Dienstag

PIGS-Pleiten - kein Land in Sicht


Das angebliche "Rettungs"paket für Irland ist an den Finanzmärkten wirkungslos verpufft. Stattdessen fürchten die Investoren, dass die Schuldenkrise bald auf Portugal und Spanien übergreift. Auch der US-Ökonom Roubini rechnet damit, dass Portugal als nächstes auf EU-Kosten saniert werden muß. 


Und der Europa-Chefvolkswirt der Royal Bank of Scotland prognostiziert, dass die Krise bestimmt nicht mit Portugal aufhört, sondern dann auch Spanien erreicht. Und jenseits vom potenziellen Krisenland Spanien werden schon verdächtig häufig noch weitere Staaten (Belgien, Italien, inzwischen neuerdings sogar Frankreich!) genannt.


Gestern kletterten die Kosten für die Absicherung portugiesischer und spanischer Staatsanleihen gegen einen Zahlungsausfall dieser Staaten auf eine ungeahntes Rekordniveau. Ausserdem trennen sich die Anleger von Bankaktien aus Spanien und (!): Frankreich. 


Wer die Zeichen der Zeit lesen kann, weiß wohin die Reise geht.


(Referenz: Artikel von Doris Grass und Mark Schrörs in der heutigen FTDk)

Wikileaks für Schnell-LeserInnen

Den besten Überblick über die informationellen "Filetstücke" unter den dankenswerterweise durch Wikileaks enttarnten Dokumente gibt die heutige FTD auf Seite 11:


Der neue Südeuropa-PIGS-Weicheuro schon im Umlauf? Blick auf einen Prototyp


Aus sicher ganz voreiligen Gerüchten höre ich, dass in den Münzprägefirmen schon der neue Südeuropa-PIIGS-Euro designiert wird. 


Demnach wird die Akzeptanz des abgesplitterten Weich-Euros bestimmt nicht am ästhetischen Niveau scheitern. 


Hier die Blaupause:


Über den Trümmern der Akropolis reitet eine schön drapierte irische Harfe auf einem spanischen Stier. Das ganze hübsch umrahmt von einem Reigen griechischer Oliven. 


Wow, MünzensammlerInnen aufgepasst. Da kommt eine neue Seite in eurem Katalog auf euch zu. 

"Endgame" Is it Beckett? No it is the Euro!





Wieder das übliche Muster. Die EU macht ein Abkommen und die Märkte geraten in Panik. Diesmal dauerte das Schauspiel nur paar Stunden. Die EU-Glaubwürdigkeit sinkt von Tag zu Tag.

Bankrott-Anzeichen überall. Die Renditen für spanische Staatsanleihen stiegen gestern erneut und sogar auch die für italienische Anleihen. Dass Griechenland, Irland und Portugal faktisch bankrott sind, ist für die unter Finanzanalysten schon gar keine Frage mehr. Eher fragen sie sich, wie lange Spanien noch seinen Bankrott vermeiden kann. 

Die Aussichten sind düster: Mit jeder Stunde, wo die Zinssätze steigen, verschlechtert sich auch für Spanien die Situation. Und ausserdem nehmen die Märkte nun auch schon Italien und Belgien in ihr Visier.

Hier die Fakten:
Irlands Zinssätze werden unter dem EFSF im Durchschnitt rund 6% betragen, viel zu hoch um nachhaltig zu bleiben. Da die Wachstumsrate von Irland auf Jahre hinaus bedeutend unterhalb dieser Ziffer liegen wird, kann man sich die Explosion der irischen Schulden ausmalen. Für die Märkte ist somit klar, dass Irland bankrott ist. Irland geht genau den Weg wie vor ihm Griechenland und hinter ihm treten schon Portugal und Spanien in die gleichen Fußstapfen.

Daneben lügen sich die PIGS immer noch in die Tasche, indem sie ihre Sanierungsprogramme mit völlig unrealistischen Wachstumsraten als "realistisch" umlügen. 

Die internationale Wirtschaftspresse geht nun immer einhelliger davon aus, dass das Ende des Euro kommen wird.

Nobelpreisträger Paul Krugmann macht das an den viel zu hohen Kreditzinsen für Irland deutlich. Und wie geht es dann weiter? Noch mehr Kredite? Noch mehr Kredite!

Krugmann illustriert es mit folgendem Dialog:

"Irland kann seine Schulden nicht mehr zurückzahlen.""Ach was, hier ist ein neuer Kredit!""Nein, Irland kann seine Kredite wirklich nicht mehr zurückzahlen.""Ach was, hier ist ein neuer Kredit!"

Peter Boone and Simon Johnson entwerfen vier Szenarien für den letzten Akt des Euro-Dramas -  durchaus im Ausmaß eines von Becketts Endgame:

Szenario Eins: 
Alles bleibt so wie es ist; Deutschland saniert alle PIIGS.

Szenario Zwei: 
Alles geht so weiter, bis es kracht. Dann muss Griechenland die Eurozone verlassen. 

Szenario Drei: 
Nach dem Bankrott Griechenlands und Irlands gehen in naher Zukunft noch weitere PIIGS bankrott.

Szenario Vier: 
Die Eurozone zerfällt in einen Nord- und einen Süd-Euro.

(Referenz: Die internationale Wirtschafts- und Finanzpresse)



Europa: Ground Zero


Angesichts der nicht zu stoppenden Pleitenserie der PIGS wird in der politischen Öffentlichkeit immer offener über das Ende des Euro und die Szenarien für einen Ausstieg aus dieser fehlkonstruierten Währung diskutiert.


 Die Regierungen in Paris und Berlin müssen nun einsehen, dass ihr Mantra "Euro auf ewig - koste er was er wolle" den steuerzahlenden und damit letztlich dafür einstehenden BürgerInnen nicht mehr zu vermitteln ist. German-Foreign-Policy.Com bringt es in seiner heutigen Analyse die Sachen auf den Punkt.

Da eine einheitliche EU-Wirtschaftspolitik angesichts des hohen Tempos, in dem die PIGS in ihre Pleiten rennen, nicht mehr helfen wird, wird nun - was bis vor kurzem noch das absolute Tabu war - ganz offen über die Rückkehr zu zu nationalen Währungen oder eine Aufteilung in einen starken Nord-Euro und einen schwachen Süd-Euro diskutiert. Auch der komplette Ausschluß der PIGS ist zum realen politischen Thema in Bruxelles geworden. 


Da das Thema in der Öffentlichkeit - zu Recht - gesellschaftspsychologisch immer höher besetzt wird, können die spin doctors in den europäischen Hauptstädten erfreulicherweise ihre appeasement-Politik auch nicht mehr weiter treiben. 

Flankiert wird das von den massiv negativen Prognosen namhafter WirtschaftsanalytikerInnen. So weisen sie z.B. darauf hin, dass auch das bisher immer noch als "Too big to fail" klassifizierte Spanien, finanziell weit maroder ist, als es uns die PolitikerInnen in Madrid und ihre Bundesgenossen in Bruxelles und Berlin glaubhaft machen wollen.

 Und für den nicht mehr auszuschliessenden Bankrott Spaniens wäre auch kein "Rettungs"paket mehr groß genug, abgesehen davon, dass das Verbrennen von über einer Billion Euro (das wäre die
aufgestockte Summe des EFSF nach den aberwitzigen Fantasien unseres nicht mehr durchblickenden Notenbankpräsidenten) sicher nicht mehr der deutschen Bevölkerung vermittelbar.

Der Hamburger Wirtschaftswissenschaftler Professor Dirk Meyer enthüllt dazu flankierend die Illusionen der griechischen Selbstsanierungsmaßnahmen. Eine Kürzung von jährlich
30 Milliarden im griechischen Etat ist völlig abwegig, ganz abgesehen von den Widerständen in der Öffentlichkeit. Ein Drittel der griechischen Sparmaßnahmen demaskiert Meyer glatt als "Luftbuchungen".

Inzwischen können die Regierungen in Athen und Dublin auch nicht mehr den massiven Protest der Bevölkerung gegen die Spardiktate, die Bruxelles als Folge des Mißmanagements ihrer Banken und PolitikerInnen ihren Staaten aufoktroyiert hat, ausser Acht lassen. 


Wenn die Euro-Fanatiker so weiter machen, muss politisch-bedenklich nach den Streiks als nächste Eskalation in der WählerInnen-Verdrossenheit auch mit dem Zulauf zu neuen populistischen europafeindlichen Parteien gerechnet werden - alles nur, weil die Pro Euro-Entscheidungsträger zu feige sind, ihren Irrtum einer uniformen Währung für einen völlig diskonforme Wirtschaftsraum einzugestehen.

Wenn also die PolitikerInnen nicht endlich den Euro als ihren fundamentalen Irrtum einsehen und massiv in ein wirklich stabiles europäischen Wirtschaftssystem mit befreienden Staatsinsolvenzen und harten Bankkontrollen umsteuern, werden die Menschen bald massenhaft nicht nur in Lissabon und Madrid auf die Straße gehen, sondern auch in Berlin und Paris. Dann nämlich, wenn sie endlich merken, wie massiv die uneffektiven Sanierungsmaßnahmen für die PIGS ihnen ans eigene Portemanai und Sparbuch geht.

Montag

Ireland rescue. The investors are not amused

Die Märkte sind vom groß gepriesenen Irland-Rettungspakt nicht überzeugt. Zuviel Glaubwürdigkeitsverlust der EU in so kurzer Zeit. Die Bedingungen für Irland sind nicht dazu angetan, seine drohende Zahlungsunfähigkeit zu verhindern.  Auch der (This is indeed a major change from the original proposals. Once you allow for negotiations, we are essentially in a situation as we are in today, where politicians will meet to discuss what to do, and risk-averse as they are, they will find it easier to agree a bailout, than a default).
Breakingviews said in an initial comment that the chances that this deal prevents contagion are small. Portugal has a small chance if it were to stick to its fiscal plan, and the ECB keeps funding its banks. The problem is the market demand for peripheral debt is weak, and from 2013 demand for peripheral bonds may dry up completely due to the bailin rules. And if Portuguese yields don’t come down soon, attention will focus on Spain.  More bailouts will be on the way.
Lex at the FT quotes an interesting observation from Barclays Capital. The problem in Ireland is of course a banking system that is too large to save. Yet in terms of percentage of GDP, the banking sectors in the Netherlands, Belgium, Spain and the UK are larger.
Our comment: The success of the programme will depend crucically on the market reactions. Here you can see a snapshot of the bond markets this morning, as compared to Friday morning. The yield spread – the measure of risk is unchanged in the case of Ireland and Spain, and it is marginally low for Greece and Portugal. But the spread is only a difference. German yields themselves rose further, to 2.76% this morning, which reflects market concerns about the bailout burden on Germany, but without alleviating the concerns about default risk in the periphery. It is a kind of the worst of both worlds scenarios. This is an exceptionally bad reaction to the deal, especially as a lot of questions are now answered. To us, this suggests that the markets are concerned about Ireland’s fundamental solvency, something no bailout package can ever address. And we cannot see how interest rates at 6% are consistent with solvency.
Forex and bonds.
From Reuters this morning. Euro weakens further. Bonds move sideways

Before and after: Not much change

10-year sovereign spreads

Previous day
Today
Ireland
6.766
6.753
Greece
9.974
9.282
Portugal
4.53
4.39
Spain
2.535
2.526



Euro bilateral exchange rates:

Previous day
Today
Dollar
+1.3314
+1.3285
Yen
+111.54
+111.61
Pound
+0.8460
+0.8519
Swiss Franc
+1.3307
+1.3314


Wolfgang Munchau on what the eurozone should do now
It would be best not having to start from here. But as there is no choice, Wolfgang Munchau makes a set of proposals in his FT column on the steps that would be sufficient to take us out of the crisis.  The first would be to restructure the debt of Ireland, Greece and Portugal, down to a level consistence with solvency under some realistic post-crisis growth rates. The second would be to transform the EFSF into a pan-European bank restructuring mechanism, through which banks are recapitalised and downsized. This would only work if the EFSF was endowed with sufficient powers to close down banks. And third, the remaining sovereign debt should be pooled into a single European bond. The important part of this proposal is the separation of sovereign and financial debt. He says the chances that the EU will do anything like this are close to zero.

Samstag

Händel-Sonate im Studio

Wohlmeinende BlogleserInnen haben den Blogger gefragt, ob er statt so oft auf die PIIGS zu blicken, nicht wenigstens hin und wieder auch mal was Schönes, Erfreuliches bloggen könne. Der Frage will er sich nicht verschließen. 



Da trifft es sich gut, dass ich als Flötist letzten Mittwoch mal wieder zum allwöchentlichen Musiktraining mit meinem Pianistenfreund zusammen war. Im Sommer werden es fünf Jahre sein, dass wir beide jede Woche mit Elan und Fleiß ("gesunder Amateurehrgeiz" nennen wir das) das barocke Flöte und B.c. Spektrum durcharbeiten. 


Vergangenen Herbst hatten wir einen leichten Motivations-Durchhänger. Wie gut, dass mein Partner mich mit der Ankündigung empfing, er wolle sich einen digitalen Musicrecorder kaufen mit dem Ziel - das war wirklich eine echte Überraschung - dass wir unsere erste CD brennen wollen. 




Bei unserer Suche nach einer geeigneten Komposition fiel unsere Entscheidung auf die schöne erste sog. Fitzwilliam-Sonate von Händel. Zwar  wird die Zahl flötenspielender LeserInnen des Unbequemen Blogs nicht sehr prominent sein, aber unter 10.000+, die hier reingucken, vielleicht doch der eine oder die andere. 


Voila, hier ein paar Überlegungen zur Aufführungspraxis. Wenn wir unsere CD gebrannt haben, wird es eine Post-Ankündigung im Unbequemen Blog geben.







Händel Fitzwilliam Sonate I (B-Dur)


1. Satz (Courante)
Die altfranzösische Courante war ein mäßig schneller Gesellschaftstanz, meist im 6/4-Takt. Um 1600 fand in Frankreich eine musikalische Aufbereitung des Tanzes statt (besondere Kennzeichen: Auftakt und Punktierung).


Die Courant der Händel-Sonate beginnt in den Takten 1-11 sehr fröhlich, beschwingt, heiter und geht danach in einen Dolce-Teil über. 


In Takt 11 und den späteren Parallelstellen darf Flötist darf keinefalls Triolen spielen.


Eine Herausforderung für jedes Zusammenspiel sind Ritardandi. Flötist und Cembalist müssen beide exakt zum gleichen Zeitpunkt mit dem Ritardando beginnen und danach das Ritardando-Profil völlig synchron gestalten. Mein Vorschlag: Das Ritardando beginnt in diesem Satz in Takt 42 nach dem punktierten tiefen F der Flöte.


2. Satz (Adagio)
Ein Satz im französischen Stil, also überscharf punktieren. In Takt 3-5 spielt die Flöte dann aber wieder dolce. Das hohe G der Flöte in Takt 6 hat Fermaten-Charakter, danach beginnt eine neue Phrase. Das Ritardando in diesem Satz könnte in Takt 10 beginnen, z.B. beim zweiten D der Flöte.


Wie ernst man das “Attaca” zwischen 2. und 3.Satz nehmen soll, ist ad hoc zu prüfen. Ein kleiner Abstand zum 3.Satz ist m.E. für die ZuhörerInnen angenehm.


3. Satz - Allegro
Eine fröhliche schnelle Gigue


In Takt 9 (und den Parallelstellen): darf der Flötist wiederum keinesfalls Triolen spielen.


In den Takten 13/14 und der Parallelstelle Takte 33/34 scheinen mir 4x Mordente hintereinander übertrieben, besser nur jede zweite Note verzieren. 


Das Ritardando im 2.Teil des 3. Satzes sollte erst im letzten Takt (35) einsetzen.

Kleines Euro-Strudel-ABC: PIGS - PIIGS - PIIGFS - PIIGFNLS

Auf meine Kritik am Konstruktionsfehler des Euro, eine einheitliche Währung ganz unterschiedlichen Volkswirtschaften aufzuzwingen, hat ein Leser entgegnet, dass der US Dollar zum Beispiel auch in Ecuador gültig sei. Formell stimmt das, aber die US kommen natürlich nie auf die Idee - wie jetzt bei den Pleitesanierungen der PIIGS - Ecuador deshalb zu sanieren, nur weil in Ecuador mit US Dollars bezahlt wird.


Ein anderer überlegt, ob er die jetzt so schön rentierenden irischen Anleihen kaufen soll. Na ja, in der Zeit bis zum Rückzahljahr 2020 kann allerhand passieren, auch Unerfreuliches für den Anleger.


Und wen der schwindelerregende Umfang des EFSF beruhigt: Der EFSF kann natürlich nie diesen Billionenpapierbetrag real ausgeben, viel früher würde sein AAA rating rasch in den Keller fallen. Und genau das wissen die Anleger, und deshalb wetten sie auf die Enttarnung des - Egal-was-kommt-wir-zahlen-Bluffs.

In der Financial Times stand letzte Woche, dass Analysten und Händler schon über die PIIGS hinausgucken... und fragen, wann Frankreich und die Niederlande, zum Schluß dann auch Deutschland, in den Euro-Abwärtstrudel geraten. Zum ersten Mal werden jedenfalls nun auch Deutschland-Anleihen in bemerkenswertem Umfang abgestoßen.

Die nächste Pokerrunde zwischen Bruxelles und den Märkten kommt bestimmt. Das Portemanai des Bloggers hofft, dass alles vielleicht doch noch gut ausgeht, aber sein Intellekt fürchtet den Kollaps.

Wow - über 10.000 mal wird der "Unbequeme Blog" gelesen

Über die ständigen Blogposts zu den PIIGS-Pleiten und der Euro-Krise hat der Blogger fast die Blog-Statistik vergessen. Aber heute - am Samstag erscheint die Financial Times nicht... - war mal ne ruhige Minute um das nachzuholen: 


Der Zeiger stand gestern abend auf exakt 10.081 Aufrufen. 


Danke für alles Interesse. Danke für gute Kommentare, gerade auch für kritische und kontroverse Rückmeldungen. Und Dank für immer gute Hinweise der LeserInnen auf neue Themen und gute "unbequeme" Quellen. 


Der Blogger bleibt am Ball. Material für die nächsten Posts liegt schon textbereit in der Schreibtischschublade:


  • Stresstest für Spanien - wie die Märkte auf das nächste PIIGS zielen 
  • Bericht aus dem Barockmusik-Studio
  • Rezensionen von "Smile or Die", "Reclaim the State", "Not for Profit - why Democracy Needs the Humanities"
  • Ein Blick in den Abgrund des grünen irischen Filz
  • Thinking the Unthinkable - was kommt nach dem Euro?



Stay tuned!

Umschuldung der PIIGS - na und?


In der Eurokrisen-Diskussion scheint die Umschuldung der pleitebedrohten Länder an der europäischen Peripherie ein Tabu zu sein. Warum eigentlich? Sei 1950 hat es international über 400 Umschuldungen für mehr als 80 verschiedene Staaten gegeben, mit gutem Erfolg. 


Die Umschuldungsmodelle reichen vom Haircut, Verlängerung der Schuldenrückzahlungs-Fristen bis hin zur Ermässigung oder vorübergehenden Aussetzung von Zinszahlungen. 


Unverständlich, warum diese ganz normale Methode, mit staatlichen Pleiten vernünftig umzugehen für die PIIGS tabuisiert wird. Macht die PolitikerInnen die Euro-Ideologie blind, wirtschaftlich rational zu handeln? 

Freitag

Dublin: Nach der Pleite bleibt nur noch der Galgenhumor

Quelle: online FTD von heute

Die nächste Runde: Wann erreicht die Pleite nach den PIIGS auch Frankreich und die Niederlande?


Das Buschfeuer ist nicht mehr auszutreten. Irische Anlagen lagen bei 9%, portugiesische bei 7%. Und die Analysten spekulieren schon, wann die Krise FRANKREICH und die NIEDERLANDE erreichen wird. 

Seitdem die Pleite Spaniens real geworden ist, nimmt es nicht wunder, dass die Anleger keine spanischen Anleihen mehr kaufen. Einfach zu riskant. Was den deutschen Bundesbankchef geritten mag, in dieser megagefährlichen Situation auch noch Öl ins Feuer zu gießen, indem er überlegt, dass der EFSF durchaus erhöht werden könnte, versteht kein vernünftiger Mensch. 

Ist doch klar, wie die Märkte das interpretieren: Weber traut dem derzeitigen EFSF nicht, die Märkte trauen den Beschwichtigungs-Parolen von Merkel und Co. nicht, und sie trauen nicht der finanziellen Überlebensfähigkeit der PIIGS, speziell der nächsten Pleitekandidaten Portugal und Spanien nicht. 

Ausserdem wäre eine solche EFSF-Erhöhung nur negativ spekulativ, denn der EFSF könnte seine Rettungsbillion (in diese Richtung gehen die gegenwärtigen spekulativen Hochrechnung) nie und nimmer ausschöpfen, wenn er nicht sein AAA Rating verlieren will. Aber auch die EU denkt viel zu unvorsichtig laut über eine Erhöhung des EFSF nach. Die deutsche Regierung bemühte sich deshalb auch eilfertig, sofort Webers Spekulation entgegen  zu treten.


Das beängstigende Ringelreihen um den EFSF, das wir jetzt erleben ist ein Martingale-Risiko-Spiel: Bei jeder neuen Runde, wo du verloren hast, verdoppelst du in der nächsten Runde den Einsatz. Damit kann man weit kommen, aber einmal platzt die Blase bestimmt. Fragt sich nur wann.
(Referenz: Die internationale Finanzpresse)

Zahlmeister Deutschland

Für den Normalbürger unvorstellbar, aber amtlich: Fast eine Billion (!) Euro sollen gegen die Pleiten der PIIGS bereitgestellt werden. Ende nach oben hin offen. Heute morgen prognostiziert die FTD schon mehr als eine Billion. Nachdem nun schon die Immobilien- und Bankenblasen geplatzt sind, wann platzt auch die Euro-Blase? 
Kein Wunder, dass die Finanzmärkte schon nicht mehr glauben, dass Deutschland als der Hauptgläubiger das noch schultern kann, so dass sie sich schon vorsorglich von deutschen Bundesanleihen trennen, für den Fall dass Deutschlands Finanzkraft überfordert ist, wenn es - nachdem wir schon Griechenland und Irland sanieren mussten - bald auch noch für Portugal und Spanien die Zeche bezahlen soll.  



Donnerstag

Stress-Test Spanien

IHT von heute wagt sich ans Denken des - bislang noch - Undenkbaren: der finanzielle Kollaps von Spanien. Leider rückt dieser Alptraum immer näher und ist nicht mehr schwarze Phantasie sondern eine beängstigende Möglichkeit. Spaniens Wirtschaft ist doppelt so groß wie die Wirtschaft von Griechenland, Irland und Portugal zusammen. Wenn Spanien pleite geht, wird die Eurozone wirklich ernsthaft getestet. Schlimm ist vor allem die Verflochtenheit Portugals (von dem mehr und mehr FinanzanalytikerInnen annehmen, dass es bald auch nur noch mit dem EFSF überleben kann) mit den spanischen Banken, die Portugal 78 Milliarden DollarNoch redet sich die spanische Finanzministerin mit den üblichen Rederitualen raus: "Wir widerstehen den Märkten". Mal sehen. Zunächst haben die Investoren die Spreads zwischen Spanien und Deutschland auf das Rekordhoch von 2,49 Punkte gepusht, die höchste Differenz seit der Einführung des Euro. Oder vertraut Elena Salgado dem Mantra "Spain is too big too fail". Mit der Illusion sind schon große Geldinstitute untergangen. Im nächsten Jahr muß Spanien ein Fünftel seiner Staatsschulden refinanzieren. Schon sind die Schuldenfinanzierungskosten für Spanien um fast 20% gestiegen. 

Ist der Bundesbank-Chef verrückt geworden?




Ja, wenn man es drauf anlegt, kann man mit solch dummen Äußerungen wirklich die Märkte verängstigen. Tönt doch Axel Weber abend vorlaut, dass es vorstellbar sein, den EFSF aufzustocken! Also glaubt er selber nicht an die wohlfeilen statements der PolitikerInnen im Mai, als der Pleitehilfsfonds aufgelegt wurde, dieser sei mit 750 Milliarden Euro völlig ausreichend. 


Kein Wunder dass die Anleger immer mehr glauben, dass der Fortbestand der Eurozone vielleicht doch nur ein Bluff sei, der der harten finanziellen Wirklichkeit nicht standhalten wird. Und sofort flüchteten sie aus den Anleihen der PIIGS. Aber nicht nur das: Zum ersten Mal kam es bei den bislang als vollkommen sicher geglaubten deutschen Bundeanleihen zu Kursverlusten. Wieder ein neues Menetekel an der Euro-Wand?

Der Euro hat ein Problem? "Nie und nimmer" tönt es "von oben"



Die Euro-Pleite geht unaufhaltsam weiter. Die Märkte reagieren negativ aufs neue Irische Budget, weil die Investoren fürchten, dass Irlands finanzpolitische Reaktion auf die Krise das Land noch schneller in den Bankrott führen wird.

"Eurointelligence" schlägt mit realistischem Humor vor, die Schwere der Eurokrise an der Zahl der PolitikerInnen-Reden zu messen, die abwiegeln, alles sei paletti mit dem Euro. 


Kostprobe, was unser political top players in diesen Tage sagen?

"Es gibt überhaupt keine Krise"
"Der ESFS ist unser Garant zum Überleben der Krise"
"Die Eurozonen-Mitglieder haben eine Krise, aber nicht der Euro"
"Das Allerwichtigste ist ein neuer Stabilitätspakt"



Merkel und ihre Berater haben immer noch nicht den Mechanismus der Euro-Krise verstanden. Ihr bail-in Plan treibt schon jetzt die Anleihen-Preise unaufhaltsam in die Höhe, was die Zahlungsunfähigkeit nicht nur von Irland sondern auch die weiterer Euro-Länder immer wahrscheinlicher macht. 


(Blogpost basierend auf Eurointelligence News Briefing von heute)

Mittwoch

Für die PIIGS zahlen, egal was es kostet?


Immer mal treffe ich Leute, die für die Aufrechterhaltung des Euro sind, egal was das kostet. Also auch dann noch, wenn nach den PIGS anschließend noch der Bankrott von Italien und vielleicht Belgien durch Transfers verhindert werden muss. Ich glaube nicht, dass das die deutschen und französischen WählerInnen mitmachen und vermute, dass Berlin und Paris mit dem Sanierungswahn Schluß machen, bevor die Wirtschaft von Deutschland und Frankreich daran kollabiert. In der so heterogenen EU besteht eben keine Interessensharmonie. 


Und die Märkte glauben offenbar auch nicht an die "Wir sanieren die PIIGS, koste es, was es wolle" - Parolen. Sonst würden sie nicht weiterhin unverdrossen gegen die EU spekulieren, um zu testen ob deren "offizieller" Sanierungwillen nicht ein Bluff ist. Einer wird bei dieser Pokerei verlieren, nur bedenklich, wenn es die EU ist, denn dann ist der Schritt in die Währungreform plus Zwanggeldabwertung wohl unvermeidlich. 


Für die es, da bin ich mir sehr sicher - auch wenn am Samstag vor der Währungsreform Berlin noch tönen wird "Ihr Geld ist natürlich absolut sicher" / so ist doch das political spin business - schon genaue Blaupausen im Finanzministerium gibt to think the unthinkable.  

Schäuble: Hü und hott in der Euro-Krise

Portugals verfehlte Wirtschafspolitik zeigt sich im gleichzeitigen Erhöhen von Staatsausgaben und Staatsbudget-Defizit. Die portugiesischen Spreads sind jetzt genauso hoch wie die griechischen vor der Griechenland-Pleite.

Inzwischen wetten Anleger schon darauf, dass Spanien in nicht ferner Zukunft seine massive Schuldenlast neu strukturieren muß.

Schäuble hat auch keinen Durchblick mehr. Sonntag tönte er noch, dass nach der Sanierung des bankrotten Irlands Schluß mit der Euro-Krise sei. Gestern sagt er im Bundestag, dass der Euro vielleicht nicht überleben wird. Und so jemand ist für unsere Finanzen verantwortlich?

Eurointelligence erinnert nochmal an die sogenannten "Stresstests" im Sommer diesen Jahres und überlegt angesichts des jetzigen Bankendesasters ob man nicht das eine oder andere Geldinstitut anzeigen müsste, zivil- oder sogar strafrechtlich, für ihre miese ihre des Tests.
(Referenz: Eurointelligence News Briefing)

Sanierung der bankrotten PIIGS treibt deutsche Kommunen in die Pleite


Mit großem Interesse lese ich in meiner heutigen Lokalzeitung von dem Ansinnen, die Nienburger Kreisumlage zu erhöhen, aber auch von dem sich sich dagegen formierenden Widerstand der Kommunen und freue mich, dass dieses Ansinnen in der Zeitung auch in einen grösseren volkswirtschaftlichen Zusammenhang gestellt wird. 

Vielleicht wachen jetzt doch immer mehr PolitikerInnen und BürgerInnen endlich auf, dass es nicht sein kann, dass unsere Kommunen pleite gehen, während für bankrotte Banken und Staaten wie Griechenland, Irland - bald auch: Portugal und Spanien, locker Milliarden von deutschen und französischen Steuerzahler-Euros-verbrannt werden. Niemand soll mehr sagen, er habe es nicht gewußt.

Hoffentlich hat der kommunale Widerstand Erfolg und auch die entsprechende Einsicht, wo die wirklichen Ursachen für solche Anschläge auf die finanzielle Nachhaltigkeit unserer Kommunen liegen. 

Portugal? Spanien! Karlsruhe (!)


Nach der Pleite Irlands richteten sich die Augen der FinanzanalytikerInnen zunächst auf den nächsten Pleite-Kandidat der PIIGS: Portugal. 


Die Anlagemärkte jedoch focussieren sich schon jetzt auf den übernächsten PIIGS-Pleite-Kandidaten Nr. 4: Spanien. Nicht nur die Staatsanleihen Portugals, sondern auch die Spaniens stehen stark unter Druck. 



Misstrauische Anleger zwangen gestern dem hoch verschuldeten Spanien höhere Zinsen für neue Anleihen auf. So musste das Land bei der Auktion von Staatsanleihen fast doppelt so hohe Zinsen
zahlen wie noch Ende Oktober. Im Anschluss gerieten die Kurse
der zehnjährigen spanischen Staatsanleihen massiv unter die Räder. Der Risikoaufschlag der Papiere gegenüber Bundesanleihen kletterte zeitweise auf 237 Basispunkte und damit auf den höchsten Stand seit der Euro-Einführung. „Das zeigt das, dass die Lage für Spanien brenzliger wird“, sagte Commerzbank-Stratege David
Schnautz.



In der deutschen Diskussion, ob sich Merkels Plan eines bail-in mittels privater Gläubigerhaftung bei Staatsbankrotts politisch in der EU durchsetzen lässt, blickt man in Deutschland immer mehr auf das Bundesverfassungsgericht. Schon die Rettungsaktion für das bankrotte Hellas im Mai diesen Jahres verstieß eindeutig gegen das bail-out Verbot im EU-Vertrag und wurde deshalb von Bruxelles mit höchst windigen sophistischen Formulierungen getextet. 


Und eine generelle Umwandlung der EU in eine Transferunion, abgesehen dass diesw wohl nicht gegen den berechtigten Widerstand deutscher, französischer und anderer Nord-EU-WählerInnen durchsetzbar wäre, die ihre hart ersparten Renten- und Sozialleistungen nicht für bankrotte PIIGS verbrennen lassen wollen, könnte spätestens am Widerstand in Karlsruhe scheitern.
(Referenz: heutige Ausgabe der FTD)

Dienstag

How to call a bluff - warum die Finanzinvestoren gegen die EU spekulieren




Ein freundlicher Leser meines Blogs hat mich auf einen SPIEGEL-Artikel hingewiesen, wo gegen den Euro-Skeptizismus Stellung bezogen wird. Sehr lesenswert. Zwei Sachen seh ich allerdings anders als der Autor dort:


1) Lange hat man bei der Eire-Krise gesagt, "Irland ist nicht Hellas",  und es sind natürlich verschiedene Wirtschaften, aber im Endeffekt eben an dem einen Punkte gleich: Sie konnten sich nicht mehr alleine vorm Bankrott retten, sondern mußten extern saniert werden. Deshalb höre ich nun sehr sorgfältig hin, wenn - wie der Autor - schon wieder gesagt wird "Portugal ist nicht Eire". Deja vu?!



2) Ausserdem teile ich nicht den Optimismus des Autors dass die PIIGS sich selber sanieren können, denn deren sog. "Sanierungs"programme sind auf völlig überzogenen Wirtschafts-Wachstumsprognosen gebaut, also unrealistisch.

Wir alle werden sehen was die Zukunft bringen wird. Mich erinnert die Mentalität des Spiegel-Autors sehr an die "erfolgreiche"! Spekulation von Soros gegen das Britische Pfund, wo auch monatelang der britische PM Major pausbäckig verkündete: "Das Pfund ist sicher und wird nicht abgewertet. Basta!" Wie diese Geschichte dann ausging, weiß man.

 Und auch das Wasserrosen-Phänomen lässt mich nicht los: Da gibt es eine Spezies, die sich exponential vermehrt, so dass man gestern den See zu harmlosen 25% mit Blättern bedeckt sah, heute sind es schon erstaunliche 50%, und niemand damit rechnet damit, dass morgen der ganze See zugewuchert sein wird. Will sagen: Ich fürchte Phänomene, die trotz allen guten Willens ausser unserer Kontrolle geraten und beim der jetzigen Finanzkrise bin inzwischen skeptisch, ob wir nicht da genau solch ein Phänomen haben.
 
Aber so oder so - auch wenn mir Finanzspekulanten wirklich fremd sind, eine ihrer heilsamen Funktionen, uns auf den Teppich zu holen, ist sehr hilfreich: An ihnen kann keiner sich vorbeimogeln. Was wir jetzt erleben, ist die Spekulation der Finanzmärkte. Sie testen, ob die PIIGS gerettet werden ohne tatsächliche Staats-Insolvenzverfahren, ohne Euro-splitting oder ohne Euro-Ende (über das sogar Spd-Gabriel schon laut nachdenkt). 

Die Spekulanten verhalten sich wie Pokerspieler: Entweder warten sie aufs finale show down = wenn der Gegner die Karten auf den Tisch legen muss und es sich herausstellt, ob er geblufft hat oder tatsächlich gute Karten hat. Oder sie testen ihren Gegner schon früher auf seine Glaubwürdigkeit. "To call a bluff" heisst das im Pokerjargon. Das machen die Finanzspekulanten jetzt mit der EU und ihrem Euro. Wir werden alle ZeugInnen sein, wie das Spiel ausgeht. 

Die EU: Planlos von Pleite zu Pleite




Wieder eine Krise. Wieder dasselbe übliche Schema: Erst freuen sich die Fiananz-Märkte, dann ist der Jubel vorbei, weil sie bei näherem Hinsehen klare effektive Details im Sanierungsplan vermissen. Und die Angst wächst, dass die nächste Pleitenländer schon um die Ecke stehen: Portugal und Spanien. Spanien ist krass überschuldet mit einem Schuldenstand so hoch wie der Japans Anfang der 90er. 


Bisher lief der Pleitesanierungs-Mechanismus noch mono-national: Erst wird Griechenland saniert, dann Irland. Auf die Dauer werden solch uni-nationale Maßnahmen aber nicht mehr reichen. Ob der irische MP die Krise seines Landes bis zu den Neuwahlen im Januar überstehen wird? Backbencher planen schon heute seinen sofortigen Sturz.


Und die Zukunft des Euro wird jeden Tag ungewisser. Noch mehr Staatsbankrott-Sanierungen. ohne dass Merkels Gläubigerhaftungs-Regime vertraglich vereinbart wird, ist bei deutschen WählerInnen wohl nicht mehr politisch durchsetzbar, ganz abgesehen davon, dass Karlsruhe dann intervenieren wird. Aber andererseits ist genau solch ein Regime wiederum in Spanien und Italien politisch nicht durchsetzbar.
(Referenz: Eurointelligence News Briefing von heute)

Die irische Immobilien-Blase - nach dem Boom der Katzenjammer



Jahrelang standen die Iren vor ihren Banken Schlange, um Hypotheken für ihre Häuser zu bekommen. Der irische Immobiliensektor war so aufgebläht, dass er sag und schreibe 20% der kompletten irischen Wirschaft ausmachte. Vor zwei Jahren ist der Hausboom drastisch zu Ende gegangen: Der Bankrott von Lehman Brothers ließ sofort auch die irischen Banken klamm werden. Seitdem haben irische Immobilien 50 und mehr Prozent ihres Wertes verloren und ein Ende dieses Preisverfalls ist nicht abzusehen. In Irland stehen rund 300.000 Neubauten leer, für die sich keine Käuferin findet. Am Ende gerieten die irischen Banken in eine solche dramatische Schieflage, dass ihnen der irische Staat mit satten 80 Milliarden Euro unter die Arme greifen musste. Mit dem Ergebnis, dass das irische Haushaltsdefizit gigantische 32 Prozent der irischen Wirtschaftleistung beträgt. Unter dieser Überbelastung kollabierte das irische Finanzwesen, so dass nur noch die Sanierung durch den EFSF übrig blieb. Trotzdem ziehen die die Anleger weiterhin massiv ihre Gelder aus irischen Banken ab.
(Referenz für Text und Grafik: FTD von heute)



Ciao, irischer Tiger

Quelle: Stern


Die Arbeitslosenquote in Irland ist auf 13,9 Prozent hochgeschnellt. Die Regierung muss massiv sparen. Irland hängt nur noch am Brüsseler Tropf und ist für Einwanderer unattraktiv geworden. Die Anleger räumen aus Angst um ihr Geld ihre irischen Konten leer, und immer mehr Menschen verlassen das Land. Die Auswanderungsrate ist so hoch wie seit den späten 80er-Jahren nicht mehr. 2009 wanderten mehr Menschen aus als ein. 2010 wird sich die Differenz vervierfachen.
(Referenz: FTD von heute)

Irlandsanierung - alles paletti? Nicht für die Märkte...

Montag

Euro-Probleme, die unsere PolitikerInnen lieber vertuschen als wahrhaben wollen

Es gibt keinen Domino-Effekt. Das hat Berlin, Paris und Bruxelles damals nach der Hellas-Pleite gesagt. Jetzt, nach der Irland-Pleite sagen sie es wieder - beschwörerhaft. Die Fakten sehen anders aus: Portugal Spanien haben über die Jahre einen exorbitanten Status ihrer Staatsdefizite erreicht. Sie sind die nächsten Kandidaten im grossen Sanierungstheater der EU-Zone. Bis dass der Vorhang fällt. Nur wird dann keiner mehr klatschen.




Die Vertuscher sind wieder am Werk

Quelle: standard.at
Jetzt klopfen sich die EU-Minister wieder auf die Schultern. Griechenland-Pleite? Irland-Pleite? War das was? Und Schäuble vornweg im Fernsehen: "Das ist das Ende der Probleme". Der scheint auch nicht mehr durchzublicken. 

Interessant: Die Sanierungssummen wachsen bei jeder Pleite von Meldung zu Meldung an. Die Griechenland-Rettung kostete weitaus mehr als in der Presse veröffentlicht. Bei Irland hieß es zunächst: 45 Milliarden Euro, jetzt sind wir beim doppelten Betrag angelangt, sicher noch nicht die Endsumme.

Und schon kommt der Domino-Effekt: Portugiesische Wirtschaftsfachleute erwarten nach der Rettung Irlands, dass auch Portugal um Rettung nachsuchen wird, und Wirtschaftsfachleute in Spanien rechnen damit, dass sich die Geldmärkte nach einer Sanierungsaktion für Portugal dann Spanien vorknüpfen werden.

Bei Irland und Portugal wird völlig ausgeblendet, dass beide Länder tatsächlich kurz vor dem völligen Staatsbankrott stehen, weil ihre angeblich noch beteuerte Zahlungsfähigkeit auf völlig unrealistischen, viel zu optimistischen Wachstumsraten beruht. 

Ausserdem ist die Wettbewerbsfähigkeit Portugals die schlechteste in der ganzen Eurozone. Und Merkels Vorschläge für den künftigen finanziellen Rettungsmechanismus in der Eurozone wird von den Geldanlage-Märkten überhaupt nicht goutiert.

Die Eurozone ist so verflochten, dass man gezwungen ist, auch noch ihre kleinsten Länder wie Griechenland und Irland mit viel Geld vor dem Ruin zu retten. Aber dann muß man es auch bei größeren Ländern machen, und solche gigantischen Sanierungpakete sind einfach unrealistisch, was der Geldmarkt hellsichtig sieht und nun munter dagegen spekuliert.