Sonntag

Deutsche Fakten: Unsere Ausgaben für Flüchtlinge und unsere Ausgaben für Zuckerzeug

Bildergebnis für süssigkeiten
bildquelle: brandjunkie.de


"Angesichts der 13 Milliarden Euro, die die Deutschen jedes 

Jahr für Süßigkeiten ausgeben, sind zehn Milliarden für die 

Flüchtlinge nicht zu viel". 


aus dem Handelsblatt pre-print vom 12.10., 20h


Bildergebnis für flüchtlinge deutschland
Bildquelle: deutschland.de

Freitag

Endlich ein gutes Zeitungs-Portal

Der niederländische online Zeitungsdienst Blendle ist seit kurzem auch in Deutschland präsent. Der Blogger hat ihn getestet und ist begeistert. Endlich mal ein Nachrichten-Portal, wo alles stimmt: die Übersichtlichkeit, das transparente Bestellverfahren, die moderaten Preise und das freundliche Service-Team. So wird Nachrichten Verfolgen effektiv und macht sogar richtig Spass. Die Bedienung ist kinderleicht. Nach Registrierung gibt man seine Interessensgebiete ein und schon kann man loslegen. Das richtige Schmankerl sind bei Blendle die "Alerts" = Stichworte, nach deren Eingabe man dann gezielt nur die Artikel zum lesen präsentiert bekommt, die einen interessieren.




Blendles Bezahlsystem ist überaus benutzerfreundlich: Alle Suchergebnisse erscheinen zunächst mit Quelle, Überschrift und nur den ersten 10 Zeilen des Artikels als snippets am Bildschirm. Nach diesen Kurzinformationen  kann man entscheiden, welche Artikel man dann per Bezahlung ganz zum Lesen kaufen will. Die Bezahlung erfolgt bequem als pre-payment, von dessen Betrag dann die jeweiligen Kaufgebühren fortlaufend abgebucht werden. Später kann man dann jederzeit wieder sein Konto aufladen. Blendle bietet sogar generös eine Erstattung des bezahlten Betrages an, wenn man mit dem Artikel nicht zufrieden war. Ausser den einschlägigen deutschen Quellen hat Blendle auch z.B. die New York Times, Washington Post und Economist im Portofolio. Alles in allem eine großeartige Bereicherung in der deutschen Nachrichten-Präsentations-Landschaft. Sehr empfehlenswert!

Mittwoch

Bundeswehr-Einsatz in Afghanistan-Einsatz: Planlos, wirkungslos, sinnlos

Aus dem heutigen Handelsblatt - Morning Briefing von Chefredakteur Steingart:

Der nach den Anschlägen von 9/11 begonnene Afghanistan-Feldzug des Westens hat das Land weder der Demokratie noch dem Frieden nähergebracht. Nach dem Rückzug der Bundeswehr aus Kundus ist auch diese Stadt im Norden Afghanistans in die Hände der Taliban gefallen. Noch verweigert sich die Führung der Bundeswehr einer Diskussion darüber, ob es sinnvoll war, das Leben Dutzender von Bundeswehrsoldaten für diese Mission zu riskieren. Die Generäle wissen, warum sie diese Debatte nicht mögen. Heinrich Böll wusste es auch: „Ein Soldat, der anfängt zu denken, ist schon fast keiner mehr.“ 

Bildergebnis für kundus
Bildquelle: augsburger-allgemeine.de



Samstag

Gutes Wasser mit Sonnen-Energie - ein Projekt in Brasilien

Mit ausländischer Hilfe sit bei den Indianern am Xerua Fluss in Brasilien ein eindrucksvolles medizinisch-ökologisches Projekt entstanden. Bis 2005 konnten die Einheimischen nur das Flußwasser trinken, dessen Verunreinigung eine ständige gesundheitliche Bedrohung für die dort lebenden Indianer-Stämme war.



Mit ausländischer Unterstützung sind seither zehn Wasser-Aufbereitungs-Anlagen bei dem lokalen Stamm der Deni Indianer gebaut werden, die mit Sonnenenergie betrieben werden. In ihnen wird das Fluss-Wasser desinfiziert und zu Trinkwasser aufbereitet. Diese Solar-Wasser Projekt ist in die generelle lokale politische Strategie integriert, mit der die Deni-Indianer ihre Interessen in den gesamtgesellschaftlichen Kontext Brasiliens einbringen. 

Freitag

Flüchtlinge in Deutschland erzählen

Handelsblatt Morning Briefing von G.Steingart, Freitag, 25.09.2015

der unverminderte Zustrom von Flüchtlingen ruft in unserer Gesellschaft die unterschiedlichsten Gefühle hervor. Das bei uns Journalisten vorherrschende - das mag genetisch bedingt sein - ist die Neugier.

Titelbild
„Wer seid ihr?“
 fragt daher unsere heutigeSonderausgabe, die in Zusammenarbeit mit 44 Flüchtlingen aus aller Herren Länder entstanden ist. Ein 30-köpfiges Handelsblatt-Team hat 14 Tage lang die Flüchtlingsheime und Auffanglager durchkämmt, um Studenten, Arbeitslose, Unternehmer, Ärzte, Journalisten, Künstler und geflüchtete Politiker aufzuspüren, die ihre Erlebnisse und Erwartungen mit uns teilen.

Es ging der Redaktion dabei nicht um den Beweis ihres Gutmenschentums, sondern um die Klärung jener existenziellen Fragen, die für die Lagebeurteilung wesentlich sind. Woher kommen die Neuankömmlinge? Was treibt sie an? Was erwarten sie von uns? Was sind sie ihrerseits bereit, zu leisten - und aufzugeben? Von der Beantwortung gerade dieser Fragen hängt vieles ab - auch der künftige Wohlstand dieses Landes.

So brachten wir den Sportwissenschaftler Gronit Azemi aus dem Kosovo, dessen Asylantrag von den deutschen Behörden abgelehnt wurde, mit dem Europaminister des Kosovo zusammen. Es geht in diesem Streitgespräch um den Kern des Kerns der Massenauswanderung vom Balkan: Warum hat dieser junge Mann den Kosovo verlassen? Warum würde er es wieder tun? Was tun die dort Verantwortlichen, um ein Ausbluten zu verhindern?

Die Schlepper-Ökonomie hat uns naturgemäß besonders interessiert.Ballal Hossin aus Bangladesch berichtet, wie ihn Schlepper auf der Flucht quälten und ausnutzten. Auch andere Neuankömmlinge in deutschen Lagern erzählten unseren Reportern im Detail von Fluchtrouten undFluchthelfern - und den Geldern, die auf diesem schwärzesten aller Schwarzmärkte verlangt werden.  
Wir sprachen mit der geflüchteten afghanischen Journalistin Shamila Hashimi über die vormoderne Stammesgesellschaft ihres Landes, die sie nicht länger ertragen konnte. Die 28-Jährige erzählt: „Wenn du wie eine Sklavin alles akzeptierst, kannst du ein normales Leben haben. Sonst musst du sterben oder fliehen.“

Wir trafen den Iraker Mohammed, der vor dem Terror des Islamischen Staates (IS) nach Deutschland geflüchtet ist. Seine einst wohlhabende Familie, obwohl selbst muslimisch, sei verarmt und vom Terror des ISzermürbt: „Sie zerren Menschen auf Hausdächer. Dann halten sie sie fest und werfen sie einfach herunter. So als wären sie Müll. Sie lassen sie auf dem Boden zerschellen.“

Wir befragten aber auch erfolgreiche Ex-Flüchtlinge wie Amir Kassaei, mittlerweile Kreativchef der Werbeagentur DDB Worldwide, nach den Zutaten für eine gelungene Integration. Kassaei kam während des ersten Golfkriegs, bewegt heute im Werbemarkt Milliarden von Dollar und hat Forderungen an die Neuankömmlinge, die es in sich haben: „Gast zu sein ist Verantwortung und Verpflichtung zugleich. Für Einwanderer ist Anpassung eine Bringschuld.“

So liefert denn diese Sonderausgabe eine Fülle von harten Fakten und verwirrenden Eindrücken, von Schicksalen und Standpunkten, die der eigenen Meinungsbildung behilflich sein sollen. Wirtschaft beginnt mit Verstehen. Geboten wird dem mündigen Leser auf 50 Seiten allerdings nicht die eine Wahrheit, sondern er nimmt Teil an einer Suchbewegung. Wir fühlen uns dem französischen Literaturnobelpreisträger André Gide verbunden, der Journalisten und Leser gleichermaßen zur Bescheidenheit mahnt: „Glaube denen, die die Wahrheit suchen, und zweifle an denen, die sie gefunden haben.“