He, spinnt der Burkhard, uns das als Mittwochmorgen-Meldung zu präsentieren - so ne lächerliche Jogging-Strecke? Gemach, nur Geduld verehrte/ LeserIn, bis du gelesen hast, was mir dieser Lauf bedeutet hat.
Ich trainiere seit 50 Jahren, erst Mittelstrecken und jetzt in meiner AK 60 laufe ich am liebsten die 5000m, auf der Bahn im Stadion, bei Volksläufen. Vor paar Jahren - sozusagen Erinnerung an meine Jugend - wurde ich sogar noch einmal Bezirksmeister über 800m.
Ich "laufe"? Ich sollte besser sagen: ich "lief"... Denn seit 2 Jahren bekomm ich regelmässig die rote Karte gezeigt: Erst ein Adduktorenriss links, dann Oberschenkelzerrung rechts, dann fiel die eine Wade aus, dann die andere.
Nein nein, eure Ratschläge sind gut gemeint, aber sie treffen nicht zu: ich wärme mich jedesmal gut auf, ich stretche vorher und hinterher, ich mach keine jähen Antritte, Sprints oder andere muskuläre Bedenklichkeiten. Alle Zerrungen oder sind es Krämpfe? oder...? - all das kommt immer in ganz normalen Standardsituationen. Mal nach 10 min lockerem Einlaufen, mal nach fünf guten ruhigen 400m Intervallen im Stadion, es kann mir sogar - ich fass mir an den Kopf / oder richtiger: ans Bein - auf einer schönen Wanderung passieren.
Immer dasselbe Schema: schönes entspanntes Lauftraining - dann, ohne irgend einen erkennbaren äusseren Anlaß: Stich in der Wade wie mit einem Messer, der Schmerz wandert die Wade entlang, wird schlimmer, setzt sich fest. Ich weiß: ich muß aufhören, nach Hause humpeln, Eis und Ruhe.
Die Zahl der Arztbesuche ist beeindruckend: Ein Dauerthema bei meinem Hausarzt, der sich rührend um mich kümmert, Orthopäd, Chirurg, Osteopath. Und immer das gleiche bedauernde Achselzucken in den Sprechzimmern: "Tja - in der Tat rätselhaft - da kann ich auch nichts dazu sagen - das ist mir so noch nicht vorgekommen".
Mein Trainer und meine Kollegen im Lauftreff wagen schon gar nicht mehr, nach meinem Befinden zu fragen. Wobei letztes Jahr das Absurde war: WENN ich dann mal nach einer Verletzungspause wieder in Fahrt kam, waren die Ergebnisse im Training und sogar im Wettkampf immer respektabel: Die 5000m mehrmals glatt unter 25, beim Bonner Dreibrückenlauf (alle Bilder auf diesem Post sind davon) Vierter in meiner AK und noch im ersten Drittel des 500+ Gesamtfeldes = vor vielen vielen Jüngeren im Ziel, beim Nienburger Spargellauf Altersklassenerster und einer der ältesten Teilnehmer überhaupt. Mein lieber Lauffreund Hans-Ulrich tröstet mich: Also, die Energie ist doch da. Aber was nützt der beste Kreislauf, wenn die Beine nicht mitmachen.
Und in diesem Jahr halfen auch die Ruhepausen nix mehr: Nach 3 Wochen Laufstop: Wadenzerrung. Ohne groß daran zu glauben, hab ich danach eine Magnesiumkur begonnen. Nach 4 Wochen Pause erneuter Stopp beim ersten Wiedertraining - mitten auf der Strecke wegen Wadenkrämpfe. Nach 5 Wochen Pause dasselbe: es ging nichts mehr.
Da hab ich dann doch im Zorn meine schönen neuen New Balance in die Ecke gepfeffert, eine Stunde geheult und mir dann die Walkingstöcke von unserer lieben Tochter ausgeliehen. Ende der Lauf"karriere"!
Aber weil gestern abend, nach erfrischendem Regen, die Luft so schön war und die Sonne noch so lieb schien, bin ich doch an meinen eigentlich ja schon obsoleten Sportschrank gegangen, hab die New Balance nochmal aktiviert und hab meine klassische Runde im nahen Wald hier gedreht.
Der Zyniker in mir sagte natürlich dauernd: Na, wann kommt die erste Zerrung? Aber irgendwann hab ich dann auch nicht mehr drüber gegrübelt, bin die vertraute Strecke einfach weiter gelaufen, so im 6minpk Tempo, den Weg kann ich ja eigentlich blind laufen.
Und als ich diesen ganzen Verletzungsfrust ausgeblendet hatte, dachte ich auf dem letzten Kilometer plötzlich: He, du läufst ja immer noch problemlos weiter, was ist los? So kam ich tatsächlich beschwerdefrei nach Hause. Ein Wunder. Nun, 7k zerrungslos laufen zu können, das sagt noch gar nichts, das weiß ich aus langer leidvoller Erfahrung. Aber morgen probier ich´s vielleicht nochmal. Mal 10k? Against all odds, wie das schöne englische Sprichwort lautet.
Mittwoch
Dienstag
Die ökologisch "verbotenen" leckeren Bio-Brezel von Amazon sind da!
Danke, liebe ökologische FreundInnen, dass ihr meinen click-a-brezel-Test wohlwollend toleriert und mir ökologisch nicht zu krumm genommen habt. "Hast du denn keine Seele" frug mich Barbara. Und Falk-Rainer kategorisierte die Brezel gleich als "Verbotene Backwaren". Aber ich hab doch netterweise in meiner community so viel alternative Narrenfreiheit und ökologischen Kredit, dass sie meinen Amazon-liefert-Lebensmittel-Test letztlich doch wohlwollend durchgewunken hat.
Und nun die nüchternen Fakten:
Lieferzeit: 6 Tage (also nix für "mal n Brezel zur Financial Times kauen")
Preis: 3,36 Euro für 5 Brezel, das ist schön preiswert.
Der Versand kostete natürlich in diesem Falle mehr als die Ware selber, nämlich 4,95 Euro.
Zusammen also 8,31 Euro, aber auch dieser Gesamtpreis kann mit den heimischen Bäckern in meinem Wohnort durchaus konkurrieren.
Der Versender, "Amorebio", ist ein großer Bio-Versandhandel (Motto: "Frische, die ankommt", http://shop.amorebio.de/de/) und hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, ökologisch an mich zu liefern: Altpapierkarton (recycled: da war früher Demeter Vollkorn-Pizzateig im Karton drin laut Aufdruck), Altpapierschnipsel als Kartonfüllung (kein Plastikdingsbums).
Also da kann ich auf der Seite der Lieferantenfirma ökologisch nicht meckern. Aber, aber: die Bäckerei sitzt halt weit weg bei Karlsruhe, gefährlich nahe beim AKW Philippsburg (das ist nur ein makabrer Witz, dafür kann ja Amorebio nichts). An den von googlemaps kalkulierten 511 Straßenkilometern, die die Brezel vom Alten Forsthaus in Ubstadt (schöne Adresse für eines Bio-Handels) zu meinem Haus in Nienburg zurückgelegt haben, lässt sich nicht drumrumreden.
Nun gut, nachdem ich mich als Amazon-Neo-Tester betätigt habe, lass ich mir jetzt die Öko-Brezel schmecken, die wirklich lecker sind.
Und damit hier wirklich niemand die grüne Nase rümpfen kann: Ich erkläre hiermit nochmal feierlich: Aus logistischen und energetischen Gründen ist ein solcher Brezelkauf eindeutig, und ohne Wenn und Aber, ökologisch nicht empfehlenswert.
Und nun die nüchternen Fakten:
Lieferzeit: 6 Tage (also nix für "mal n Brezel zur Financial Times kauen")
Preis: 3,36 Euro für 5 Brezel, das ist schön preiswert.
Der Versand kostete natürlich in diesem Falle mehr als die Ware selber, nämlich 4,95 Euro.
Zusammen also 8,31 Euro, aber auch dieser Gesamtpreis kann mit den heimischen Bäckern in meinem Wohnort durchaus konkurrieren.
Der Versender, "Amorebio", ist ein großer Bio-Versandhandel (Motto: "Frische, die ankommt", http://shop.amorebio.de/de/) und hat sich alle erdenkliche Mühe gegeben, ökologisch an mich zu liefern: Altpapierkarton (recycled: da war früher Demeter Vollkorn-Pizzateig im Karton drin laut Aufdruck), Altpapierschnipsel als Kartonfüllung (kein Plastikdingsbums).
Also da kann ich auf der Seite der Lieferantenfirma ökologisch nicht meckern. Aber, aber: die Bäckerei sitzt halt weit weg bei Karlsruhe, gefährlich nahe beim AKW Philippsburg (das ist nur ein makabrer Witz, dafür kann ja Amorebio nichts). An den von googlemaps kalkulierten 511 Straßenkilometern, die die Brezel vom Alten Forsthaus in Ubstadt (schöne Adresse für eines Bio-Handels) zu meinem Haus in Nienburg zurückgelegt haben, lässt sich nicht drumrumreden.
Nun gut, nachdem ich mich als Amazon-Neo-Tester betätigt habe, lass ich mir jetzt die Öko-Brezel schmecken, die wirklich lecker sind.
Und damit hier wirklich niemand die grüne Nase rümpfen kann: Ich erkläre hiermit nochmal feierlich: Aus logistischen und energetischen Gründen ist ein solcher Brezelkauf eindeutig, und ohne Wenn und Aber, ökologisch nicht empfehlenswert.
Verfassungrichter schlägt Alarm gegen Euro-Rettungspaket-Wahn
Prof. Dr. Ernst-Wolfgang Böckenförde, Emeritus für öffentliches Recht und Rechtsphilosophie der Universität Freiburg i. Br., war von 1983 bis 1996 Richter am deutschen Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe.
In einem Artikel in der NZZ stellt er am 21. Juni 2010 die Konstruktionfehler der Euro-Zone dar, die eine solide disziplinierte Wirtschafspolitik aller Euro-Länder verhindern und zu den jetzigen falschen Euro-politischen Beschlüssen geführt haben.
Böckenförde fasst zusammen:
"Die schlechteste Lehre aus der Krise wäre, den gerade aus Not über Nacht eingeschlagenen Weg einer umfassenden Haftungsgemeinschaft und entsprechender Transferzusagen ohne weitere Diskussion vertragsrechtlich zu legalisieren und so auf Dauer zu stellen. Damit wäre die Chance, welche die Wirtschafts- und Verschuldungskrise Europa verschafft hat, vertan, und das Siechtum der Europäischen Union setzte sich fort. Mag sein, dass die politischen Akteure in und für Europa unter rechtlichen und politischen Druck gesetzt werden müssen, damit sie die Chance, die in der Krise liegt, ergreifen. Wenn dem so ist, sollte dies geschehen, und zwar um Europas willen."
Link zu der von Böckenförde angegriffenen EU-Veordnung
(Bild: Reuters)
In einem Artikel in der NZZ stellt er am 21. Juni 2010 die Konstruktionfehler der Euro-Zone dar, die eine solide disziplinierte Wirtschafspolitik aller Euro-Länder verhindern und zu den jetzigen falschen Euro-politischen Beschlüssen geführt haben.
Böckenförde fasst zusammen:
"Die schlechteste Lehre aus der Krise wäre, den gerade aus Not über Nacht eingeschlagenen Weg einer umfassenden Haftungsgemeinschaft und entsprechender Transferzusagen ohne weitere Diskussion vertragsrechtlich zu legalisieren und so auf Dauer zu stellen. Damit wäre die Chance, welche die Wirtschafts- und Verschuldungskrise Europa verschafft hat, vertan, und das Siechtum der Europäischen Union setzte sich fort. Mag sein, dass die politischen Akteure in und für Europa unter rechtlichen und politischen Druck gesetzt werden müssen, damit sie die Chance, die in der Krise liegt, ergreifen. Wenn dem so ist, sollte dies geschehen, und zwar um Europas willen."
Link zu der von Böckenförde angegriffenen EU-Veordnung
(Bild: Reuters)
Montag
Euro-Rettungspacket verfassungswidrig!
Eine Studie des "Centrum für Europäische Politik" (www.cep.eu) beurteilt das sog. Euro-Rettungspaket als verfassungswidrig.

Ausserdem verstösst es gegen geltendes EU-Recht. Und schließlich ist die Öffentlichkeit in wesentlichen Punkten des Pakets eindeutig getäuscht worden: ihr wurde vorgegaukelt, dass mit den 60 Milliarden Rettungssumme das Limit erreicht und das Ganze auf drei Jahre befristet sei. Beides steht aber so nicht in der Verordnung! Schliesslich hätte - eigentlich eine demokratische Selbstverständlichkeit - das Europäische Parlament zustimmen müssen, es wurde aber erst gar nicht gefragt...

Ausserdem verstösst es gegen geltendes EU-Recht. Und schließlich ist die Öffentlichkeit in wesentlichen Punkten des Pakets eindeutig getäuscht worden: ihr wurde vorgegaukelt, dass mit den 60 Milliarden Rettungssumme das Limit erreicht und das Ganze auf drei Jahre befristet sei. Beides steht aber so nicht in der Verordnung! Schliesslich hätte - eigentlich eine demokratische Selbstverständlichkeit - das Europäische Parlament zustimmen müssen, es wurde aber erst gar nicht gefragt...
So sieht offenbar "Demokratie auf EU-isch" aus. Auf die diversen Verfassungsklagen in Karlsruhe freu ich mich schon jetzt.
Bericht über die Studie bei Focus online:
http://www.focus.de/finanzen/ news/studie-eu-rettungsschirm- verstoesst-gegen-grundgesetz_ aid_526858.html
http://www.focus.de/finanzen/
Link zum Text der Studie:
Einer trage des Anderen Last
Vergangenen Samstag traf ich mich guten FreundInnen im Calenberger Land. Der Referenzpunkt unseres Gruppe ist das Christentum, wie unterschiedlich wir es auch immer begreifen. Wir wollten uns über den Spruch der letzten Woche austauschen: "Eine trage der anderen Last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen" (aus dem Brief, den Paulus in die Gegend um das heutige Ankara geschickt hat).
Helmut hat uns eine gute Einführung zu dem Text gegeben, aber bevor wir darüber diskutieren konnten, haben uns dann doch aktuelle Tagesthemen überrollt. Aber ich hatte die Gelegenheit benutzt, schon vorher zu Hause über diesen Satz nachzudenken. Früher als noch mehr geheiratet wurde, war er ein Klassiker für die Hochzeitszeremonie. Aber vielleicht steckt da mehr dahinter als nur ein Motto für den Start zu einer ungewissen Lebensreise zu zweit.
Ich arbeite also meinen Fragenkatalog ab:
Was ist das "Gesetz Christi"? "Gesetz"? Von dem, der uns doch von allen Konventionen, Vorurteilen und Denkschablonen befreien will? Ich komme ins Grübeln, aber selber fällt mir dazu nichts mehr ein. Ich erinnere mich aber eines Textes meines hochverehrten akademischen Lehrers Paul Tillich in dem er der Frage nachgeht: Von welcher Last will uns Christus befreien und warum kann er sagen "Meine (= eigene, d.h. Christi) Last ist leicht"? (Matthäus-Evangelium 11, 28-30).
Tillichs Rede (dokumentiert in: P.Tillich "In der Tiefe ist Wahrheit", Stuttgart 1952) gipfelt in der eindrucksvollen Einladung (nachfolgend sinngemäss zitiert): "Von uns Mühseligen und Beladenen wird nichts verlangt, keine Gottesvorstellung, nicht. dass wir gut sind, nicht, dass wir moralisch sind, nicht, dass wir weise sind, nicht , dass wir religiös sind, nicht dass wir Christen sind". Ein steiler Satz, den EKD-Bürokraten und LKA-Oberkirchenräte vielleicht nicht gerne hören. Was von uns verlangt wird, so fährt Tillich fort, ist einzig, dass wir das Geschenk Christi annehmen, das im "Neuen Sein" (die zentrale Dimension in Tillichs Denken), in seinem Leben anschaubar wird: Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit.
Aber ich frage weiter: Was heißt "erfüllen"? Zu Ende bringen? Sicherlich doch nicht - vgl. Tillich - im Sinne eines Leistungsnachweises. Und wer ist "die Andere"? Wohl die, mit der ich unmittelbar zu tun habe. Und: Wie kann ich "tragen"? Richtige Lasten, wie einen schweren Sack, kann ich versuchen, mit Engagement jemandem abnehmen. Ich kann auch im Bahnhof jemand mal n Koffer schleppen. Aber wie steht´s mit der Entlastung bei seelischen Problemen? Ich kann ja doch nie exakt die andere werden, auch wenn ich sie entlasten will. Ihr Beziehungsproblem, seine Arbeitslosigkeit, die Krebserkrankung meines Nachbarn - all das kann ich ja nicht übernehmen mit einem lockeren "Na gib doch her, das schultere ich mal für dich". Also, bei solchen seelischen, geistigen Lebenslasten ist wohl mehr gefragt als nur breite Schultern und gute Bizeps. Ich denke, da braucht es: Mit-Leid, Empathie, Solidarität.
Gerade das letzte dieser drei Worte kommt im Neuen Testament nicht vor. Kein, für dieses Wort im strengen präzisen Sinne war in der griechischen und jüdischen Welt damals kein Raum. Natürlich gab es dort gegenseitige Hilfe und Unterstützung, aber - versteht sich: nur von Römer zu Römer und Grieche zu Grieche. Das Christentum hat gegenüber der römischen und griechischen Antike dann den entscheidenden weiteren Schritt gemacht: Solidarität nicht nur zu Leuten der eigenen Kultur, sondern zu allen Menschen.
Und Jesus hat bemerkenswerte Beispiele gegeben, die über das Utilitarismus-Prinzip hinausgehen: Wenn jemand dich bittet, dass du eine Meile mit ihm gehen willst: geh gleich zwei mit ihm. Wenn jemand vor dir deinen Rock haben will, gib ihm gleich den Mantel dazu. Eine großartige Perspektive: Kein enger Krämergeist, der ängstlich darauf bedacht ist, dass ich auch schleunigst und absolut sicher meine verliehenen 10 euro pünktlich morgen um 10h wieder bekomme. Statt dessen: Freigebigkeit, großzügiges Denken, ein offenes wohlwollendes Herz jenseits alles engen Kalkulierens und ängstlichen gegenseitigen Aufrechnens.
Vielleicht haben sich unsere französischen Revolutionsvorfahren auch deshalb gerade diesen Dreiklang auf ihre Trikolore geschrieben:

Liberté
Egalité
Fraternité
Und fraternité kann man problemlos mit dem etwas modernen solidarité ersetzen.
Ich merke: In dem kleinen Paulus-Satz steckt schöne Dynamik drin.
Helmut hat uns eine gute Einführung zu dem Text gegeben, aber bevor wir darüber diskutieren konnten, haben uns dann doch aktuelle Tagesthemen überrollt. Aber ich hatte die Gelegenheit benutzt, schon vorher zu Hause über diesen Satz nachzudenken. Früher als noch mehr geheiratet wurde, war er ein Klassiker für die Hochzeitszeremonie. Aber vielleicht steckt da mehr dahinter als nur ein Motto für den Start zu einer ungewissen Lebensreise zu zweit.
Ich arbeite also meinen Fragenkatalog ab:
Was ist das "Gesetz Christi"? "Gesetz"? Von dem, der uns doch von allen Konventionen, Vorurteilen und Denkschablonen befreien will? Ich komme ins Grübeln, aber selber fällt mir dazu nichts mehr ein. Ich erinnere mich aber eines Textes meines hochverehrten akademischen Lehrers Paul Tillich in dem er der Frage nachgeht: Von welcher Last will uns Christus befreien und warum kann er sagen "Meine (= eigene, d.h. Christi) Last ist leicht"? (Matthäus-Evangelium 11, 28-30).
Tillichs Rede (dokumentiert in: P.Tillich "In der Tiefe ist Wahrheit", Stuttgart 1952) gipfelt in der eindrucksvollen Einladung (nachfolgend sinngemäss zitiert): "Von uns Mühseligen und Beladenen wird nichts verlangt, keine Gottesvorstellung, nicht. dass wir gut sind, nicht, dass wir moralisch sind, nicht, dass wir weise sind, nicht , dass wir religiös sind, nicht dass wir Christen sind". Ein steiler Satz, den EKD-Bürokraten und LKA-Oberkirchenräte vielleicht nicht gerne hören. Was von uns verlangt wird, so fährt Tillich fort, ist einzig, dass wir das Geschenk Christi annehmen, das im "Neuen Sein" (die zentrale Dimension in Tillichs Denken), in seinem Leben anschaubar wird: Liebe, Gerechtigkeit und Wahrheit.
Aber ich frage weiter: Was heißt "erfüllen"? Zu Ende bringen? Sicherlich doch nicht - vgl. Tillich - im Sinne eines Leistungsnachweises. Und wer ist "die Andere"? Wohl die, mit der ich unmittelbar zu tun habe. Und: Wie kann ich "tragen"? Richtige Lasten, wie einen schweren Sack, kann ich versuchen, mit Engagement jemandem abnehmen. Ich kann auch im Bahnhof jemand mal n Koffer schleppen. Aber wie steht´s mit der Entlastung bei seelischen Problemen? Ich kann ja doch nie exakt die andere werden, auch wenn ich sie entlasten will. Ihr Beziehungsproblem, seine Arbeitslosigkeit, die Krebserkrankung meines Nachbarn - all das kann ich ja nicht übernehmen mit einem lockeren "Na gib doch her, das schultere ich mal für dich". Also, bei solchen seelischen, geistigen Lebenslasten ist wohl mehr gefragt als nur breite Schultern und gute Bizeps. Ich denke, da braucht es: Mit-Leid, Empathie, Solidarität.
Gerade das letzte dieser drei Worte kommt im Neuen Testament nicht vor. Kein, für dieses Wort im strengen präzisen Sinne war in der griechischen und jüdischen Welt damals kein Raum. Natürlich gab es dort gegenseitige Hilfe und Unterstützung, aber - versteht sich: nur von Römer zu Römer und Grieche zu Grieche. Das Christentum hat gegenüber der römischen und griechischen Antike dann den entscheidenden weiteren Schritt gemacht: Solidarität nicht nur zu Leuten der eigenen Kultur, sondern zu allen Menschen.
Und Jesus hat bemerkenswerte Beispiele gegeben, die über das Utilitarismus-Prinzip hinausgehen: Wenn jemand dich bittet, dass du eine Meile mit ihm gehen willst: geh gleich zwei mit ihm. Wenn jemand vor dir deinen Rock haben will, gib ihm gleich den Mantel dazu. Eine großartige Perspektive: Kein enger Krämergeist, der ängstlich darauf bedacht ist, dass ich auch schleunigst und absolut sicher meine verliehenen 10 euro pünktlich morgen um 10h wieder bekomme. Statt dessen: Freigebigkeit, großzügiges Denken, ein offenes wohlwollendes Herz jenseits alles engen Kalkulierens und ängstlichen gegenseitigen Aufrechnens.
Vielleicht haben sich unsere französischen Revolutionsvorfahren auch deshalb gerade diesen Dreiklang auf ihre Trikolore geschrieben:

Liberté
Egalité
Fraternité
Und fraternité kann man problemlos mit dem etwas modernen solidarité ersetzen.
Ich merke: In dem kleinen Paulus-Satz steckt schöne Dynamik drin.
(Quelle für das 2. o.a. Bild: www.jugendkorbinian.de)
Samstag
Gitarren Soiree
Samstagmorgen. Wochenende! Klingt zwar für einen Freiberufler nicht ganz so dramatisch-positiv wie für alle, die strikt Montag bis Freitag malochen müssen, aber dennoch eine gute Gelegenheit etwas inne zu halten. Die Bundeskanzlerin gönnt sich ja auch eine Auszeit, die allerdings rund 10.000 Euro Steuergelder kostet. Da mach ich´s lieber preiswerter, greif im Nulltarif zu meiner Gitarre und lass die düsteren morning news der FTD ("Wall Street taumelt ins Wochenende") erst mal beiseite: "Schwache Daten vom US-Arbeitsmarkt, ein enttäuschender Auftragseingang der Industrie: Anleger ahnen, dass sich das Tempo des Aufschwungs nicht mehr halten lässt - Nervosität bestimmt den Handel."

In zwei Wochen mach ich in Goslar eine kleine Gitarren-performance unter FreundInnen. Also ist Üben angesagt. Ich werd´s mir aber nicht unnötig schwer machen, sondern evergreens aus meinem Repertoire wählen. Bin ja sowieso nur Amateur auf basic level und spiel deshalb auch nur "halb-öffentlich" vor fehlerverzeihenden LiebhaberInnen der überschaubaren "Kammer"-Musik (nomen est omen).
Hier ist der Ankündigungszettel:
__________________________________________________________
Appetizers:
Catalonian Folk Song
Fernando Sor (1778-1839) Op. 31, No 1 Andante
A Thought of Pujol
***
John Dowland (1562 - 1626) What If a Day or Month or Year
John Dowland Melody
Francis Cutting (1550 - 1595) Bockington´s Pound
***
Anonymous Menuet
Matteo Carcassi (1792 - 1853) Allegretto
Henry Purcell (1659 - 1695) Menuet
Carcassi Op. 18 Air Montagnard - Theme and Variations
G.F. Telemann (1681 - 1767) "Les Plaisirs"
(from Suite a-flat, arranged for guitar by BL)
Fernando Sor Op. 60, No 5
***
Catalonian Folk Song
Fernando Sor (1778-1839) Op. 31, No 1 Andante
A Thought of Pujol
***
John Dowland (1562 - 1626) What If a Day or Month or Year
John Dowland Melody
Francis Cutting (1550 - 1595) Bockington´s Pound
***
Anonymous Menuet
Matteo Carcassi (1792 - 1853) Allegretto
Henry Purcell (1659 - 1695) Menuet
Carcassi Op. 18 Air Montagnard - Theme and Variations
G.F. Telemann (1681 - 1767) "Les Plaisirs"
(from Suite a-flat, arranged for guitar by BL)
Fernando Sor Op. 60, No 5
***
Finale Espagnola
Isaac Albeniz (1860 - 1909) Op. 47, No 5 Asturias
Isaac Albeniz (1860 - 1909) Op. 47, No 5 Asturias
________________________________________________________________________
Ich spiele auf einer Alhambra Modell 2 Cedar und freu mich auf den Abend.
Die Appetizers kann frau/man über
https://docs.google.com/leaf?id=0B4laHurOfpteMTQ3N2M0NmQtOWMwZS00YjhhLThhNzctYTBjMWNlNmQ1NDMy&hl=de&authkey=COuJ7fEM
hören, aber nur, wenn keine Studioqualität erwartet wird. Ich hab einfach meinen ipod auf den Notenständer gelegt.... Und mich auch beim Tempo erstmal zurückgehalten. Sind ja noch 14 Tage hin.
Wer Schwierigkeiten mit dem m4a Format der Datei hat, hier ist ein converter ins bekanntere mp3 Format: http://www.heise.de/software/ download/free_m4a_to_mp3_ converter/51691
Die Appetizers kann frau/man über
https://docs.google.com/leaf?id=0B4laHurOfpteMTQ3N2M0NmQtOWMwZS00YjhhLThhNzctYTBjMWNlNmQ1NDMy&hl=de&authkey=COuJ7fEM
hören, aber nur, wenn keine Studioqualität erwartet wird. Ich hab einfach meinen ipod auf den Notenständer gelegt.... Und mich auch beim Tempo erstmal zurückgehalten. Sind ja noch 14 Tage hin.
Wer Schwierigkeiten mit dem m4a Format der Datei hat, hier ist ein converter ins bekanntere mp3 Format: http://www.heise.de/software/
Freitag
Amazon bringt dir jetzt auch deine Brezel
Ökologisch-logistisch sicherlich höchst bedenklich, aber seit gestern mischt Amazon nicht nur den Bücher-, Musik- und Elektronik-Markt auf, sondern lehrt auch der Nahrungsmittelbranche das Fürchten.
(http://www.ftd.de/unternehmen/ handel-dienstleister/: erweiterte-produktpalette- amazon-wird- lebensmittelhaendler/50137327. htm)
Auch Bio- und Fairtrade-Produkte und Weine sind natürlich auf der neuen Lebensmittel-Palette von Amazon, die 35.000 verschiedene Produkte umfasst. Das ist die grösste Auswahl an Lebensmittel in Deutschland online.
Dass nun wieder mal Millionen von Gütern, die es auch in der Region gibt, quer durch die Republik transportiert werden, ist zweifellos energetisch kritisch.
Andererseits erscheint die Hitze der Diskussionen mancherorts, ob man (zB Edeka-)Lebensmittelmärkte wegen des lokalen Einzelhandel verbieten soll, wie sie gerade auch an meinem Wohnort geführt wird, nun doch reichlich überzogen.
Ich werd bei Amazon, wie schon immer, auch jetzt nur Sachen kaufen, die mir meine Region partout nicht bereitstellen kann (zB billige 2nd hand-Bücher), aber heute morgen konnte ich der Versuchung eines Tests doch nicht widerstehen und hab als gebürtiger Schwabe ein paar Bio-Laugenbrezel bei Amazon bestellt. Bin schon jetzt gespannt, wie die bei mir eintreffen.
So oder so - da kommt was auf uns zu.
(http://www.ftd.de/unternehmen/
Auch Bio- und Fairtrade-Produkte und Weine sind natürlich auf der neuen Lebensmittel-Palette von Amazon, die 35.000 verschiedene Produkte umfasst. Das ist die grösste Auswahl an Lebensmittel in Deutschland online.
Dass nun wieder mal Millionen von Gütern, die es auch in der Region gibt, quer durch die Republik transportiert werden, ist zweifellos energetisch kritisch.
Andererseits erscheint die Hitze der Diskussionen mancherorts, ob man (zB Edeka-)Lebensmittelmärkte wegen des lokalen Einzelhandel verbieten soll, wie sie gerade auch an meinem Wohnort geführt wird, nun doch reichlich überzogen.
Ich werd bei Amazon, wie schon immer, auch jetzt nur Sachen kaufen, die mir meine Region partout nicht bereitstellen kann (zB billige 2nd hand-Bücher), aber heute morgen konnte ich der Versuchung eines Tests doch nicht widerstehen und hab als gebürtiger Schwabe ein paar Bio-Laugenbrezel bei Amazon bestellt. Bin schon jetzt gespannt, wie die bei mir eintreffen.
So oder so - da kommt was auf uns zu.
Donnerstag
Was geht uns das Schicksal eines verkorksten Entwicklungslandes an?
Starker Tobak, so ein Satz, oder? Sind da verfassungsfeindliche Umtriebe im Gange? Aber nein, so steht er, leicht anders formuliert, in der heutigen Ausgabe der FTD vom 1. Juli, auf S. 24. Und er ist auch nicht das Ergebnis von Wichtigtuerei einer FTD-Kommentarin.
Nein, Ines Zöttl, reformuliert nur das, was unlängst immerhin der neue britische Militärminister Liam Fox endlich so klar aussprach: "Wir sind nicht zum Wohle einer Bildungspolitik in einem bankrotten Land aus dem 13. Jahrhundert in Afghanistan".
Wohl wahr und nun steht das Ende dieses unsinnigen militärischen Abenteuers endlich bevor. Spät zwar, aber immerhin. Ines Zöttl bringt die Niederlage der Nato in ihrem meisterhaften Kurzessay präzisest auf den Punkt:
Weitere Hintergrundanalysen auf:
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57848
Quelle der Landkarte: tagesschau.de
Nein, Ines Zöttl, reformuliert nur das, was unlängst immerhin der neue britische Militärminister Liam Fox endlich so klar aussprach: "Wir sind nicht zum Wohle einer Bildungspolitik in einem bankrotten Land aus dem 13. Jahrhundert in Afghanistan".
Wohl wahr und nun steht das Ende dieses unsinnigen militärischen Abenteuers endlich bevor. Spät zwar, aber immerhin. Ines Zöttl bringt die Niederlage der Nato in ihrem meisterhaften Kurzessay präzisest auf den Punkt:
- Wachsende Frustration in den USA
- Der US-Kommandant wird gechasst weil er keine Erfolge hat
- Die Mardscha-Offensive der US: ein völliger Fehlschlag
- Die Zahl der Toten steigt unaufhaltsam
- Der Nato-Konsens, der Afghanistan-Einsatz sei sinnvoll, ist dahin
- immer mehr Länder verdünnen sich: Niederlande, Polen vielleicht?, Kanada nächstes Jahr, wer weiß wie lange UK noch bleibt (werden die Deutschen mal wieder die letzten US-Getreuen sein? BL)
- Es gibt keine überzeugende Begründung für den Krieg = die Idee, in Afghanistan eine demokratische moderne Gesellschaft aufbauen zu können hat sich längst als obsolet erwiesen
- Karsai bereitet sich nur noch auf den US-Abzugstermin in einem Jahr vor, setzt nicht mehr auf die US-Truppen, die dann weg sein werden, sondern verhandelt lieber jetzt schon mit den Taliban, die dann aus ihren Verstecken kommen und die Macht übernehmen werden
Weitere Hintergrundanalysen auf:
http://www.german-foreign-policy.com/de/fulltext/57848
Quelle der Landkarte: tagesschau.de
Christian Wulff, Schach und Shakespeare
Guten Morgen, Herr Bundespräsident - Glückauf Christian!
Jetzt bist du da, wo du hinwolltest. Oder besser gesagt: hinsolltest? = nach dem Wunsch deiner Parteifreundin, die dich nun nicht mehr als Konkurrenten fürchten muß.
Deine Inthronisation war ja nicht so ganz glücklich, also bleib bescheiden. Schon der große Dramaturg aus Stratford wußte: Die Krone ist nur ein hohler Reifen. Und in Deutschland haben wir die Kronen sowieso schon lange abgeschafft, exakt 100 Jahre, wenn du am Ende deiner zweiten Amtszeit sein wirst (du siehst, ich trau dir durchaus was zu).
Aber Shakespeare hatte recht, und ich kann dir das von meiner online Schachpartie bestätigen, die ich gestern während deiner Wahl gespielt habe: Mein Gegenüber hatte schon zwei hübschgekrönte Damen um sich
vereint, und ich selber wollte gerade meine eigene Krone abgeben. Aber pardauz, da hatte mein Gegner doch glatt ein Remis-Patt übersehen. Da saß er nun inmitten seiner drei goldnen Kronen, die ihm nun auch nix mehr genützt haben.
Also: Sei nicht zu übermütig. Mach dich an deine Denkfabrik in Bellevue, aber vergiss auch nicht: Dein Volk kann auch denken, nicht nur du. Wir denken zum Beispiel mehrheitlich ganz entschieden: Deutschland raus aus Afghanistan! Nein, das mußt du auf deinem Fest morgen noch nicht sagen. Die Wahrheiten spart man sich für später auf. Aber behalt sie im Auge. Und rezitier ab und zu beim Schlafengehen den großen Weltdramatiker:
Within the hollow crown
That rounds the mortal temples of a king
Keeps Death his court and there the antic sits,
Scoffing his state and grinning at his pomp,
Allowing him a breath, a little scene,
To monarchize, be fear'd and kill with looks,
Infusing him with self and vain conceit,
As if this flesh which walls about our life,
Were brass impregnable, and humour'd thus
Comes at the last and with a little pin
Bores through his castle wall, and farewell king!
Also Christian, du bist gewarnt vor dem trüben Glanz der Macht. Als Vorsitzender von einem kleinen Verein sag ich dir aus Erfahrung: Die Luft wird nach oben hin immer dünner, und wenn´s "unten" Probleme gibt, merkst du schnell, wie einsam du "oben" bist. Dennoch: Meinen Glückwunsch und gutes Gelingen!
Jetzt bist du da, wo du hinwolltest. Oder besser gesagt: hinsolltest? = nach dem Wunsch deiner Parteifreundin, die dich nun nicht mehr als Konkurrenten fürchten muß.
Deine Inthronisation war ja nicht so ganz glücklich, also bleib bescheiden. Schon der große Dramaturg aus Stratford wußte: Die Krone ist nur ein hohler Reifen. Und in Deutschland haben wir die Kronen sowieso schon lange abgeschafft, exakt 100 Jahre, wenn du am Ende deiner zweiten Amtszeit sein wirst (du siehst, ich trau dir durchaus was zu).
Aber Shakespeare hatte recht, und ich kann dir das von meiner online Schachpartie bestätigen, die ich gestern während deiner Wahl gespielt habe: Mein Gegenüber hatte schon zwei hübschgekrönte Damen um sich
Also: Sei nicht zu übermütig. Mach dich an deine Denkfabrik in Bellevue, aber vergiss auch nicht: Dein Volk kann auch denken, nicht nur du. Wir denken zum Beispiel mehrheitlich ganz entschieden: Deutschland raus aus Afghanistan! Nein, das mußt du auf deinem Fest morgen noch nicht sagen. Die Wahrheiten spart man sich für später auf. Aber behalt sie im Auge. Und rezitier ab und zu beim Schlafengehen den großen Weltdramatiker:
Within the hollow crown
That rounds the mortal temples of a king
Keeps Death his court and there the antic sits,
Scoffing his state and grinning at his pomp,
Allowing him a breath, a little scene,
To monarchize, be fear'd and kill with looks,
Infusing him with self and vain conceit,
As if this flesh which walls about our life,
Were brass impregnable, and humour'd thus
Comes at the last and with a little pin
Bores through his castle wall, and farewell king!
Also Christian, du bist gewarnt vor dem trüben Glanz der Macht. Als Vorsitzender von einem kleinen Verein sag ich dir aus Erfahrung: Die Luft wird nach oben hin immer dünner, und wenn´s "unten" Probleme gibt, merkst du schnell, wie einsam du "oben" bist. Dennoch: Meinen Glückwunsch und gutes Gelingen!
Dienstag
Sachwerte? Ja, bitte!
Unser kluger Finanzminister hat uns empfohlen "in Sachwerte" zu investieren. Ob er selber schon nicht mehr an seine Sparpolitik glaubt? Als ich mir vor einiger Zeit einen neuen Lenovo ThinkPad gekauft habe, auf dem ich für diesen Blog schreibe, hab ich solche Überlegungen noch nicht angestellt. Damals war Hellas noch ein traditioneller Begriff eindrucksvoller Reisebüro-Hochglanzbroschüren.
Richtig hellhörig wurde ich erst, als neulich beim Kegeln ein Banker in vorgerückter Stunde beim Bier uns bedeutungsvoll in die Augen sah: "Die Krise ist noch lange nicht vorüber, wer weiß wie lange es den Euro noch gibt, ihr müsst schleunigst in Sachwerte investieren". Der Satz kam mir bekannt vor.
Unsereins hat natürlich wenig Möglichkeiten, um dieser Empfehlung nachzukommen. Aber wir haben wenigstens zwei Fenster energetischer gemacht. Doch der Clou ist: Unser neues Solarnummernschild:
Zwei geschlagene Tage mussten wir uns nach dem Einkauf in Geduld üben. "Die Akkus müssen sich erst richtig aufladen", klärte uns die kompetente Verkäuferin bei Obi auf. Aber Sonntagabend, rechtzeitig nach dem WM-Spiel, konnten wir dieses kleine Wunderwerk bestaunen. Wenn Schäuble schon die PV-Förderung gedeckelt hat, hier sind wir wenigstens en miniatur solar dabei. Und keine/r unser FreundInnen kann sich jetzt rausreden, er habe unsern Eingang nicht gefunden.
Sonntag
Sonntagfrüh: Keine Politik, aber geniale Schachpartie
Meine bislang genialiste online Schachpartie. Es ist ja schon im live chess eine - schöne - Ausnahme, wenn man erfolgreich einen Springer opfert. Aber wenn man - wie in dieser Partie - online und unter Zeitdruck dann noch einmal einen Turm (!) opfert, um ein Mattnetz zu knüpfen, und wenn dieser Plan, den man sich natürlich nie und nimmer vorher exakt ausrechnen kann, aufgeht - das ist einfach fantastisch. Wie sagte mein großer Schachlehrer Siegbert Tarrasch immer: "So etwas muß man sehen". Voila.
Burkhard spielt simultan in einem Nienburger Stadtteilhaus
Burkhard spielt simultan in einem Nienburger Stadtteilhaus
Samstag
Jedes Land hat den Außenminister, den es verdient
Spott aus der Berliner außenpolitischen Expertenrunde:
"Westerwelle? Der hat nichts gegen das Ausland. Er interessiert sich nur nicht dafür."
(Zitat aus SZ 26.6.10, S.8 / Bildquelle unten: Auswärtiges Amt)
Wunderbar: Ein General der endlich den Krieg verliert!
Die Aufstockung des amerikanischen Militärs in Afghanistan hat nichts geholfen. Die Taliban warten ab, bis die US nächstes Jahr endlich abziehen. Obamas Idee, davor noch schnell im Süden militärisch Remedour zu schaffen, ist gescheitert: noch nie starben so viele GIs in Afghanistan wie jetzt. Nun hat sich der diensthabende General auch noch selber mit einem aggressiven verbalen Rundumschlag gegen alle verantwortlichen amerikanischen PolitikerInnen desavouiert und musste geschasst werden. (Warum? Hier clicken und weiterlesen). Anscheinend konnte er die Selbstverständlichkeit des Primats der Politik gegenüber dem Militär nicht länger ertragen.
Donnerstag
Zitat am Donnerstag: The Euro: "It´s a bad idea. It won´t last"
"Die europäische Schuldenblase wird weiter aufgeblasen, und es steigt die Gefahr, dass diese Blase eines Tages mit einem noch viel größeren Knall zerplatzt, als er durch einen Konkurs Griechenlands hervorgerufen wäre", kritisiert Hans-Werner Sinn (Chef des Münchner Wirtschaftsforschungsinstituts Ifo).
Er ist überzeugt: Allein die Furcht vor einem Bankrott und hohen Zinsen kann die Schuldenstaaten disziplinieren. Dieses Instrumen habe Europa mit seiner Nothilfe aus der Hand gegeben. Folgt man dieser Sicht, ist es um die Zukunft des Euro schlecht bestellt. Rüdiger Dornbusch, der 2002 verstorbene Ökonom, brachte das auf eine griffge Formel: "It can´t happen. It´s a bad idea. It won´t last."
(SZ 23.6.10, S.20)
Er ist überzeugt: Allein die Furcht vor einem Bankrott und hohen Zinsen kann die Schuldenstaaten disziplinieren. Dieses Instrumen habe Europa mit seiner Nothilfe aus der Hand gegeben. Folgt man dieser Sicht, ist es um die Zukunft des Euro schlecht bestellt. Rüdiger Dornbusch, der 2002 verstorbene Ökonom, brachte das auf eine griffge Formel: "It can´t happen. It´s a bad idea. It won´t last."
Montag
Endlich muß auch das Militär abspecken
Trotz der Tragikkomödie im PolitikerInnen-Stadl in Berlin beginnt die neue Woche mit einer guten Nachricht:
Ich traue meinen Augen kaum, als ich in meiner Lokalzeitung lese "U-Boote werden stillgelegt". Abrüstung in Deutschland? Ein lange gehegter Traum der Friedensbewegung soll - 30 Jahre später - jetzt in Erfüllung gehen?
In der Tat: Was AbrüstungsanalytikerInnen (wie ich) immer wieder als längst überfällig betrachtet haben, aber nie Gehör dafür fanden, der Sparkurs unseres flotten Militärministers macht es jetzt auf einmal sofort möglich: Mit kurzem Federstrich fallen von heut auf morgen 60% der deutschen U-Boote aus.
Zwar haben sich viele Menschen schon immer gefragt, welchen Beitrag diese Marine-Fossile für die Sicherheit unseres Landes eigentlich überhaupt abwerfen, aber wehe wenn ein Militärkritiker diese heiligen Kühe infrage stellte. Nun müssen - wie schrecklich - die Marinefans auf der Kieler Woche auf den Blick zum U 24 verzichten. Und Deutschland rutscht bei der U-Boot-Statistik auf den blamablen nur noch 6. Rang ab, noch hinter dem bankrotten Griechenland - eine absolute Tragödie.
Es wäre schön, wenn das erst der Anfang einer noch viel umfassenderen Entmilitarisierung in unserem Land ist. Ich bin sicher: Wenn man nur mit genügend Abrüstungsfantasie die deutschen Militärbestände durchforstet, wird man außer den - wie man jetzt sieht: - militärstrategisch völlig obsoleten U-Booten noch allerhand andere militärische Überflüssigkeiten entdecken, die wir schon lange militärisch sinnlos mit uns rumschleppen.
Wie wär´s zum Beispiel mit den Leo-Panzern? Fast 400 von denen fahren da ja Jahr für Jahr in unserem Land herum, verbrauchen teuren Sprit, verballern teure Munition und halten arme deutsche Landser bei der Ausbildung in Atem. Und niemand stellt da mal die Sinnfrage.
Es ist aber doch nicht einzusehen, dass auf der einen Seite unser Sozialstaat demontiert wird und auf der anderen Seite unser Militär bisher noch bei jeder Spardiskussion verschont geblieben ist. Aber unter dem Kommando des Barons kommt da vielleicht jetzt frischer Wind auf, und die Marine geht schon mal bei der Abrüstung mit gutem Beispiel voran. Glückwunsch! Weiter so!
Hier die Nachricht:
Deutsche Marine legt sechs U-Boote sofort still
Ich traue meinen Augen kaum, als ich in meiner Lokalzeitung lese "U-Boote werden stillgelegt". Abrüstung in Deutschland? Ein lange gehegter Traum der Friedensbewegung soll - 30 Jahre später - jetzt in Erfüllung gehen?
In der Tat: Was AbrüstungsanalytikerInnen (wie ich) immer wieder als längst überfällig betrachtet haben, aber nie Gehör dafür fanden, der Sparkurs unseres flotten Militärministers macht es jetzt auf einmal sofort möglich: Mit kurzem Federstrich fallen von heut auf morgen 60% der deutschen U-Boote aus.
Zwar haben sich viele Menschen schon immer gefragt, welchen Beitrag diese Marine-Fossile für die Sicherheit unseres Landes eigentlich überhaupt abwerfen, aber wehe wenn ein Militärkritiker diese heiligen Kühe infrage stellte. Nun müssen - wie schrecklich - die Marinefans auf der Kieler Woche auf den Blick zum U 24 verzichten. Und Deutschland rutscht bei der U-Boot-Statistik auf den blamablen nur noch 6. Rang ab, noch hinter dem bankrotten Griechenland - eine absolute Tragödie.
Es wäre schön, wenn das erst der Anfang einer noch viel umfassenderen Entmilitarisierung in unserem Land ist. Ich bin sicher: Wenn man nur mit genügend Abrüstungsfantasie die deutschen Militärbestände durchforstet, wird man außer den - wie man jetzt sieht: - militärstrategisch völlig obsoleten U-Booten noch allerhand andere militärische Überflüssigkeiten entdecken, die wir schon lange militärisch sinnlos mit uns rumschleppen.
Wie wär´s zum Beispiel mit den Leo-Panzern? Fast 400 von denen fahren da ja Jahr für Jahr in unserem Land herum, verbrauchen teuren Sprit, verballern teure Munition und halten arme deutsche Landser bei der Ausbildung in Atem. Und niemand stellt da mal die Sinnfrage.
Es ist aber doch nicht einzusehen, dass auf der einen Seite unser Sozialstaat demontiert wird und auf der anderen Seite unser Militär bisher noch bei jeder Spardiskussion verschont geblieben ist. Aber unter dem Kommando des Barons kommt da vielleicht jetzt frischer Wind auf, und die Marine geht schon mal bei der Abrüstung mit gutem Beispiel voran. Glückwunsch! Weiter so!
Hier die Nachricht:
Deutsche Marine legt sechs U-Boote sofort still
von deutscher-marinebund @ 04.06.2010 – 10:15:50
Der Umbruch der Bundeswehr wird auch für die Marine immer tiefere Einschnitte mit sich bringen. Einen ersten Vorgeschmack bekamen gestern die U-Bootfahrer in Eckernförde.
Mit sofortiger Wirkung wurden dort sechs der zehn stationierten U-Boote aus dem Fahrbetrieb der Flotte genommen. Dabei handelt es sich um U-Boote der Klasse 206A, deren Einsatz eigentlich bis 2016 geplant war. Erst am Freitag hatte Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg die Weisung für eine vorgezogene Außerdienststellung unterzeichnet. Danach sollten die sechs Boote bis Anfang nächsten Jahres stillgelegt werden. Dieser Schritt wurde jetzt noch einmal vorgezogen. „Die U-Boote werden mit sofortiger Wirkung aus der Fahrbereitschaft genommen“, bestätigte ein Sprecher des Flottenkommandos in Glücksburg. Die Besatzungen werden jetzt auf die vier verbleibenden Boote aufgeteilt. Für den Einsatzplan der Flotte hat dies ebenfalls drastische Auswirkungen. Die Teilnahme der sechs Boote bei der Ausbildungsunterstützung (FOST und GOST) in England, der Operation Active Endeavour im Mittelmeer sowie den Manövern US-Baltops und Northern Coast wird auch kurzfristig wieder zurückgezogen. Auch der Besuch des U-Bootes "U 24" bei der Kieler Woche 2010 wurde kurzfristig gestrichen.
Die gestern stillgelegten Boote „U15“, „U16“, „U 17“, „U 18“, „U 23“ und „U 24“ wurden 1973 bis 1975 bei HDW und den Nordseewerken gebaut und 1987 bis 1992 aufwendig modernisiert. Sie bleiben vorerst noch in ihrem Stützpunkt Eckernförde und werden dort auf die Verlegung nach Wilhelmshaven vorbereitet, wo sie schließlich außer Dienst gestellt werden.

U23 in Fahrt. Foto: Frank Behling
Die Marine muss jetzt alle U-Bootaufgaben mit den vier neuen Booten „U 31“, „U 32“, „U 33“ und „U 34“ der Klasse 212A bewältigen. Durch die Stilllegung der sechs Boote rutscht Deutschland mit den vier aktiven Booten beim Nationenranking mit nichtnuklearen U-Booten in Europa hinter Türkei (14) Griechenland (8), Italien (6), Norwegen (6) und Schweden (5) vorübergehend auf den sechsten Platz - zusammen mit den Niederlanden.
Quelle: FB, Frank Behling, Kieler Nachrichten
Link: http://deutscher-marinebund.blog.de/2010/06/04/deutsche-marine-legt-sechs-u-boote-sofort-stil-8732370/
Mit sofortiger Wirkung wurden dort sechs der zehn stationierten U-Boote aus dem Fahrbetrieb der Flotte genommen. Dabei handelt es sich um U-Boote der Klasse 206A, deren Einsatz eigentlich bis 2016 geplant war. Erst am Freitag hatte Verteidigungsminister Karl Theodor zu Guttenberg die Weisung für eine vorgezogene Außerdienststellung unterzeichnet. Danach sollten die sechs Boote bis Anfang nächsten Jahres stillgelegt werden. Dieser Schritt wurde jetzt noch einmal vorgezogen. „Die U-Boote werden mit sofortiger Wirkung aus der Fahrbereitschaft genommen“, bestätigte ein Sprecher des Flottenkommandos in Glücksburg. Die Besatzungen werden jetzt auf die vier verbleibenden Boote aufgeteilt. Für den Einsatzplan der Flotte hat dies ebenfalls drastische Auswirkungen. Die Teilnahme der sechs Boote bei der Ausbildungsunterstützung (FOST und GOST) in England, der Operation Active Endeavour im Mittelmeer sowie den Manövern US-Baltops und Northern Coast wird auch kurzfristig wieder zurückgezogen. Auch der Besuch des U-Bootes "U 24" bei der Kieler Woche 2010 wurde kurzfristig gestrichen.
Die gestern stillgelegten Boote „U15“, „U16“, „U 17“, „U 18“, „U 23“ und „U 24“ wurden 1973 bis 1975 bei HDW und den Nordseewerken gebaut und 1987 bis 1992 aufwendig modernisiert. Sie bleiben vorerst noch in ihrem Stützpunkt Eckernförde und werden dort auf die Verlegung nach Wilhelmshaven vorbereitet, wo sie schließlich außer Dienst gestellt werden.

U23 in Fahrt. Foto: Frank Behling
Die Marine muss jetzt alle U-Bootaufgaben mit den vier neuen Booten „U 31“, „U 32“, „U 33“ und „U 34“ der Klasse 212A bewältigen. Durch die Stilllegung der sechs Boote rutscht Deutschland mit den vier aktiven Booten beim Nationenranking mit nichtnuklearen U-Booten in Europa hinter Türkei (14) Griechenland (8), Italien (6), Norwegen (6) und Schweden (5) vorübergehend auf den sechsten Platz - zusammen mit den Niederlanden.
Quelle: FB, Frank Behling, Kieler Nachrichten
Link: http://deutscher-marinebund.blog.de/2010/06/04/deutsche-marine-legt-sechs-u-boote-sofort-stil-8732370/
Dienstag
Der Einstieg: Hellas-Lügen
"Armes Griechenland"?
(Leserbrief)
"Takis Tsapos (Die Harke am 3.5, S.3) will uns weismachen, dass die Griechen es sich nicht auf Kosten Europas gut gehen lassen. In der Harke vom 5.5. ist auf der Titelseite von "13 und 14 Rentenzahlungen" in Griechenland zu lesen (!). Offenbar weiß Herr Tsapos nicht, von was er redet. Ich gestehe, ich habe auch lange Zeit geträumt, dass Euro-Union gleich gemeinsame Politik sei. Nun seh ich mich getäuscht. Ist es zu nationalistisch, wenn ich keine Lust habe, Griechenland auf Kosten des deutschen Steuerzahlers vorm Bankrott zu retten, weil dort die Staatsstatistiken vorsätzlich manipuliert werden und RenterInnen Zahlungen erhalten, von der wir in Deutschland nur träumen können."
"Takis Tsapos (Die Harke am 3.5, S.3) will uns weismachen, dass die Griechen es sich nicht auf Kosten Europas gut gehen lassen. In der Harke vom 5.5. ist auf der Titelseite von "13 und 14 Rentenzahlungen" in Griechenland zu lesen (!). Offenbar weiß Herr Tsapos nicht, von was er redet. Ich gestehe, ich habe auch lange Zeit geträumt, dass Euro-Union gleich gemeinsame Politik sei. Nun seh ich mich getäuscht. Ist es zu nationalistisch, wenn ich keine Lust habe, Griechenland auf Kosten des deutschen Steuerzahlers vorm Bankrott zu retten, weil dort die Staatsstatistiken vorsätzlich manipuliert werden und RenterInnen Zahlungen erhalten, von der wir in Deutschland nur träumen können."
Das Unheil der angeblichen Sanierungs-Beschlüsse und Alternativen dazu
Hier fasse ich meine Positionierung gegen die irrsinnige Berlin-Pariser sog. "Sanierungspolitik" zugunsten der PIGS-Staaten auf Kosten deutscher RentnerInnen und brav Steuerzahlenden nachfolgend aktualisiert zusammen;
Im Mai 2010 ist folgendes passiert (ich nenne nur die Kernpunkte):
1) Berlin hat ein (viel zu) großes Sanierungspaket für das bankrotte Griechenland beschlossen
2) Berlin hat ein unfassbar riesiges Sanierungspaket für die anderen PIGS-Staaten beschlossen
3) beides wird Deutschland jetzt und auf enorme Zeit finanziell schwerstens belasten, bis weit hinein in die nachfolgenden Generationen und birgt die Gefahr, dass diese nicht mehr normal zu schulternden finanziellen Mega-Verpflichtungen sich u.a. in Erhöhung der MWSt. und Kürzungen von Renten und Sozialleistungen niederschlagen (die Berliner politische Kaste, Schäuble und Co., hat ja schon damit angefangen), also wieder mal die Leute aus dem armen Segment der Gesellschaft, die mit dem griechischen unsolidarischen Wirtschafts-Gebaren nullkommanix zu tun haben, besonders hart trifft, wobei die Effizienz dieser gigantischen "Sanierung" der PIGS-Länder per Schuldenmachen durch die non-pigs-länder völlig ungewiss ist.
4) Berlin + Paris als die in der EU entscheidenen Drahzieher, haben praktisch die EZB abgeschafft, auf jedenfall ihre Unabhängigkeit zerstört (die - nota bene, man erinnert sich: das Hauptargument für uns, wie man jetzt sieht: aus gutem Grund, skeptischen Euro-Leute in Deutschland war, den Euro überhaupt zu akzeptieren). Berlin + Paris haben der EZB nicht nur grünes Licht zum - bei der Gründung der EZB und Einführung des Euro - verbotenen! Ingang-Setzen der Euro-Notenpresse gegeben, sondern quasi eine Weisung, dies nun baldmöglichst und umfangreich zu tun. Sie haben die EZB ebenfalls angewiesen, junk papiere im großen Umfang aufzukaufen, also für Verluste gerade zu stehen, die die EZB nicht generiert hat.
Mit beidem, aber schon bereits mit dem Griechenland-Sanierungspaket verstösst Berlin/Paris eindeutig gegen den EU-Vertrag, der wohlweislich (nämlich aus "wirtschaftspädagogischen" Gründen) eine ggs. Schuldenkompensation in der EU ausschließt (eigentlich war der EU-Artikel gerade dazu verfasst worden, dass solches PIGS-Verhalten eben nicht durch Sanierungsgelder anderer non-pigs-Staaten auch noch belohnt wird).
Soweit das, was passiert ist.
Nachfolgend die notwendigen Alternativen:
( Die Bürde der punkt für punkt Operationalisierung für die Alternativen, jetzt nachdem das alles in Bruxelles schon beschlossen wurde, bitte ich mir dabei nur bedingt aufzuhalsen - immerhin soll laut Umfragen eine "Raus aus dem Euro"-Parteiinitiative, wenn sie heute spontan gegründet würde, bis zu 20% der Stimmen bekommen, vielleicht also doch eine Hoffnung, die decision makers auch nach ihren aberwitzigen Entscheidungen nochmal erneut unter Druck setzen zu können und eine Revision zu erzwingen. Leider sind demnächst keine Bundestagswahlen und die NRW-Wahl war zu früh für eine solche Mobilisierung - deshalb hoffe ich auf auf NRW-Neuwahlen, dann könnte es dort einen interessanten Wahlkampf geben. Aber auch das BVerfG ist ja immer mal für positive Überraschungen gut - GG-konform ist jedenfalls das, was Berlin jetzt beschlossen hat, keinesfalls)
Was passieren muß:
1) Rücknahme bzw. erhebliche Reduzierung der beiden (griechisches und allgemeines) Sanierungspakete bzw. viel härtere Sanktionsdrohungen, wenn die PIGS den mit den Sanierungsgeldern gekoppelten eigenen Wirtschafts- und Finanzdisziplinmaßnahmen nicht nachkommen
2) Wiedereinsetzung der EZB in ihren, von den Gründern wohlüberlegten status: als absolut unabhängiges Währungsschutz-Gremium ohne Recht zur Notenpresse und junk bonds Aufkauf
3) Klares Bankrottverfahren für die PIGS-Staaten genauso wie es bankrotte Firmen und Einzelpersonen auch machen müssen. Solide blue prints wie das bei den PIGS zu handhaben wäre, wurden bereits genügend in der Wirtschaftsexpertenpresse vorgestellt (kein geringerer als zB vom respektablen ehem. NRW-Innenminister und Bürgerrechtsaktivisten Burkhard Hirsch). Es fehlt nur der politische Mut in Bruxelles dazu.
4) Wiedereinführung von Drachme, Escudo, ir.Pfund und Peseten bei den PIGS
5) Damit Neustart der EU, diesmal einer EU der diffent speeds. Das ist überhaupt keine neue oder europa-ehrenrührige Idee, sondern wurde schon vor 10 Jahren bei der Einführung des Euro von - wie man jetzt sieht: durchaus gerechtfertigten - Euro-Skeptikern empfohlen.
Damit kann jeder Staat sich entscheiden, wieviel monetäre und sonstige Wirtschaftsdisziplin er an den Tag legen will - entsprechend wird er EU-klassifiziert und keiner muß für den anderen mehr haften; das ging jahrzehntelang gut und nur die Gier des europäischen Kapitalismus nach noch mehr Profit hat uns - die Konsequenzen bekommen wir jetzt alle ab - den Euro unter all diesen fragwürdigen Begleitumständen aufgeschwatzt.
Jede/r PolitikerIn sollte also ab sofort klar befragt werden, ob sie/er für die Beschlüsse von Paris/Berlin ist und warum. Bzw. warum sie/er sich nicht nicht für Alternativen einsetzt. Damit in Deutschland über die kürzlichen Berlin/Pariser Beschlüsse eine breite politische Streitkultur entsteht. Darüber würde ich mich sehr freuen.
1) Berlin hat ein (viel zu) großes Sanierungspaket für das bankrotte Griechenland beschlossen
2) Berlin hat ein unfassbar riesiges Sanierungspaket für die anderen PIGS-Staaten beschlossen
3) beides wird Deutschland jetzt und auf enorme Zeit finanziell schwerstens belasten, bis weit hinein in die nachfolgenden Generationen und birgt die Gefahr, dass diese nicht mehr normal zu schulternden finanziellen Mega-Verpflichtungen sich u.a. in Erhöhung der MWSt. und Kürzungen von Renten und Sozialleistungen niederschlagen (die Berliner politische Kaste, Schäuble und Co., hat ja schon damit angefangen), also wieder mal die Leute aus dem armen Segment der Gesellschaft, die mit dem griechischen unsolidarischen Wirtschafts-Gebaren nullkommanix zu tun haben, besonders hart trifft, wobei die Effizienz dieser gigantischen "Sanierung" der PIGS-Länder per Schuldenmachen durch die non-pigs-länder völlig ungewiss ist.
4) Berlin + Paris als die in der EU entscheidenen Drahzieher, haben praktisch die EZB abgeschafft, auf jedenfall ihre Unabhängigkeit zerstört (die - nota bene, man erinnert sich: das Hauptargument für uns, wie man jetzt sieht: aus gutem Grund, skeptischen Euro-Leute in Deutschland war, den Euro überhaupt zu akzeptieren). Berlin + Paris haben der EZB nicht nur grünes Licht zum - bei der Gründung der EZB und Einführung des Euro - verbotenen! Ingang-Setzen der Euro-Notenpresse gegeben, sondern quasi eine Weisung, dies nun baldmöglichst und umfangreich zu tun. Sie haben die EZB ebenfalls angewiesen, junk papiere im großen Umfang aufzukaufen, also für Verluste gerade zu stehen, die die EZB nicht generiert hat.
Mit beidem, aber schon bereits mit dem Griechenland-Sanierungspaket verstösst Berlin/Paris eindeutig gegen den EU-Vertrag, der wohlweislich (nämlich aus "wirtschaftspädagogischen" Gründen) eine ggs. Schuldenkompensation in der EU ausschließt (eigentlich war der EU-Artikel gerade dazu verfasst worden, dass solches PIGS-Verhalten eben nicht durch Sanierungsgelder anderer non-pigs-Staaten auch noch belohnt wird).
Soweit das, was passiert ist.
Nachfolgend die notwendigen Alternativen:
( Die Bürde der punkt für punkt Operationalisierung für die Alternativen, jetzt nachdem das alles in Bruxelles schon beschlossen wurde, bitte ich mir dabei nur bedingt aufzuhalsen - immerhin soll laut Umfragen eine "Raus aus dem Euro"-Parteiinitiative, wenn sie heute spontan gegründet würde, bis zu 20% der Stimmen bekommen, vielleicht also doch eine Hoffnung, die decision makers auch nach ihren aberwitzigen Entscheidungen nochmal erneut unter Druck setzen zu können und eine Revision zu erzwingen. Leider sind demnächst keine Bundestagswahlen und die NRW-Wahl war zu früh für eine solche Mobilisierung - deshalb hoffe ich auf auf NRW-Neuwahlen, dann könnte es dort einen interessanten Wahlkampf geben. Aber auch das BVerfG ist ja immer mal für positive Überraschungen gut - GG-konform ist jedenfalls das, was Berlin jetzt beschlossen hat, keinesfalls)
Was passieren muß:
1) Rücknahme bzw. erhebliche Reduzierung der beiden (griechisches und allgemeines) Sanierungspakete bzw. viel härtere Sanktionsdrohungen, wenn die PIGS den mit den Sanierungsgeldern gekoppelten eigenen Wirtschafts- und Finanzdisziplinmaßnahmen nicht nachkommen
2) Wiedereinsetzung der EZB in ihren, von den Gründern wohlüberlegten status: als absolut unabhängiges Währungsschutz-Gremium ohne Recht zur Notenpresse und junk bonds Aufkauf
3) Klares Bankrottverfahren für die PIGS-Staaten genauso wie es bankrotte Firmen und Einzelpersonen auch machen müssen. Solide blue prints wie das bei den PIGS zu handhaben wäre, wurden bereits genügend in der Wirtschaftsexpertenpresse vorgestellt (kein geringerer als zB vom respektablen ehem. NRW-Innenminister und Bürgerrechtsaktivisten Burkhard Hirsch). Es fehlt nur der politische Mut in Bruxelles dazu.
4) Wiedereinführung von Drachme, Escudo, ir.Pfund und Peseten bei den PIGS
5) Damit Neustart der EU, diesmal einer EU der diffent speeds. Das ist überhaupt keine neue oder europa-ehrenrührige Idee, sondern wurde schon vor 10 Jahren bei der Einführung des Euro von - wie man jetzt sieht: durchaus gerechtfertigten - Euro-Skeptikern empfohlen.
Damit kann jeder Staat sich entscheiden, wieviel monetäre und sonstige Wirtschaftsdisziplin er an den Tag legen will - entsprechend wird er EU-klassifiziert und keiner muß für den anderen mehr haften; das ging jahrzehntelang gut und nur die Gier des europäischen Kapitalismus nach noch mehr Profit hat uns - die Konsequenzen bekommen wir jetzt alle ab - den Euro unter all diesen fragwürdigen Begleitumständen aufgeschwatzt.
Jede/r PolitikerIn sollte also ab sofort klar befragt werden, ob sie/er für die Beschlüsse von Paris/Berlin ist und warum. Bzw. warum sie/er sich nicht nicht für Alternativen einsetzt. Damit in Deutschland über die kürzlichen Berlin/Pariser Beschlüsse eine breite politische Streitkultur entsteht. Darüber würde ich mich sehr freuen.
Schach: Nach Damenverlust doch noch zum Sieg
Gute Schachfreunde werden bei dieser Partie vielleicht mit der Zunge schnalzen. Wenn jemand seine Dame einstellt (so passierte es mir im 13. (!) Zug), bekommt er in der Notation zurecht das sehr seltenen dreifache "???".
Nach diesem totalen blackout war ich - natürlich - im ersten Schreck spontan drauf und dran war, die Partie aufzugeben. Aber - danach begann (!) eigentlich erst die richtige spannende Partie. Zunächst spielte ich nur lustlos weiter, dann sah ich eine Schachoption und dachte, na gut, den Zug noch. Dann sah ich die zweite Schachoption und dachte, na gut, den Zug halt auch noch. Dann gings so weiter und ich wurde so richtig hellwach und heißhungrig nach einem Mattnetz, und ein Zug bevors dann Matt gewesen wäre mußte eben mein Gegner seine Dame "gegenopfern". Wie gut dass mir nach der Erschöpfung für diese Züge dann doch noch so viel mentale Kraft übrig geblieben war, schleunigst auf Endspielmentalität umzustellen. Da kam ich rasch in Vorteil aber Turmendspiele sind - wie man ja weiß - dennoch sauschwer zu spielen, leicht zu verlieren und schwer zu gewinnen. Aber irgendwie rettete mich mein Schachinstinkt und zeigte mir, wie ich doch meinen Freibauern zur Dame bringen konnte. Das war nun die dritte! Dame, die in diesem Spiel lebendig wurde, aber das reichte dann. Mir zum Gewinn und meinem Gegner wohl sowieso (mit einer Dame mehr doch noch zu verlieren ist schon bitter). Was wohl Tarrasch dazu gesagt hätte?
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weiss (Burkhard) | schwarz | ||||
| Zug | Figur | Feld | Figur | Feld | |
| 1 | Bauer | e2 - e4 | Bauer | e7 - e5 | |
| 2 | Springer | g1 - f3 | Bauer | d7 - d6 | |
| 3 | Bauer | d2 - d4 | Bauer | e5 x d4 | |
| 4 | Springer | f3 x d4 | Dame | d8 - e7 | |
| 5 | Dame | d1 - e2 | Läufer | c8 - d7 | |
| 6 | Springer | b1 - c3 | Springer | b8 - c6 | |
| 7 | Springer | d4 x c6 | Läufer | d7 x c6 | |
| 8 | Läufer | c1 - f4 | König | lange Rochade | |
| 9 | König | lange Rochade | Dame | e7 - f6 | |
| 10 | Dame | e2 - f3 | Turm | d8 - e8 | |
| 11 | Läufer | f1 - d3 | Springer | g8 - h6 | |
| 12 | Turm | h1 - e1 | Springer | h6 - f5 | |
| 13 | Bauer | e4 x f5 ??? | Läufer | c6 x f3 | |
| 14 | Bauer | g2 x f3 | Turm | e8 x e1 | |
| 15 | Turm | d1 x e1 | Läufer | f8 - e7 | |
| 16 | Springer | c3 - d5 | Dame | f6 - d4 | |
| 17 | Springer | d5 x e7 | König | c8 - d7 | |
| 18 | Läufer | f4 - e3 | Dame | d4 - h4 | |
| 19 | Läufer | e3 - d4 | Bauer | f7 - f6 | |
| 20 | Springer | e7 - d5 | Dame | h4 x d4 | |
| 21 | Turm | e1 - e7 | König | d7 - c6 | |
| 22 | Turm | e7 x c7 | König | c6 x d5 | |
| 23 | Läufer | d3 - e4 | Dame | d4 x e4 | |
| 24 | Bauer | f3 x e4 | König | d5 x e4 | |
| 25 | Turm | c7 x b7 | König | e4 x f5 | |
| 26 | Turm | b7 x a7 | Bauer | g7 - g5 | |
| 27 | Turm | a7 - d7 | König | f5 - e5 | |
| 28 | Bauer | a2 - a4 | Bauer | h7 - h5 | |
| 29 | Bauer | a4 - a5 | Turm | h8 - a8 | |
| 30 | Bauer | b2 - b4 | König | e5 - e6 | |
| 31 | Turm | d7 - h7 | Bauer | h5 - h4 | |
| 32 | Bauer | h2 - h3 | Turm | a8 - f8 | |
| 33 | Bauer | a5 - a6 | König | e6 - d5 | |
| 34 | Bauer | a6 - a7 | König | d5 - c4 | |
| 35 | Turm | h7 - b7 | Turm | f8 - a8 | |
| 36 | Bauer | b4 - b5 | König | c4 - c5 | |
| 37 | Bauer | b5 - b6 | König | c5 - c6 | |
| 38 | Turm | b7 - b8 | Turm | a8 x a7 | |
| 39 | Bauer | b6 x a7 schwarz gibt auf ----------------------------------------------------------------------------- | |||
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