Die Bonitäts-Abstufungen von Europa-Ländern durch die internationalen Rating-Agenturen geht weiter. Die Bonität Ungarns sinkt und die Kreditwürdigkeit Sloweniens wird zum ersten mal als "negativ" eingestuft.
(FTD-Newsupdate heute 17 Uhr)
| Regierungssrpecher Seibert |
Wie groß muß die Verzweiflung in Euroland schon sein, wenn man fast kniefällig sich hierzulande bedankt, dass nun der große Bruder aus dem Osten das sinkende Euro-Schiff retten will. Als ob das die Rettung wäre. China hat ja früher schon Griechenland und Portugal huldvoll mit dem Geldsack gewunken, ohne dass das dort irgend was verbessert hätte. Wenn die Chinesen sich wirklich als Käufer bei den PIGS betätigt hätten, hätten sich deren Spreads nicht so fatal entwickelt wie jetzt. Aber wenn der Euro erstmal von China abhängig sein wird, dann hat er auch keine Überlebenschance mehr. Man kann den Chinesen dankbar sein, wenn sie gerade mal keine Portugiesischen Anleihen verkaufen - eine großartige Währenddessen überlegt Moody’s Portugals Bonität erneut herabzustufen: Kein Glauben hat die Ratingagentur in die Nachhaltigkeit der portugiesischen Wirtschaft und Zweifel ob sich Portugal überhaupt am Kapitalmarkt refinanzieren kann. Immerhin: Portugal braucht 4,5 Milliarden Euro jetzt und im Juni nochmal 5 Milliarden Euro, um nicht pleite zu gehen. Wolfgang Münchau, FTD, sieht die FDP in einer dramatischen Existenzkrise, noch dramatischer als der Verfall der SPD. Ohne klare FDP-Definition was Liberalismus in der gegenwärtigen Krise sein soll, gibts für diese Partei keine Zukunft. Interessant zu sehen, wie die internationalen Spekulanten von der Eurokrise profitieren. Nicht indem sie Anleihen zurückfahren, sondern den Euro selber. Lieber investieren sie z.B. in Australische Dollar, weil die australische Zentralbank ihre Zinssätze sehr viel rascher als die EZB erhöhen wird. (Referenz: Eurointelligence News Briefing von heute) |
Wieder mal ein Beispiel, dass sich die Märkte n feuchten Kehricht um PolitikerInnen-Entscheidungen kümmern: Während die Eiserne Kanzlerin noch freudestrahlend vor die Presse tritt, wird Irlands Bonität gleich um glatte fünf Punkte degradiert - und das ist noch nicht das Ende. Und sofort weiten sich die Bonds-Spreads. Wie die PIGS sich nach den Entscheidungen des EU-Gipfel weiter finanzieren wollen, bleibt völlig unklar. Weiterhin - ironischerweise auch jetzt noch, wo die EZB ihr Kapital massiv erhöht (sehr risikoreich wie ein heutiger FAZ-Kommentar bemerkt), gerade weil sie mit der Zahlungsunfähigkeit der PIGS rechnet..., wehren sich die PIGS, ihre de facto Insolvenz einzugestehen, obwohl sie realistischerweise nicht dran vorbeikommen werden. Und obwohl es sozialpolitisch weitaus verantwortungsvoller wäre, die Insolvenzverfahren jetzt in die Wege zu leiten als in fünf Jahren. (mehr dazu in Eurointelligence News Briefing von heute früh) |
Eurointelligence News Briefing von heute wirft auch seinen Hut in den Wahrsager-Ring zum ewig alten, ewig jungen Ringelreihen-Raten: "Wie geht´s mit dem Euro weiter?" Hier die eurointelligence-Scenarien: 1. den Euro kaputt gehn lassen 2. mutmaßen, es sei ne nur Liquiditätskrise, also so viel Geld wie möglich in den bailout-Topf schmeißen und beten 3. versuchen das Problem durch Schulden-Neuarrangement, EU-Anleihen, eine Fiskal-Union und politische Koordination zu lösen Merkel mag o.a. Scenario 2 und 3 nicht und isoliert sich dadurch in Europa. Neue Inis sind nicht in Sicht. Also Pattsituation. Was das ist? Guck nach auf der Schachseite im Unbequemen Blog. Zwischendurch meldet sich EZB-Mitglied Jürgen Stark sich zu Wort: "Jedes Land muss für seine eigenen Schulden selber grade stehen. Wir haben keine Währungskrise sondern eine Krise der Staatsbudget." (SZ von gestern). Na, hoffentlich haben das seine Kollegen in den PIIGBS-Staaten verstanden. Und - hat sich der österreichische Kanzler gar verplappert, als er den - offiziell immer noch hochtabuisierten - Satz fallen ließ, dass Spanien sich wohl auch seine Pleite vom EFSF bezahlen lassen muss. Während Saldgado natürlich zum hundertsten mal dagegen deklamiert, dass Spanien selbstverständlich nicht den EFSF bemühen muss. Immer mehr klaffen die offiziellen Verlautbarkeiten und das, was hinter den Kulissen tatsächlich passiert, auseinander. Und last not least, stellt Lucas Zeise in der FTD von heute lapidar fest: die PIIGS werden nie und nimmer ihre Schulden jemals zurückzahlen können. Die nächsten Szenen im Trauerspiel "Euro" demnächst hier wieder im Unequemen Blog. |