Donnerstag

"Something is wrotten in the state of Germany" - Claus Matecki bringt es auf den Punkt

Zum Feierabend noch ein prägnantes Zitat aus einem Beitrag des DGB-Vorstandsmitgliedes:





"Das Sparpaket der Bundesregierung startet faktisch einen Raubzug bei den Ärmsten der Armen, um Wohltaten für die Wohlhabenden, Reichen und Finanzjongleure in diesem Land zu finanzieren. Sie will ausgerechnet bei denen das Geld für die Rettung der Zocker holen, die Opfer der Krise geworden sind. Ausgerechnet bei denen, die am wenigsten am Reichtum dieses Landes teilhaben. Dafür werden Privilegien für Hoteliers, Bankmanager, Vermögende und reiche Erben gewährt. So verkommt die Bundesregierung zusehends zum Anwalt dieser Klientel und verstärkt eine der wesentlichen Ursachen der Krise."


Schöne klare Sprache! Danke, Claus Matecki.


Hier ist der link zum ganzen Text.  





P.S. Der Titel des Blogpost ist übrigens ein Shakespeare-Zitat, damals von ihm auf Dänemark gemünzt...

Deepwater Horizon - das kann uns auch passieren

Allmählich werden unsere Augen geöffnet, dass das Problem längst über Deepwater Horizon hinausgeht. Fakten gefällig? Im Golf von Mexiko befinden sich noch weitere 4300 Bohrinseln für Gas und Öl! Heftig was? 





Gibt es eine Umdenken deshalb? Es sieht nicht danach aus. Der Obamamessias faselt zwar vom "Beenden der amerikanischen Sucht nach fossilen Brennstoffen", aber hat er Pläne? Mitnichten. Er "warte auf Vorschläge" liest man. Erbärmlich für einen Politiker, der seinen Wahlkampf mit "We can" gewann.





Lieber wartet er ab, zaudert, macht TV-Talks, um der Bevölkerung zu suggerieren, es sei alles bei ihm in besten Händen. Damit werden aber die systemischen Aspekte der Katastrophe bewußt ausgeblendet: Dass zum Beispiel das Risiko von Tiefsee-Ölbohrungen so groß ist, dass BP gar nicht erst versucht hat, dafür eine Versicherungsfirma für einen möglichen Unfall zu finden. Die Suche wäre eh vergeblich gewesen, das Risiken sind einfach viel zu hoch.





Aber vergessen wir nicht, dass dieser Ölbohr- und Die-Natur-bedenkenlos-Ausbeuten-Wahn nicht auf Amerika beschränkt ist: 





Die brasilianische Ölgesellschaft Petrobras will z.B. 220 Milliarden Dollar in Bohrplattformen, Schiffe und Ausrüstungen investieren, um in gigantischem Ausmaß Öl aus der Meerestiefe vor Brasilien fördern. Und dieser brasilianische Wahnsinn toppt sogar die Amerikaner: Petrobas wird viel tiefer als BP bohren: 2000 Meter (!), um an das 7000 Meter tiefe Öl vor der brasilianischen Küste zu kommen.





Die aggressive Expansionspolitik von BP für seine Tiefseeborungen geht übrigens auf einen firmengeschichtlichen Paradigmenwechsel zurück: 





Auf dem Höhepunkt des britischen Kolonialismus war BP einer der wichtigsten wirtschaftlichen Stützpfeiler für die Kolonialpolitik Londons. Nach dem Abstieg Großbritanniens als imperiale Macht musste BP sich neue Märkte erschließen und ging dabei auch durchaus brutal vor, indem es z.B. den vom CIA gesteuerten Putsch gegen den iranischen Premierminister Mossadegh unterstützte, weil dieser es gewagt hatte, die ausländische Ölindustrie zu verstaatlichen. 





Und auch in der Gegenwart wird BP von seiner Verquickung von Firmeninteressen mit nationaler politischer Strategie eingeholt: Amerikanische Senatoren lassen zur Zeit untersuchen, ob BP für die Freilassung eines der libyschen Lockerbie-Attentäters gesorgt hat und dafür zum Dank von Ghadafi einen lukrativen Auftrag zugeschanzt bekam. 





Reichlich spät, dieses amerikanische Interesse: Dass die Ölindustrie ihre finanzielle Hand bei der der Freilassung des Lockerbie-Bombers im Spiel hatte, hat der der britische Justizminister Jack Straw schon 2009 eingeräumt. Nur: Damals war BP noch ein internationaler Star-Konzern und "Deepwater Horizon" nur ein Wort für schwierige Kreuzworträtsel.









Nachfolgend eine Visualisierung, was eine mit Deepwater Horizon vergleichbare Ölkatastrophe für die Nordseeküste bedeuten wird, wenn sie in einem Bohrloch rund um Helgoland entsteht. Also: Wir sollen uns nicht länger von den BeschwichtigerInnen ("kann bei uns doch nicht passieren") abwiegeln lassen:









(Quelle: www.ifitwasmyhome.com)





Noch ein relevanter Link: Wieviel Öl schon ausgetreten ist







Mittwoch

BP-Katastrophe ein Einzelfall? Keinesfalls!



Wenn mir die Umwelt nicht zu leid täte, hätte ich mir längst abgewöhnt, den 5., 10. oder XX. Rettungsversuch von BP im Golf von Mexiko zu registrieren. Alle sehen eher als geschickte Public Relations Gags aus, während der offenbar viel zu voreilig prämierte Friedensnobelpreisträger immer noch tatenlos vor dem Ölkonzern einknickt. 


Es lohnt sich aber, etwas über diese gegenwärtige Krise hinaus zu blicken. Zum Beispiel auf die zunehmenden Bankrottszenarien für BP, weil der Konzern die erwartbaren Haftungssummen nie und nimmer mehr aufbringen können. Da freuen sich natürlich schon die Übernahmewilligen, denn Steuergelder wird´s da sicher auch noch als Schmiermittel für den Übernahmedeal geben. 


Und auch die sonstigen ölproduzierenden Konkurrenten von BP liegen schon auf der Lauer: 


Wenn tatsächlich aus dieser Katastrophe politische Lehren gezogen werden sollten (in den USA sieht es nach dem letzten "Bohrt ruhig weiter in der Tiefe"-Urteil nicht danach aus), profitieren alternative ölfördernde Techniken wie synthetische Ölgewinnung aus Ölsand oder die terrestrische Ölproduktion. Grönland hat da die Nase vorn und hat dem britischen Ölunternhmen Cairn Energy im Juni grünes Licht für Bohrungen in der Arktis (!) gegeben - aller ökologischen Warnungen zum Trotz!


In seiner eindrucksvollen Analyse "BP-Style Extreme Energy Nightmares to Come: Four Scenarios for the Next Energy Mega-Disaster" stellt Michael Klare knapp und brillant vor, mit was wir als nächstem zu rechnen haben:
  • Zerstörung von Ölplattformen durch Eisberge


  • Wegen Bürgerkrieg, der den Ölexport lahmlegt, greift die US Army mit einer großangelegten Invasion in Nigeria ein


  • Ein Hurrikan zerstört Hunderte von Tiefwasserbohrlöcher vor der Küste Brasiliens


  • Zwischen China und Japan kommt es wegen ungeklärter Bohrrechte im Ostchinesischen Meer zum offenen heißen Krieg



Das Interessante an Klares Szenarien ist dabei die Verflochtenheit von wirtschaftlichen und militärischen Interessen. 


Noch vernichtender urteilt eine UN-Studie, die die ganze Verachtung der großen Wirtschaftskonzerne für ökologische Bedenken präsentiert. 


Da atmet man richtig auf, dass immerhin Norwegen ein Moratorium für Tiefseebohrungen in der Nordsee erlassen hat und der deutsche EU-Energiekommissar Günter Oettinger (man glaubt es eigentlich nicht: ein ehemaliger CDU-Ministerpräsident!) ein europaweiten Bohrstopp in der Nordsee fordert. 


Das ist dringend notwendig: In der Nordsee gibt es über 1000 (!) Bohrinseln, viele von ihnen von BP betrieben. 27 davon sind bereits tiefer als 180 Meter. 


Vielleicht setzt sich ja tatsächlich wenigstens hier mal die Politik gegen die Profitinteressen der Konzerne durch, auch wenn es aus systemischen Gründen (die Wirtschaft lässt sich normalerweise von der Politik nicht kontrollieren) eher unwahrscheinlich ist. 



Bildquellen: 
Oben: FTD 9.7.10 
Unten: Wikipedia

Dienstag

Banker im Stress?

Nicht wirklich, möchte ich meinen. Ein Banker ist doch nur im Stress, wenn er Angst um seine Boni haben muss oder wenn sein Privatvermögen wegen irgendwelcher undurchschaubarer Wechselkurs-Schwankungen mal 0,00237 % weniger Zinsen abwirft - immer noch sicher ein höherer Betrag als manche Rentnerin im Jahr ausbezahlt bekommt. 





Banken geraten in Stress, wenn ans Tageslicht kommt, dass sich ihre Vorstände verzockt haben, weil sie wegen ihrer Profitgier in bedenkliche Derivate, Immobilienspekulationen oder in wackelige Anleihen der PIGS Staaten investiert haben. 



Aber mit solchem Wildwest-Verhalten soll nach Vorstellung der Bundesregierung jetzt Schluß sein. Die Heuschrecken, wie der legendäre Münte weiland sie bezeichnet hat, sollen die Hosen runterlassen und ganz offen zeigen, wie es um sie bestellt ist. 



"Stresstest" heisst das Zauberwort und der Test sieht folgende drei Szenarien vor: 



1) Wie entwickelt sich normalerweise das Eigenkapital der Bank?



2) Was passiert in der Bank bei einem Konjunktureinbruch von drei Prozent?



3) Was ist in der Bank los, wenn es wieder mal den GAU am europäischen Staatsanleihenmarkt gibt, wie der Crash Anfang Mai 2010?









Eigentlich ganz vernünftig und vorsorglich denkt sich der naive Zeitgenosse, wenn sie das liest. Warum nur der unerhörte Aufstand gegen solch eine Prüfung, wie sie in den USA nach den dortigen massiven Immobilienpleiten ohne großen Banken-Widerstand und nach weitaus härteren Kriterien als beim deutschen Bankenstresstest ein- und durchgeführt worden ist? 



Einfache Antwort: Weil es für deutsche Banken offenbar unerhört ist und eine Beleidigung, sich in die Bilanzkarten gucken zu lassen, noch dazu auf staatlichem Befehl.



Seitdem also Merkel den Stresstest durchgesetzt hat, hört man nur noch Ach und Weh auf den Topetagen der Bankhäuser in Frankfurt. 



"Das nützt nur der Konkurrenz" liest man (also ob die Konkurrenz bei den Banken aufhören solle, oder muß man ein Bankenoligopol in Deutschland vermuten?). 



"Das ist viel zu viel Arbeit" sagen die anderen - wofür werden aber denn die internen Bank-Analytiker mit ihren Top Gehältern eigentlich bezahlt, wenn sie noch nicht mal ihre Hausaufgaben machen und nicht das leisten können, was jeder ehrbare Kaufman oder sorgsam rechnende Familie auch ohne staatliche Stresstestaufforderung täglich tut: Nämlich zu überlegen, wie man sich am besten auf ungünstige wirtschaftliche Entwicklungen einzustellen hat. 



"Das Bankengeheimnis ist in Gefahr" - auch so ein wohlfeiles Argument was man gegen den Stresstest hört. Da frage ich mich doch: Was ist die grössere Gefahr - das Kippen des Bankengeheimnisses oder das Kippen unseres Wirtschaftssystems weil die Banken sich nicht in die Karten gucken und den Teststress verweigern? 



 Egal, am 23. Juli wissen wir mehr bzw. halt so viel "mehr", wie die leider am Ende doch arg weichgespülten Stresstest-Indikatoren es uns sagen werden. Danke Angela, dass du wenigstens an diesem Punkt mal als Kanzlerin den Bankbossen zeigst, was ne Harke ist. 



Sonst - Niklas Luhmann lässt grüssen - ist ja was die angebliche Staats"kontrolle" gegenüber der Wirtschaft betrifft vom Kanzleramt nicht viel zu erwarten bzw. - aus Sicht der Banken - auch nicht zu befürchten. 



Der ergebnislose G 20 Gipfel neulich hat es ja wieder bewiesen: Ohne Spesen nix gewesen - außer zusammen auf der Leinwand Fußball-WM gucken. 



Bildnachweise: 

Oben: Handelsblatt, 8.7.10

Mitte: FTD 9.7. 10, S. 16

unten: FTD 6.7.10, S. 16

Freitag

Mobiles Bloggen aus dem Intercity

Ich sitze mit Heike im Zug Richtung Bonn zu unserer Enkelin Teresa. Bis auf meinen ersten Test grade fuers Bloggen von unterwegs: Erst mal ein blogfreies Wochenende.









Es sei denn Merkel tritt zurueck... Dann melde ich mich!

Export durch Euro stark? Quark!

"Wir müssen den Leuten viel deutlicher sagen, was der Euro ihnen gebracht hat", forderte Barroso im Gespräch mit der F.A.Z. vom 25. Mai 2010. Das wird aber die schon bei der Einführung des Euro skeptischen Deutschen nicht beruhigen. Nach der durch den Bankrott Griechenlands gerade nochmal notdürftig durch einen völlig asozialen sog. "Rettungs"plan zu Lasten von Alten und Armen vermiedenen Euro-Katastrophe wächst die Angst der Deutschen vor dem Euro weiter und das zu recht. Da nützt auch Schönreden durch Brüsseler Spitzenpolitiker nichts. Ein Blick in die Statistiken zeigt nämlich, dass sich kein besonderer Nutzen des Euro für den den Export der Euro-Zonen-Länder nachweisen lässt. Die ostasiatischen Länder haben viel höhere Exportraten als die Euro-Zone! 
Hier ist der Link zum Gesamtartikel in der FAZ. 


Mittwoch

Ich hab mal wieder 7k trainieren können

He, spinnt der Burkhard, uns das als Mittwochmorgen-Meldung zu präsentieren - so ne lächerliche Jogging-Strecke? Gemach, nur Geduld verehrte/ LeserIn, bis du gelesen hast, was mir dieser Lauf bedeutet hat.





Ich trainiere seit 50 Jahren, erst Mittelstrecken und jetzt in meiner AK 60 laufe ich am liebsten die 5000m, auf der Bahn im Stadion, bei Volksläufen. Vor paar Jahren - sozusagen Erinnerung an meine Jugend - wurde ich sogar noch einmal Bezirksmeister über 800m.





Ich "laufe"? Ich sollte besser sagen: ich "lief"... Denn seit 2 Jahren bekomm ich regelmässig die rote Karte gezeigt: Erst ein Adduktorenriss links, dann Oberschenkelzerrung rechts, dann fiel die eine Wade aus, dann die andere.





Nein nein, eure Ratschläge sind gut gemeint, aber sie treffen nicht zu: ich wärme mich jedesmal gut auf, ich stretche vorher und hinterher, ich mach keine jähen Antritte, Sprints oder andere muskuläre Bedenklichkeiten. Alle Zerrungen oder sind es Krämpfe? oder...? - all das kommt immer in ganz normalen Standardsituationen. Mal nach 10 min lockerem Einlaufen, mal nach fünf guten ruhigen 400m Intervallen im Stadion, es kann mir sogar - ich fass mir an den Kopf / oder richtiger: ans Bein - auf einer schönen Wanderung passieren.





Immer dasselbe Schema: schönes entspanntes Lauftraining - dann, ohne irgend einen erkennbaren äusseren Anlaß: Stich in der Wade wie mit einem Messer, der Schmerz wandert die Wade entlang, wird schlimmer, setzt sich fest. Ich weiß: ich muß aufhören, nach Hause humpeln, Eis und Ruhe.





Die Zahl der Arztbesuche ist beeindruckend: Ein Dauerthema bei meinem Hausarzt, der sich rührend um mich kümmert, Orthopäd, Chirurg, Osteopath. Und immer das gleiche bedauernde Achselzucken in den Sprechzimmern: "Tja - in der Tat rätselhaft - da kann ich auch nichts dazu sagen - das ist mir so noch nicht vorgekommen".











Mein Trainer und meine Kollegen im Lauftreff wagen schon gar nicht mehr, nach meinem Befinden zu fragen. Wobei letztes Jahr das Absurde war: WENN ich dann mal nach einer Verletzungspause wieder in Fahrt kam, waren die Ergebnisse im Training und sogar im Wettkampf immer respektabel: Die 5000m mehrmals glatt unter 25, beim Bonner Dreibrückenlauf (alle Bilder auf diesem Post sind davon) Vierter in meiner AK und noch im ersten Drittel des 500+ Gesamtfeldes = vor vielen vielen Jüngeren im Ziel, beim Nienburger Spargellauf Altersklassenerster und einer der ältesten Teilnehmer überhaupt. Mein lieber Lauffreund Hans-Ulrich tröstet mich: Also, die Energie ist doch da. Aber was nützt der beste Kreislauf, wenn die Beine nicht mitmachen.





Und in diesem Jahr halfen auch die Ruhepausen nix mehr: Nach 3 Wochen Laufstop: Wadenzerrung. Ohne groß daran zu glauben, hab ich danach eine Magnesiumkur begonnen. Nach 4 Wochen Pause erneuter Stopp beim ersten Wiedertraining - mitten auf der Strecke wegen Wadenkrämpfe.  Nach 5 Wochen Pause dasselbe: es ging nichts mehr.









Da hab ich dann doch im Zorn meine schönen neuen New Balance in die Ecke gepfeffert, eine Stunde geheult und mir dann die Walkingstöcke von unserer lieben Tochter ausgeliehen. Ende der Lauf"karriere"!





Aber weil gestern abend, nach erfrischendem Regen, die Luft so schön war und die Sonne noch so lieb schien, bin ich doch an meinen eigentlich ja schon obsoleten Sportschrank gegangen, hab die New Balance nochmal aktiviert und hab meine klassische Runde im nahen Wald hier gedreht.





Der Zyniker in mir sagte natürlich dauernd: Na, wann kommt die erste Zerrung? Aber irgendwann hab ich dann auch nicht mehr drüber gegrübelt, bin die vertraute Strecke einfach weiter gelaufen, so im 6minpk Tempo, den Weg kann ich ja eigentlich blind laufen.





Und als ich diesen ganzen Verletzungsfrust ausgeblendet hatte, dachte ich auf dem letzten Kilometer plötzlich: He, du läufst ja immer noch problemlos weiter, was ist los? So kam ich tatsächlich beschwerdefrei nach Hause. Ein Wunder. Nun, 7k zerrungslos laufen zu können, das sagt noch gar nichts, das weiß ich aus langer leidvoller Erfahrung. Aber morgen probier ich´s vielleicht nochmal. Mal 10k? Against all odds, wie das schöne englische Sprichwort lautet.





Dienstag

Die ökologisch "verbotenen" leckeren Bio-Brezel von Amazon sind da!

Danke, liebe ökologische FreundInnen, dass ihr meinen click-a-brezel-Test wohlwollend toleriert und mir ökologisch nicht zu krumm genommen habt. "Hast du denn keine Seele" frug mich Barbara. Und Falk-Rainer kategorisierte die Brezel gleich als "Verbotene Backwaren". Aber ich hab doch netterweise in meiner community so viel alternative Narrenfreiheit und ökologischen Kredit, dass sie meinen Amazon-liefert-Lebensmittel-Test letztlich doch wohlwollend durchgewunken hat. 





Und nun die nüchternen Fakten:





Lieferzeit: 6 Tage (also nix für "mal n Brezel zur Financial Times kauen") 





Preis: 3,36 Euro für 5 Brezel, das ist schön preiswert. 





Der Versand kostete natürlich in diesem Falle mehr als die Ware selber, nämlich 4,95 Euro. 





Zusammen also 8,31 Euro, aber auch dieser Gesamtpreis kann mit den heimischen Bäckern in meinem Wohnort durchaus konkurrieren.





Der Versender, "Amorebio", ist ein großer Bio-Versandhandel (Motto: "Frische, die ankommt", http://shop.amorebio.de/de/) und hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, ökologisch an mich zu liefern: Altpapierkarton (recycled: da war früher Demeter Vollkorn-Pizzateig im Karton drin laut Aufdruck), Altpapierschnipsel als Kartonfüllung (kein Plastikdingsbums). 





Also da kann ich auf der Seite der Lieferantenfirma ökologisch nicht meckern. Aber, aber: die Bäckerei sitzt halt weit weg bei Karlsruhe, gefährlich nahe beim AKW Philippsburg (das ist nur ein makabrer Witz, dafür kann ja Amorebio nichts). An den von googlemaps kalkulierten 511 Straßenkilometern, die die Brezel vom Alten Forsthaus in Ubstadt (schöne Adresse für eines Bio-Handels) zu meinem Haus in Nienburg zurückgelegt haben, lässt sich nicht drumrumreden.



Nun gut, nachdem ich mich als Amazon-Neo-Tester betätigt habe, lass ich mir jetzt die Öko-Brezel schmecken, die wirklich lecker sind. 





Und damit hier wirklich niemand die grüne Nase rümpfen kann: Ich erkläre hiermit nochmal feierlich: Aus logistischen und energetischen Gründen ist ein solcher Brezelkauf eindeutig, und ohne Wenn und Aber, ökologisch nicht empfehlenswert. 

Verfassungrichter schlägt Alarm gegen Euro-Rettungspaket-Wahn

Prof. Dr. Ernst-Wolfgang Böckenförde, Emeritus für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie der Universität Freiburg i. Br., war von 1983 bis 1996 Richter am deutschen Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe. 



In einem Artikel in der NZZ stellt er am 21. Juni 2010 die Konstruktionfehler der Euro-Zone dar, die eine solide disziplinierte Wirtschafspolitik aller Euro-Länder verhindern und zu den jetzigen falschen Euro-politischen Beschlüssen geführt haben. 





Böckenförde fasst zusammen:

"Die schlechteste Lehre aus der Krise wäre, den gerade aus Not über Nacht eingeschlagenen Weg einer umfassenden Haftungsgemeinschaft und entsprechender Transferzusagen ohne weitere Diskussion vertragsrechtlich zu legalisieren und so auf Dauer zu stellen. Damit wäre die Chance, welche die Wirtschafts- und Verschuldungskrise Europa verschafft hat, vertan, und das Siechtum der Europäischen Union setzte sich fort. Mag sein, dass die politischen Akteure in und für Europa unter rechtlichen und politischen Druck gesetzt werden müssen, damit sie die Chance, die in der Krise liegt, ergreifen. Wenn dem so ist, sollte dies geschehen, und zwar um Europas willen."



Link zu der von Böckenförde angegriffenen EU-Veordnung  



(Bild: Reuters)

Montag

Euro-Rettungspacket verfassungswidrig!



Eine Studie des "Centrum für Europäische Politik" (www.cep.eu) beurteilt das sog. Euro-Rettungspaket als verfassungswidrig. 





Ausserdem verstösst es gegen geltendes EU-Recht. Und schließlich ist die Öffentlichkeit in wesentlichen Punkten des Pakets eindeutig getäuscht worden: ihr wurde vorgegaukelt, dass mit den 60 Milliarden Rettungssumme das Limit erreicht und das Ganze auf drei Jahre befristet sei. Beides steht aber so nicht in der Verordnung! Schliesslich hätte - eigentlich eine demokratische Selbstverständlichkeit - das Europäische Parlament zustimmen müssen, es wurde aber erst gar nicht gefragt... 


So sieht offenbar "Demokratie auf EU-isch" aus. Auf die diversen Verfassungsklagen in Karlsruhe freu ich mich schon jetzt.




Link zum Text der Studie:

Einer trage des Anderen Last

Vergangenen Samstag traf ich mich guten FreundInnen im Calenberger Land. Der Referenzpunkt unseres Gruppe ist das Christentum, wie unterschiedlich wir es auch immer begreifen. Wir wollten uns über den Spruch der letzten Woche austauschen: "Eine trage der anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen" (aus dem Brief, den Paulus in die Gegend um das heutige Ankara geschickt hat). 





Helmut hat uns eine gute Einführung zu dem Text gegeben, aber bevor wir darüber diskutieren konnten, haben uns dann doch aktuelle Tagesthemen überrollt. Aber ich hatte die Gelegenheit benutzt, schon vorher zu Hause über diesen Satz nachzudenken. Früher als noch mehr geheiratet wurde, war er ein Klassiker für die Hochzeitszeremonie. Aber vielleicht steckt da mehr dahinter als nur ein Motto für den Start zu einer ungewissen Lebensreise zu zweit. 





Ich arbeite also meinen Fragenkatalog ab:

Was ist das "Gesetz Christi"? "Gesetz"? Von dem, der uns doch von allen Konventionen, Vorurteilen und Denkschablonen befreien will? Ich komme ins Grübeln, aber selber fällt mir dazu nichts mehr ein. Ich erinnere mich aber eines Textes meines hochverehrten akademischen Lehrers Paul Tillich in dem er der Frage nachgeht: Von welcher Last will uns Christus befreien und warum kann er sagen "Meine (= eigene, d.h. Christi) Last ist leicht"? (Matthäus-Evangelium 11, 28-30). 





Tillichs Rede (dokumentiert in: P.Tillich "In der Tiefe ist Wahrheit", Stuttgart 1952) gipfelt in der eindrucksvollen Einladung (nachfolgend sinngemäss zitiert): "Von uns Mühseligen und Beladenen wird nichts verlangt, keine Gottesvorstellung, nicht. dass wir gut sind, nicht, dass wir moralisch sind, nicht, dass wir weise sind, nicht , dass wir religiös sind, nicht dass wir Christen sind". Ein steiler Satz, den EKD-Bürokraten und LKA-Oberkirchenräte vielleicht nicht gerne hören. Was von uns verlangt wird, so fährt Tillich fort, ist einzig, dass wir das Geschenk Christi annehmen, das im "Neuen Sein" (die zentrale Dimension in Tillichs Denken), in seinem Leben anschaubar wird: Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit.





Aber ich frage weiter: Was heißt "erfüllen"? Zu Ende bringen? Sicherlich doch nicht - vgl. Tillich - im Sinne eines Leistungsnachweises. Und wer ist "die Andere"? Wohl die, mit der ich unmittelbar zu tun habe. Und: Wie kann ich "tragen"? Richtige Lasten, wie einen schweren Sack, kann ich versuchen, mit Engagement jemandem abnehmen. Ich kann auch im Bahnhof jemand mal n Koffer schleppen. Aber wie steht´s mit der Entlastung bei seelischen Problemen? Ich kann ja doch nie exakt die andere werden, auch wenn ich sie entlasten will. Ihr Beziehungsproblem, seine Arbeitslosigkeit, die Krebserkrankung meines Nachbarn - all das kann ich ja nicht übernehmen mit einem lockeren "Na gib doch her, das schultere ich mal für dich". Also, bei solchen seelischen, geistigen Lebenslasten ist wohl mehr gefragt als nur breite Schultern und gute Bizeps. Ich denke, da braucht es: Mit-Leid, Empathie, Solidarität. 





Gerade das letzte dieser drei Worte kommt im Neuen Testament nicht vor. Kein, für dieses Wort im strengen präzisen Sinne war in der griechischen und jüdischen Welt damals kein Raum. Natürlich gab es dort gegenseitige Hilfe und Unterstützung, aber - versteht sich: nur von Römer zu Römer und Grieche zu Grieche. Das Christentum hat gegenüber der römischen und griechischen Antike dann den entscheidenden weiteren Schritt gemacht: Solidarität nicht nur zu Leuten der eigenen Kultur, sondern zu allen Menschen. 





Und Jesus hat bemerkenswerte Beispiele gegeben, die über das Utilitarismus-Prinzip hinausgehen: Wenn jemand dich bittet, dass du eine Meile mit ihm gehen willst: geh gleich zwei mit ihm. Wenn jemand vor dir deinen Rock haben will, gib ihm gleich den Mantel dazu. Eine großartige Perspektive: Kein enger Krämergeist, der ängstlich darauf bedacht ist, dass ich auch schleunigst und absolut sicher meine verliehenen 10 euro pünktlich morgen um 10h wieder bekomme. Statt dessen: Freigebigkeit, großzügiges Denken, ein offenes wohlwollendes Herz jenseits alles engen Kalkulierens und ängstlichen gegenseitigen Aufrechnens. 





Vielleicht haben sich unsere französischen Revolutionsvorfahren auch deshalb gerade diesen Dreiklang auf ihre Trikolore geschrieben:







Liberté

 

Egalité

 

Fraternité









Und fraternité kann man problemlos mit dem etwas modernen solidarité ersetzen. 





Ich merke: In dem kleinen Paulus-Satz steckt schöne  Dynamik drin.









(Quelle für das 2. o.a. Bild: www.jugendkorbinian.de)

Samstag

Gitarren Soiree

Samstagmorgen. Wochenende! Klingt zwar für einen Freiberufler nicht ganz so dramatisch-positiv wie für alle, die strikt Montag bis Freitag malochen müssen, aber dennoch eine gute Gelegenheit etwas inne zu halten. Die Bundeskanzlerin gönnt sich ja auch eine Auszeit, die allerdings rund 10.000 Euro Steuergelder kostet. Da mach ich´s lieber preiswerter, greif im Nulltarif zu meiner Gitarre und lass die düsteren morning news der FTD ("Wall Street taumelt ins Wochenende") erst mal beiseite: "Schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt, ein enttäuschender Auftragseingang der Industrie: Anleger ahnen, dass sich das Tempo des Aufschwungs nicht mehr halten lässt - Nervosität bestimmt den Handel."



In zwei Wochen mach ich in Goslar eine kleine Gitarren-performance unter FreundInnen. Also ist Üben angesagt. Ich werd´s mir aber nicht unnötig schwer machen, sondern evergreens aus meinem Repertoire wählen. Bin ja sowieso nur Amateur auf basic level und spiel deshalb auch nur "halb-öffentlich" vor fehlerverzeihenden LiebhaberInnen der überschaubaren "Kammer"-Musik (nomen est omen). 



Hier ist der Ankündigungszettel:
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Appetizers:

Catalonian Folk Song

Fernando Sor (1778-1839) Op. 31, No 1 Andante

A Thought of Pujol

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John Dowland (1562 - 1626) What If a Day or Month or Year

John Dowland Melody

Francis Cutting (1550 - 1595) Bockington´s Pound



***

Anonymous Menuet

Matteo Carcassi (1792 - 1853) Allegretto

Henry Purcell (1659 - 1695) Menuet

Carcassi Op. 18 Air Montagnard - Theme and Variations

G.F. Telemann (1681 - 1767) "Les Plaisirs"

(from Suite a-flat, arranged for guitar by BL)

Fernando Sor Op. 60, No 5



***
Finale Espagnola

Isaac Albeniz (1860 - 1909) Op. 47, No 5 Asturias
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Ich spiele auf einer Alhambra Modell 2 Cedar und freu mich auf den Abend.



Die Appetizers kann frau/man über



https://docs.google.com/leaf?id=0B4laHurOfpteMTQ3N2M0NmQtOWMwZS00YjhhLThhNzctYTBjMWNlNmQ1NDMy&hl=de&authkey=COuJ7fEM



hören, aber nur, wenn keine Studioqualität erwartet wird. Ich hab einfach meinen ipod auf den Notenständer gelegt.... Und mich auch beim Tempo erstmal zurückgehalten. Sind ja noch 14 Tage hin.



Wer Schwierigkeiten mit dem m4a Format der Datei hat, hier ist ein converter ins bekanntere mp3 Format: http://www.heise.de/software/download/free_m4a_to_mp3_converter/51691

Freitag

Amazon bringt dir jetzt auch deine Brezel

Ökologisch-logistisch sicherlich höchst bedenklich, aber seit gestern mischt Amazon nicht nur den Bücher-, Musik- und Elektronik-Markt auf, sondern lehrt auch der Nahrungsmittelbranche das Fürchten.

(http://www.ftd.de/unternehmen/handel-dienstleister/:erweiterte-produktpalette-amazon-wird-lebensmittelhaendler/50137327.htm)

Auch Bio- und Fairtrade-Produkte und Weine sind natürlich auf der neuen Lebensmittel-Palette von Amazon, die 35.000 verschiedene Produkte umfasst. Das ist die grösste Auswahl an Lebensmittel in Deutschland online.

Dass nun wieder mal Millionen von Gütern, die es auch in der Region gibt, quer durch die Republik transportiert werden, ist zweifellos energetisch kritisch.



Andererseits erscheint die Hitze der Diskussionen mancherorts, ob man (zB Edeka-)Lebensmittelmärkte wegen des lokalen Einzelhandel verbieten soll, wie sie gerade auch an meinem Wohnort geführt wird, nun doch reichlich überzogen. 



Ich werd bei Amazon, wie schon immer, auch jetzt nur Sachen kaufen, die mir meine Region partout nicht bereitstellen kann (zB billige 2nd hand-Bücher), aber heute morgen konnte ich der Versuchung eines Tests doch nicht widerstehen und hab als gebürtiger Schwabe ein paar Bio-Laugenbrezel bei Amazon bestellt. Bin schon jetzt gespannt, wie die bei mir eintreffen. 

So oder so - da kommt was auf uns zu.

Donnerstag

Was geht uns das Schicksal eines verkorksten Entwicklungslandes an?

Starker Tobak, so ein Satz, oder? Sind da verfassungsfeindliche Umtriebe im Gange? Aber nein, so steht er, leicht anders formuliert, in der heutigen Ausgabe der FTD vom 1. Juli, auf S. 24. Und er ist auch nicht das Ergebnis von Wichtigtuerei einer FTD-Kommentarin. 





Nein, Ines Zöttl, reformuliert nur das, was unlängst immerhin der neue britische Militärminister Liam Fox endlich so klar aussprach: "Wir sind nicht zum Wohle einer Bildungspolitik in einem bankrotten Land aus dem 13. Jahrhundert in Afghanistan". 





 Wohl wahr und nun steht das Ende dieses unsinnigen militärischen Abenteuers endlich bevor. Spät zwar, aber immerhin. Ines Zöttl bringt die Niederlage der Nato in ihrem meisterhaften Kurzessay präzisest auf den Punkt:





  • Wachsende Frustration in den USA

  • Der US-Kommandant wird gechasst weil er keine Erfolge hat

  • Die Mardscha-Offensive der US: ein völliger Fehlschlag

  • Die Zahl der Toten steigt unaufhaltsam

  • Der Nato-Konsens, der Afghanistan-Einsatz sei sinnvoll, ist dahin  

  • immer mehr Länder verdünnen sich: Niederlande, Polen vielleicht?, Kanada nächstes Jahr, wer weiß wie lange UK noch bleibt (werden die Deutschen mal wieder die letzten US-Getreuen sein? BL)

  • Es gibt keine überzeugende Begründung für den Krieg = die Idee, in Afghanistan eine demokratische moderne Gesellschaft aufbauen zu können hat sich längst als obsolet erwiesen

  • Karsai bereitet sich nur noch auf den US-Abzugstermin in einem Jahr vor, setzt nicht mehr auf die US-Truppen, die dann weg sein werden, sondern verhandelt lieber jetzt schon mit den Taliban, die dann aus ihren Verstecken kommen und die Macht übernehmen werden

Jeder der wissen will, warum der Westen den Krieg in Afghanistan verloren hat, ist der ausführliche Kommentar von Frau Zöttl im Wortlaut dringendst empfohlen. (http://www.ftd.de/meinungshungrige)



Weitere Hintergrundanalysen auf: 

http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57848





Quelle der Landkarte: tagesschau.de

Christian Wulff, Schach und Shakespeare

Guten Morgen, Herr Bundespräsident - Glückauf Christian! 



Jetzt bist du da, wo du hinwolltest. Oder besser gesagt: hinsolltest? = nach dem Wunsch deiner Parteifreundin, die dich nun nicht mehr als Konkurrenten fürchten muß.





Deine Inthronisation war ja nicht so ganz glücklich, also bleib bescheiden. Schon der große Dramaturg aus Stratford wußte: Die Krone ist nur ein hohler Reifen. Und in Deutschland haben wir die Kronen sowieso schon lange abgeschafft, exakt 100 Jahre, wenn du am Ende deiner zweiten Amtszeit sein wirst (du siehst, ich trau dir durchaus was zu). 



Aber Shakespeare hatte recht, und ich kann dir das von meiner online Schachpartie bestätigen, die ich gestern während deiner Wahl gespielt habe: Mein Gegenüber hatte schon zwei hübschgekrönte Damen um sich

vereint, und ich selber wollte gerade meine eigene Krone abgeben. Aber pardauz, da hatte mein Gegner doch glatt ein Remis-Patt übersehen. Da saß er nun inmitten seiner drei goldnen Kronen, die ihm nun auch nix mehr genützt haben. 



Also: Sei nicht zu übermütig. Mach dich an deine Denkfabrik in Bellevue, aber vergiss auch nicht: Dein Volk kann auch denken, nicht nur du. Wir denken zum Beispiel mehrheitlich ganz entschieden: Deutschland raus aus Afghanistan! Nein, das mußt du auf deinem Fest morgen noch nicht sagen. Die Wahrheiten spart man sich für später auf. Aber behalt sie im Auge. Und rezitier ab und zu beim Schlafengehen den großen Weltdramatiker:





Within the hollow crown

That rounds the mortal temples of a king


Keeps Death his court and there the antic sits,


Scoffing his state and grinning at his pomp,


Allowing him a breath, a little scene,


To monarchize, be fear'd and kill with looks,


Infusing him with self and vain conceit,


As if this flesh which walls about our life,


Were brass impregnable, and humour'd thus


Comes at the last and with a little pin


Bores through his castle wall, and farewell king!




Also Christian, du bist gewarnt vor dem trüben Glanz der Macht. Als Vorsitzender von einem kleinen Verein sag ich dir aus Erfahrung: Die Luft wird nach oben hin immer dünner, und wenn´s "unten" Probleme gibt, merkst du schnell, wie einsam du "oben" bist. Dennoch: Meinen Glückwunsch und gutes Gelingen! 

Dienstag

Sachwerte? Ja, bitte!

Unser kluger Finanzminister hat uns empfohlen "in Sachwerte" zu investieren. Ob er selber schon nicht mehr an seine Sparpolitik glaubt? Als ich mir vor einiger Zeit einen neuen Lenovo ThinkPad gekauft habe, auf dem ich für diesen Blog schreibe, hab ich solche Überlegungen noch nicht angestellt. Damals war Hellas noch ein traditioneller Begriff eindrucksvoller Reisebüro-Hochglanzbroschüren. 


   Richtig hellhörig wurde ich erst, als neulich beim Kegeln ein Banker in vorgerückter Stunde beim Bier uns bedeutungsvoll in die Augen sah: "Die Krise ist noch lange nicht vorüber, wer weiß wie lange es den Euro noch gibt, ihr müsst schleunigst in Sachwerte investieren". Der Satz kam mir bekannt vor. 


Unsereins hat natürlich wenig Möglichkeiten, um dieser Empfehlung nachzukommen. Aber wir haben wenigstens zwei Fenster energetischer gemacht. Doch der Clou ist: Unser neues Solarnummernschild:



Zwei geschlagene Tage mussten wir uns nach dem Einkauf in Geduld üben. "Die Akkus müssen sich erst richtig aufladen", klärte uns die kompetente Verkäuferin bei Obi auf. Aber Sonntagabend, rechtzeitig nach dem WM-Spiel, konnten wir dieses kleine Wunderwerk bestaunen. Wenn Schäuble schon die PV-Förderung gedeckelt hat, hier sind wir wenigstens en miniatur solar dabei. Und keine/r unser FreundInnen kann sich jetzt rausreden, er habe unsern Eingang nicht gefunden.

Sonntag

Sonntagfrüh: Keine Politik, aber geniale Schachpartie

Meine bislang genialiste online Schachpartie. Es ist ja schon im live chess eine - schöne - Ausnahme, wenn man erfolgreich einen Springer opfert. Aber wenn man - wie in dieser Partie - online und unter Zeitdruck dann noch einmal einen Turm (!) opfert, um ein Mattnetz zu knüpfen, und wenn dieser Plan, den man sich natürlich nie und nimmer vorher exakt ausrechnen kann, aufgeht - das ist einfach fantastisch. Wie sagte mein großer Schachlehrer Siegbert Tarrasch immer: "So etwas muß man sehen". Voila.











Burkhard spielt simultan in einem Nienburger Stadtteilhaus



















































weiss
schwarz (Burkhard)
Zug Figur Feld

Figur Feld
1Bauere2 - e4

Bauere7 - e5
2Springerg1 - f3

Springerb8 - c6
3Läuferf1 - c4

Läuferf8 - c5
4Bauerd2 - d3

Springerg8 - f6
5Springerf3 - g5

Königkurze Rochade
6Königkurze Rochade

Bauerd7 - d6
7Dame d1 - f3

Bauerh7 - h6
8Springerg5 - h3

Läuferc8 - e6
9Läuferc4 x e6

Bauerf7 x e6
10Dame f3 - g3

Königg8 - h8
11Bauerc2 - c3

Bauerd6 - d5
12Bauere4 x d5

Bauere6 x d5
13Dame g3 - h4

Läuferc5 - e7
14Springerh3 - g5

Springerf6 - h7
15Dame h4 - h5

Läufere7 x g5
16Läuferc1 x g5

Damed8 x g5
17Dame h5 - e2

Springerh7 - f6
18Springerb1 - d2

Turma8 - e8
19Springerd2 - f3

Dameg5 - f5
20Springerf3 - h4

Damef5 - g5
21Springerh4 - f3

Dameg5 - f5
22Bauerh2 - h3

Bauere5 - e4
23Bauerd3 x e4

Turme8 x e4
24Dame e2 - b5

Damef5 - c8
25Dame b5 - c5

Springerc6 - e5
26Springerf3 x e5

Turme4 x e5
27Dame c5 x a7

Bauerb7 - b6
28Dame a7 - a3

Turme5 - g5
29Königg1 - h2

Bauerc7 - c5
30Bauerb2 - b4

Springerf6 - g4 (erstes Opfer)



31Bauerh3 x g4

Turmg5 x g4
32Bauerb4 x c5

Damec8 - c7
33Bauerg2 - g3

Turmg4 - h4
34Königh2 - g2

Turmh4 - g4
35Bauerc5 x b6

Turmf8 x f2 (zweites Opfer)



36Königg2 x f2

Damec7 x g3
37Königf2 - e2

Turmg4 - e4
38Könige2 - d2

Dameg3 - e3
39Königd2 - c2

Damee3 - e2
40Königc2 - b3

Damee2 - c4
41Königb3 - c2

Turme4 - e2
42Königc2 - b1

Damec4 - e4
43Königb1 - c1

Damee4 - c2 (Matt)







Samstag

Jedes Land hat den Außenminister, den es verdient

Spott aus der Berliner außenpolitischen Expertenrunde:


"Westerwelle? Der hat nichts gegen das Ausland. Er interessiert sich nur nicht dafür."


(Zitat aus SZ 26.6.10, S.8 / Bildquelle unten: Auswärtiges Amt)