
Händel-Sonate im Studio
Wohlmeinende BlogleserInnen haben den Blogger gefragt, ob er statt so oft auf die PIIGS zu blicken, nicht wenigstens hin und wieder auch mal was Schönes, Erfreuliches bloggen könne. Der Frage will er sich nicht verschließen.

Da trifft es sich gut, dass ich als Flötist letzten Mittwoch mal wieder zum allwöchentlichen Musiktraining mit meinem Pianistenfreund zusammen war. Im Sommer werden es fünf Jahre sein, dass wir beide jede Woche mit Elan und Fleiß ("gesunder Amateurehrgeiz" nennen wir das) das barocke Flöte und B.c. Spektrum durcharbeiten.
Vergangenen Herbst hatten wir einen leichten Motivations-Durchhänger. Wie gut, dass mein Partner mich mit der Ankündigung empfing, er wolle sich einen digitalen Musicrecorder kaufen mit dem Ziel - das war wirklich eine echte Überraschung - dass wir unsere erste CD brennen wollen.
Bei unserer Suche nach einer geeigneten Komposition fiel unsere Entscheidung auf die schöne erste sog. Fitzwilliam-Sonate von Händel. Zwar wird die Zahl flötenspielender LeserInnen des Unbequemen Blogs nicht sehr prominent sein, aber unter 10.000+, die hier reingucken, vielleicht doch der eine oder die andere.
Voila, hier ein paar Überlegungen zur Aufführungspraxis. Wenn wir unsere CD gebrannt haben, wird es eine Post-Ankündigung im Unbequemen Blog geben.

Händel Fitzwilliam Sonate I (B-Dur)
1. Satz (Courante)
Die altfranzösische Courante war ein mäßig schneller Gesellschaftstanz, meist im 6/4-Takt. Um 1600 fand in Frankreich eine musikalische Aufbereitung des Tanzes statt (besondere Kennzeichen: Auftakt und Punktierung).
Die Courant der Händel-Sonate beginnt in den Takten 1-11 sehr fröhlich, beschwingt, heiter und geht danach in einen Dolce-Teil über.
In Takt 11 und den späteren Parallelstellen darf Flötist darf keinefalls Triolen spielen.
Eine Herausforderung für jedes Zusammenspiel sind Ritardandi. Flötist und Cembalist müssen beide exakt zum gleichen Zeitpunkt mit dem Ritardando beginnen und danach das Ritardando-Profil völlig synchron gestalten. Mein Vorschlag: Das Ritardando beginnt in diesem Satz in Takt 42 nach dem punktierten tiefen F der Flöte.
2. Satz (Adagio)
Ein Satz im französischen Stil, also überscharf punktieren. In Takt 3-5 spielt die Flöte dann aber wieder dolce. Das hohe G der Flöte in Takt 6 hat Fermaten-Charakter, danach beginnt eine neue Phrase. Das Ritardando in diesem Satz könnte in Takt 10 beginnen, z.B. beim zweiten D der Flöte.
Wie ernst man das “Attaca” zwischen 2. und 3.Satz nehmen soll, ist ad hoc zu prüfen. Ein kleiner Abstand zum 3.Satz ist m.E. für die ZuhörerInnen angenehm.
3. Satz - Allegro
Eine fröhliche schnelle Gigue
In Takt 9 (und den Parallelstellen): darf der Flötist wiederum keinesfalls Triolen spielen.
In den Takten 13/14 und der Parallelstelle Takte 33/34 scheinen mir 4x Mordente hintereinander übertrieben, besser nur jede zweite Note verzieren.
Das Ritardando im 2.Teil des 3. Satzes sollte erst im letzten Takt (35) einsetzen.
Da trifft es sich gut, dass ich als Flötist letzten Mittwoch mal wieder zum allwöchentlichen Musiktraining mit meinem Pianistenfreund zusammen war. Im Sommer werden es fünf Jahre sein, dass wir beide jede Woche mit Elan und Fleiß ("gesunder Amateurehrgeiz" nennen wir das) das barocke Flöte und B.c. Spektrum durcharbeiten.
Vergangenen Herbst hatten wir einen leichten Motivations-Durchhänger. Wie gut, dass mein Partner mich mit der Ankündigung empfing, er wolle sich einen digitalen Musicrecorder kaufen mit dem Ziel - das war wirklich eine echte Überraschung - dass wir unsere erste CD brennen wollen.
Bei unserer Suche nach einer geeigneten Komposition fiel unsere Entscheidung auf die schöne erste sog. Fitzwilliam-Sonate von Händel. Zwar wird die Zahl flötenspielender LeserInnen des Unbequemen Blogs nicht sehr prominent sein, aber unter 10.000+, die hier reingucken, vielleicht doch der eine oder die andere.
Voila, hier ein paar Überlegungen zur Aufführungspraxis. Wenn wir unsere CD gebrannt haben, wird es eine Post-Ankündigung im Unbequemen Blog geben.
Händel Fitzwilliam Sonate I (B-Dur)
1. Satz (Courante)
Die altfranzösische Courante war ein mäßig schneller Gesellschaftstanz, meist im 6/4-Takt. Um 1600 fand in Frankreich eine musikalische Aufbereitung des Tanzes statt (besondere Kennzeichen: Auftakt und Punktierung).
Die Courant der Händel-Sonate beginnt in den Takten 1-11 sehr fröhlich, beschwingt, heiter und geht danach in einen Dolce-Teil über.
In Takt 11 und den späteren Parallelstellen darf Flötist darf keinefalls Triolen spielen.
Eine Herausforderung für jedes Zusammenspiel sind Ritardandi. Flötist und Cembalist müssen beide exakt zum gleichen Zeitpunkt mit dem Ritardando beginnen und danach das Ritardando-Profil völlig synchron gestalten. Mein Vorschlag: Das Ritardando beginnt in diesem Satz in Takt 42 nach dem punktierten tiefen F der Flöte.
2. Satz (Adagio)
Ein Satz im französischen Stil, also überscharf punktieren. In Takt 3-5 spielt die Flöte dann aber wieder dolce. Das hohe G der Flöte in Takt 6 hat Fermaten-Charakter, danach beginnt eine neue Phrase. Das Ritardando in diesem Satz könnte in Takt 10 beginnen, z.B. beim zweiten D der Flöte.
Wie ernst man das “Attaca” zwischen 2. und 3.Satz nehmen soll, ist ad hoc zu prüfen. Ein kleiner Abstand zum 3.Satz ist m.E. für die ZuhörerInnen angenehm.
3. Satz - Allegro
Eine fröhliche schnelle Gigue
In Takt 9 (und den Parallelstellen): darf der Flötist wiederum keinesfalls Triolen spielen.
In den Takten 13/14 und der Parallelstelle Takte 33/34 scheinen mir 4x Mordente hintereinander übertrieben, besser nur jede zweite Note verzieren.
Das Ritardando im 2.Teil des 3. Satzes sollte erst im letzten Takt (35) einsetzen.
Kleines Euro-Strudel-ABC: PIGS - PIIGS - PIIGFS - PIIGFNLS
Auf meine Kritik am Konstruktionsfehler des Euro, eine einheitliche Währung ganz unterschiedlichen Volkswirtschaften aufzuzwingen, hat ein Leser entgegnet, dass der US Dollar zum Beispiel auch in Ecuador gültig sei. Formell stimmt das, aber die US kommen natürlich nie auf die Idee - wie jetzt bei den Pleitesanierungen der PIIGS - Ecuador deshalb zu sanieren, nur weil in Ecuador mit US Dollars bezahlt wird.
Ein anderer überlegt, ob er die jetzt so schön rentierenden irischen Anleihen kaufen soll. Na ja, in der Zeit bis zum Rückzahljahr 2020 kann allerhand passieren, auch Unerfreuliches für den Anleger.

Und wen der schwindelerregende Umfang des EFSF beruhigt: Der EFSF kann natürlich nie diesen Billionenpapierbetrag real ausgeben, viel früher würde sein AAA rating rasch in den Keller fallen. Und genau das wissen die Anleger, und deshalb wetten sie auf die Enttarnung des - Egal-was-kommt-wir-zahlen-Bluffs.
Ein anderer überlegt, ob er die jetzt so schön rentierenden irischen Anleihen kaufen soll. Na ja, in der Zeit bis zum Rückzahljahr 2020 kann allerhand passieren, auch Unerfreuliches für den Anleger.
Und wen der schwindelerregende Umfang des EFSF beruhigt: Der EFSF kann natürlich nie diesen Billionenpapierbetrag real ausgeben, viel früher würde sein AAA rating rasch in den Keller fallen. Und genau das wissen die Anleger, und deshalb wetten sie auf die Enttarnung des - Egal-was-kommt-wir-zahlen-Bluffs.
In der Financial Times stand letzte Woche, dass Analysten und Händler schon über die PIIGS hinausgucken... und fragen, wann Frankreich und die Niederlande, zum Schluß dann auch Deutschland, in den Euro-Abwärtstrudel geraten. Zum ersten Mal werden jedenfalls nun auch Deutschland-Anleihen in bemerkenswertem Umfang abgestoßen.
Die nächste Pokerrunde zwischen Bruxelles und den Märkten kommt bestimmt. Das Portemanai des Bloggers hofft, dass alles vielleicht doch noch gut ausgeht, aber sein Intellekt fürchtet den Kollaps.
Wow - über 10.000 mal wird der "Unbequeme Blog" gelesen
Über die ständigen Blogposts zu den PIIGS-Pleiten und der Euro-Krise hat der Blogger fast die Blog-Statistik vergessen. Aber heute - am Samstag erscheint die Financial Times nicht... - war mal ne ruhige Minute um das nachzuholen:
Der Zeiger stand gestern abend auf exakt 10.081 Aufrufen.
Danke für alles Interesse. Danke für gute Kommentare, gerade auch für kritische und kontroverse Rückmeldungen. Und Dank für immer gute Hinweise der LeserInnen auf neue Themen und gute "unbequeme" Quellen.
Der Blogger bleibt am Ball. Material für die nächsten Posts liegt schon textbereit in der Schreibtischschublade:
Stay tuned!
Der Zeiger stand gestern abend auf exakt 10.081 Aufrufen.
Danke für alles Interesse. Danke für gute Kommentare, gerade auch für kritische und kontroverse Rückmeldungen. Und Dank für immer gute Hinweise der LeserInnen auf neue Themen und gute "unbequeme" Quellen.
Der Blogger bleibt am Ball. Material für die nächsten Posts liegt schon textbereit in der Schreibtischschublade:
- Stresstest für Spanien - wie die Märkte auf das nächste PIIGS zielen
- Bericht aus dem Barockmusik-Studio
- Rezensionen von "Smile or Die", "Reclaim the State", "Not for Profit - why Democracy Needs the Humanities"
- Ein Blick in den Abgrund des grünen irischen Filz
- Thinking the Unthinkable - was kommt nach dem Euro?
Stay tuned!
Umschuldung der PIIGS - na und?
In der Eurokrisen-Diskussion scheint die Umschuldung der pleitebedrohten Länder an der europäischen Peripherie ein Tabu zu sein. Warum eigentlich? Sei 1950 hat es international über 400 Umschuldungen für mehr als 80 verschiedene Staaten gegeben, mit gutem Erfolg.
Die Umschuldungsmodelle reichen vom Haircut, Verlängerung der Schuldenrückzahlungs-Fristen bis hin zur Ermässigung oder vorübergehenden Aussetzung von Zinszahlungen.
Unverständlich, warum diese ganz normale Methode, mit staatlichen Pleiten vernünftig umzugehen für die PIIGS tabuisiert wird. Macht die PolitikerInnen die Euro-Ideologie blind, wirtschaftlich rational zu handeln?
Freitag
Die nächste Runde: Wann erreicht die Pleite nach den PIIGS auch Frankreich und die Niederlande?
Das Buschfeuer ist nicht mehr auszutreten. Irische Anlagen lagen bei 9%, portugiesische bei 7%. Und die Analysten spekulieren schon, wann die Krise FRANKREICH und die NIEDERLANDE erreichen wird.
Seitdem die Pleite Spaniens real geworden ist, nimmt es nicht wunder, dass die Anleger keine spanischen Anleihen mehr kaufen. Einfach zu riskant. Was den deutschen Bundesbankchef geritten mag, in dieser megagefährlichen Situation auch noch Öl ins Feuer zu gießen, indem er überlegt, dass der EFSF durchaus erhöht werden könnte, versteht kein vernünftiger Mensch.
Ist doch klar, wie die Märkte das interpretieren: Weber traut dem derzeitigen EFSF nicht, die Märkte trauen den Beschwichtigungs-Parolen von Merkel und Co. nicht, und sie trauen nicht der finanziellen Überlebensfähigkeit der PIIGS, speziell der nächsten Pleitekandidaten Portugal und Spanien nicht.
Ausserdem wäre eine solche EFSF-Erhöhung nur negativ spekulativ, denn der EFSF könnte seine Rettungsbillion (in diese Richtung gehen die gegenwärtigen spekulativen Hochrechnung) nie und nimmer ausschöpfen, wenn er nicht sein AAA Rating verlieren will. Aber auch die EU denkt viel zu unvorsichtig laut über eine Erhöhung des EFSF nach. Die deutsche Regierung bemühte sich deshalb auch eilfertig, sofort Webers Spekulation entgegen zu treten.
Das beängstigende Ringelreihen um den EFSF, das wir jetzt erleben ist ein Martingale-Risiko-Spiel: Bei jeder neuen Runde, wo du verloren hast, verdoppelst du in der nächsten Runde den Einsatz. Damit kann man weit kommen, aber einmal platzt die Blase bestimmt. Fragt sich nur wann.
(Referenz: Die internationale Finanzpresse)
Zahlmeister Deutschland
Für den Normalbürger unvorstellbar, aber amtlich: Fast eine Billion (!) Euro sollen gegen die Pleiten der PIIGS bereitgestellt werden. Ende nach oben hin offen. Heute morgen prognostiziert die FTD schon mehr als eine Billion. Nachdem nun schon die Immobilien- und Bankenblasen geplatzt sind, wann platzt auch die Euro-Blase?
Kein Wunder, dass die Finanzmärkte schon nicht mehr glauben, dass Deutschland als der Hauptgläubiger das noch schultern kann, so dass sie sich schon vorsorglich von deutschen Bundesanleihen trennen, für den Fall dass Deutschlands Finanzkraft überfordert ist, wenn es - nachdem wir schon Griechenland und Irland sanieren mussten - bald auch noch für Portugal und Spanien die Zeche bezahlen soll.
Kein Wunder, dass die Finanzmärkte schon nicht mehr glauben, dass Deutschland als der Hauptgläubiger das noch schultern kann, so dass sie sich schon vorsorglich von deutschen Bundesanleihen trennen, für den Fall dass Deutschlands Finanzkraft überfordert ist, wenn es - nachdem wir schon Griechenland und Irland sanieren mussten - bald auch noch für Portugal und Spanien die Zeche bezahlen soll.
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