Freitag
Sparpläne fürs deutsche Militär - jetzt endlich öffentlich nachzulesen
Eigentlich wollte ich mir heute einen blog-freien Tag machen.
Aber als ich entdeckte, dass das vor paar Wochen so heiss diskutierte Papier zu den Einsparplänen der Bundeswehr, von dem ich hier auch paar Kostproben gegeben habe, und was mir die örtliche Bundestagsabgeordnete nicht zur Verfügung stellen wollte (Begründung: "Das Papier des BMVg zur Priorisierung von Materialinvestitionen liegt uns offiziell nicht vor. Daher können wir es leider nicht weiterleiten."), einfach unter diesem link:
http://www.geopowers.com/priorisierung-der-ausruestung.html
online zu lesen ist, wusste ich: Aus dem blogfreien Freitag wird nix. Denn diese Information sollte, Feierabend hin oder her, doch möglichst schnell noch vor dem Wochenende rundgehen.
Aber als ich entdeckte, dass das vor paar Wochen so heiss diskutierte Papier zu den Einsparplänen der Bundeswehr, von dem ich hier auch paar Kostproben gegeben habe, und was mir die örtliche Bundestagsabgeordnete nicht zur Verfügung stellen wollte (Begründung: "Das Papier des BMVg zur Priorisierung von Materialinvestitionen liegt uns offiziell nicht vor. Daher können wir es leider nicht weiterleiten."), einfach unter diesem link:
http://www.geopowers.com/priorisierung-der-ausruestung.html
online zu lesen ist, wusste ich: Aus dem blogfreien Freitag wird nix. Denn diese Information sollte, Feierabend hin oder her, doch möglichst schnell noch vor dem Wochenende rundgehen.
Sensation: Deutschland muss endlich abrüsten - ein Sommermärchen wird wahr
Was 300.000 Demonstranten auf dem Bonner Hofgarten nicht erreicht haben, woran gut analysierende Abrüstungsspezialisten gescheitert sind und was bei der Wiedervereinigung nicht konsequent durchgeführt wurde: Jetzt wird das Wunder Wirklichkeit. Das letzte Tabu in dieser Republik wird endlich geknackt: Das deutsche Militär muß kräftig abspecken!
Und das nicht etwa in den Bundeswehrkantinen oder in der Kleiderkammer, sondern bei Rüstungsprojekten auf höchstem Niveau. Gigantische Vorhaben sind nun gescheitert oder werden drastisch gestutzt, deren militärischer Sinn noch nie einer/m vernünftigen ZeitgenossIn verklickert werden konnte. Ja, deren blosse Namen schon wie aus einer linguistischen Klamottenkiste klingen: Lenkflugkörper Meteor, unbemannter Flieger Talarion, Transporter A400M. Geneigte LeserInnen dieses Blogs, die mir mit einem Satz die Sinnhaftigkeit solcher Wortungeheuer verdeutlichen können, lad ich gerne zur Johannisbeerenernte in unserem Garten ein. Aber diese militärischen Phantastereien sind nun sowieso dankenswerterweise dem Sparrotstift zum Opfer gefallen.
Unfassbar: Was noch vor paar Monaten als - natürlich - für unsere Sicherheit noch als völlig "unverzichtbar"deklariert wurde, (oder waren es vielleicht doch nur die Lieblingsspielzeuge unserer Generäle?), geht jetzt einfach, mir nichts dir nicht, über den Einspardeister.
Es ist also doch wahr, was ich immer schon vermutet hatte: Die Sicherheit Deutschlands ist viel viel billiger zu haben, als es unsere sogenannten "Experten" im Militärministerium immer vorgegaukelt haben. Dem energischen Baron sei Dank, dass er nun das vollzieht, was wir Abrüstungsanalytiker jahraus jahrein immer schon wußten und empfohlen hatten: den Dinosaurier Bundeswehr endlich in die Schranken weisen.
Mein Hoffnung ist nur, dass der Militärminister dabei nicht stehen bleibt, sondern konsequent Zug um Zug die deutsche militärische Rumpelkammer durchforstet und aufräumt. Am Ende kommt dann hoffentlich eine kleine niedliche Nur-Parade-Armee heraus, mit einem netten Musikkorps, ohne Marine (die sowieso schon immer militärisch sinnlos war) und ohne Flugzeuge, die unsere friedliebenden Nachbarn doch nur unnötig erschrecken.
Wenn das endlich erreicht ist, ist vielleicht auch für mich die Zeit gekommen, entspannt in ein Konzert unseres Heeresmusikorps zu gehen. Da freu ich mich schon jetzt auf Ännchen von Tarau oder Der Jäger aus Kurpfalz und werde in der Pause mit einem Gläschen Sekt auf die so schön schlank gewordene und endlich ungefährliche Bundewehr anstoßen.
(Bildquelle Talarion-Projekt: FTD)
Und das nicht etwa in den Bundeswehrkantinen oder in der Kleiderkammer, sondern bei Rüstungsprojekten auf höchstem Niveau. Gigantische Vorhaben sind nun gescheitert oder werden drastisch gestutzt, deren militärischer Sinn noch nie einer/m vernünftigen ZeitgenossIn verklickert werden konnte. Ja, deren blosse Namen schon wie aus einer linguistischen Klamottenkiste klingen: Lenkflugkörper Meteor, unbemannter Flieger Talarion, Transporter A400M. Geneigte LeserInnen dieses Blogs, die mir mit einem Satz die Sinnhaftigkeit solcher Wortungeheuer verdeutlichen können, lad ich gerne zur Johannisbeerenernte in unserem Garten ein. Aber diese militärischen Phantastereien sind nun sowieso dankenswerterweise dem Sparrotstift zum Opfer gefallen.
Unfassbar: Was noch vor paar Monaten als - natürlich - für unsere Sicherheit noch als völlig "unverzichtbar"deklariert wurde, (oder waren es vielleicht doch nur die Lieblingsspielzeuge unserer Generäle?), geht jetzt einfach, mir nichts dir nicht, über den Einspardeister.
Es ist also doch wahr, was ich immer schon vermutet hatte: Die Sicherheit Deutschlands ist viel viel billiger zu haben, als es unsere sogenannten "Experten" im Militärministerium immer vorgegaukelt haben. Dem energischen Baron sei Dank, dass er nun das vollzieht, was wir Abrüstungsanalytiker jahraus jahrein immer schon wußten und empfohlen hatten: den Dinosaurier Bundeswehr endlich in die Schranken weisen.
Mein Hoffnung ist nur, dass der Militärminister dabei nicht stehen bleibt, sondern konsequent Zug um Zug die deutsche militärische Rumpelkammer durchforstet und aufräumt. Am Ende kommt dann hoffentlich eine kleine niedliche Nur-Parade-Armee heraus, mit einem netten Musikkorps, ohne Marine (die sowieso schon immer militärisch sinnlos war) und ohne Flugzeuge, die unsere friedliebenden Nachbarn doch nur unnötig erschrecken.
Wenn das endlich erreicht ist, ist vielleicht auch für mich die Zeit gekommen, entspannt in ein Konzert unseres Heeresmusikorps zu gehen. Da freu ich mich schon jetzt auf Ännchen von Tarau oder Der Jäger aus Kurpfalz und werde in der Pause mit einem Gläschen Sekt auf die so schön schlank gewordene und endlich ungefährliche Bundewehr anstoßen.
(Bildquelle Talarion-Projekt: FTD)
Donnerstag
Service-Wüste Deutschland -
Sommerzeit = Urlaubszeit. Auch bei uns zu Hause werden jetzt Packlisten aufgestellt, ergänzt, wieder verworfen. Ich stelle meine zugegebenermaßen etwas in die Jahre gekommen, aber immer noch geliebten alten Goretex-Lowa-Stiefel in die Packkiste. Komme aber bei meiner gewissenhaften Partnerin damit nicht durch. "Mit dem abgelaufenen Profil willst du durch die Klettersteige im Trentino?"
Ich merke: Keine Chance, auch wenn ich mit meinem Kleidungsverfügungsgeld eher geizig umgehe.
Also, ein paar Sportartikel-Läden abklappern. Ortstermin I: Schöne Lowa mit Goretex, aber alle um die 150 - 170 Euro. Nur wenn´s nicht anders geht, denke ich, erst mal zum zweiten Shop. Dort finde ich keine Goretex-Stiefel. Auf meine Frage - die Verkäuferin: "Nein, wir führen nur Texapore. Ist wie Goretex". Ich: "Das sagen alle Goretex-Konkurrenten". Sie: "Doch, ist genau dasselbe, ne Membrane gegen Feuchtigkeit". Wie? Texapore eine "Membrane"? Liebe Dame, etwas mehr Basiswissen wäre gut (denke ich, sag ich aber nicht). Hier Auszüge aus der sicher nicht unkompetenten Globetrotter Webseite:
"GORE garantiert echten Schutz von Kopf bis Fuß. Produkte mit einer GORE-Membran sind für eine breite Palette von Einsatzbereichen konzipiert. Die GORE-Membran ist nicht nur wasserabweisend, sondern eben absolut wasserdicht - und das dauerhaft."
"Jack Wolfskin hat mit Texapore eine leistungsfähige Beschichtung entwickelt, die gute Strapazierfähigkeit bietet. Technisch geht es um ein bekanntes Prinzip: eine mikroporöse Polyurethan-Beschichtung"
Nach diesem Beratungsreinfall ab zum dritten Shop. Ich entdecke ein Schnäppchen für 45 Euro = mit Aquamax Beschichtung. Etwas zu groß vielleicht für meine Schuhgrösse. Ich "wandere" nachdenklich, nachspürend im Laden auf und ab.
Eine Verkäuferin wird auf mich aufmerksam, der ich mein Einsatzterrain erkläre: Alpen bis 3000m, keine Gletscherquerung. Ja, da würde sie mir aber ein viel tolleres Produkt empfehlen. Soll allerdings um die 150 Euro kosten. Mit wunderbarem Halt und herrlich leicht. Ich ziehe an einen Fuß das Billigmodell, am anderen Fuß den Wunderstiefel an. Ja, etwas mehr Halt gibt das Teuerprodukt schon, aber dafür dreimal so viel Euro zahlen?
Ich wende mich dem Gewichtsargument zu. Merke beim Abwägen in der Hand kaum einen Unterschied. Gehe wieder zur Verkäuferin und bitte um Verständnis, dass ich sie vielleicht nerve: Ich sähe keinen gravierenden Gewichtsunterschied, ob Sie vielleicht eine Waage hätte? Sie nimmt nicht sehr motiviert die beiden Stiefel in die Händen. Der eine sei! "definitiv leichter". Ja, sage ich, vielleicht 20g und ob sie nicht hier vielleicht... "Ne", sagt sie, "da müssen Sie zur Post gehen". Und überhaupt - mit den Starstiefel könne ich auch "hier in der Gegend" überall rumwandern.
"Hier in der Gegend"? Im Weserbergland mit 150 Euro Stiefel? Ich hab weder Lust, zur Post zu gehen noch mit so teuren Stiefeln den Süntel oder Harz zu beehren. Also tappele ich noch etwas im Laden herum und lass mir dann das Billigmodell einpacken.
"Geiz ist geil", das hämmern uns doch die Konsum-Spindoktoren seit Jahren ein. Also: Auch anwenden! Aber insgesamt keine besonders ermutigende Shops-Rundwanderung.
Zu meiner Vergewisserung lese ich zu Hause nochmal, was Wiki über Beschichtungen und Membranen schreibt:
Um Kleidung und Schuhe wasserabweisend bzw. wasserdicht zu machen, werden Beschichtungen und Membranen verwendet. Beschichtungen sind Verbindungen, die durch Aufdampfen oder Einwaschen auf ein Kleidungsstück aufgebracht werden. Membranen sind eine Art Folie, die mittels Hitze auf ein Trägermaterial laminiert werden.
Ein Beispiel für häufig verwendete Membranen sind die Gore-Tex-Membranen.
Häufig verwendete Beschichtungen sind Drytech, Hyvent und Texapore.
Ich merke: Keine Chance, auch wenn ich mit meinem Kleidungsverfügungsgeld eher geizig umgehe.
Also, ein paar Sportartikel-Läden abklappern. Ortstermin I: Schöne Lowa mit Goretex, aber alle um die 150 - 170 Euro. Nur wenn´s nicht anders geht, denke ich, erst mal zum zweiten Shop. Dort finde ich keine Goretex-Stiefel. Auf meine Frage - die Verkäuferin: "Nein, wir führen nur Texapore. Ist wie Goretex". Ich: "Das sagen alle Goretex-Konkurrenten". Sie: "Doch, ist genau dasselbe, ne Membrane gegen Feuchtigkeit". Wie? Texapore eine "Membrane"? Liebe Dame, etwas mehr Basiswissen wäre gut (denke ich, sag ich aber nicht). Hier Auszüge aus der sicher nicht unkompetenten Globetrotter Webseite:
"GORE garantiert echten Schutz von Kopf bis Fuß. Produkte mit einer GORE-Membran sind für eine breite Palette von Einsatzbereichen konzipiert. Die GORE-Membran ist nicht nur wasserabweisend, sondern eben absolut wasserdicht - und das dauerhaft."
"Jack Wolfskin hat mit Texapore eine leistungsfähige Beschichtung entwickelt, die gute Strapazierfähigkeit bietet. Technisch geht es um ein bekanntes Prinzip: eine mikroporöse Polyurethan-Beschichtung"
Nach diesem Beratungsreinfall ab zum dritten Shop. Ich entdecke ein Schnäppchen für 45 Euro = mit Aquamax Beschichtung. Etwas zu groß vielleicht für meine Schuhgrösse. Ich "wandere" nachdenklich, nachspürend im Laden auf und ab.
Eine Verkäuferin wird auf mich aufmerksam, der ich mein Einsatzterrain erkläre: Alpen bis 3000m, keine Gletscherquerung. Ja, da würde sie mir aber ein viel tolleres Produkt empfehlen. Soll allerdings um die 150 Euro kosten. Mit wunderbarem Halt und herrlich leicht. Ich ziehe an einen Fuß das Billigmodell, am anderen Fuß den Wunderstiefel an. Ja, etwas mehr Halt gibt das Teuerprodukt schon, aber dafür dreimal so viel Euro zahlen?
Ich wende mich dem Gewichtsargument zu. Merke beim Abwägen in der Hand kaum einen Unterschied. Gehe wieder zur Verkäuferin und bitte um Verständnis, dass ich sie vielleicht nerve: Ich sähe keinen gravierenden Gewichtsunterschied, ob Sie vielleicht eine Waage hätte? Sie nimmt nicht sehr motiviert die beiden Stiefel in die Händen. Der eine sei! "definitiv leichter". Ja, sage ich, vielleicht 20g und ob sie nicht hier vielleicht... "Ne", sagt sie, "da müssen Sie zur Post gehen". Und überhaupt - mit den Starstiefel könne ich auch "hier in der Gegend" überall rumwandern.
"Hier in der Gegend"? Im Weserbergland mit 150 Euro Stiefel? Ich hab weder Lust, zur Post zu gehen noch mit so teuren Stiefeln den Süntel oder Harz zu beehren. Also tappele ich noch etwas im Laden herum und lass mir dann das Billigmodell einpacken.
"Geiz ist geil", das hämmern uns doch die Konsum-Spindoktoren seit Jahren ein. Also: Auch anwenden! Aber insgesamt keine besonders ermutigende Shops-Rundwanderung.Zu meiner Vergewisserung lese ich zu Hause nochmal, was Wiki über Beschichtungen und Membranen schreibt:
Um Kleidung und Schuhe wasserabweisend bzw. wasserdicht zu machen, werden Beschichtungen und Membranen verwendet. Beschichtungen sind Verbindungen, die durch Aufdampfen oder Einwaschen auf ein Kleidungsstück aufgebracht werden. Membranen sind eine Art Folie, die mittels Hitze auf ein Trägermaterial laminiert werden.
Ein Beispiel für häufig verwendete Membranen sind die Gore-Tex-Membranen.
Häufig verwendete Beschichtungen sind Drytech, Hyvent und Texapore.
Mittwoch
Neuer Wahnsinn der Energiewirtschaft = Kohlendioxidspeicher unterirdisch - BürgerInnen wehrt euch!
Nach dem Strahlungsmüll nun die nächste Abfallrunde: Vattenfall und Co. planen CO2 unterirdisch zu bunkern, um trotz Klimawandel an der Kohleverstromung festhalten zu können. Da lauern Gefahren: Wer garantiert dass die Bunker dicht bleiben? Dass das in die Bunker reingepumpte CO2 nicht Salzwasser in den betroffenen Gesteinsschichten freisetzt, das dann ins Grundwasser fließt?
Damit aber trotz dieser gefährlichen Unwägbarkeiten politisch auch alles nach Plan der Energieriesen geht, winken sie mit Schmiergeldern an die oberirdischen Gemeinden. Ob die sich aber so leicht kaufen lassen, darf angesichts des schon begonnenen Widerstandes von Bürgerinitiativen bezweifelt werden.
In Jänschwalde, Brandenburg, plant Vattenfall ein großes Kraftwerk mit CO2-Abscheidetechnologie. Die SPD-Linke-Landesregierung ist schon eingeknickt und will das Projekt durchwinken. Der SPD-Bürgermeister der Stadt Beeskow hält aber noch tapfer dagegen.
Und der Sprecher der örtlichen Bürgerinitiative erklärt: "Wir werden den Zutritt zu unseren Grundstücken verwehren. Falls Vattenfall trotzdem Bohrungen durchsetzen will, brennt hier die Luft".
Montag
Afghanistan: Wer nicht weiß, warum er Krieg führt, soll am besten sofort damit aufhören
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| IHT 2 August 2010, p.7 |
Nein, Friedman, wie sollte es bei ihm auch anders sein, bringt die ganze amerikanische Afghanistan-Katastrophe nochmal brillant pointiert auf den Punkt.
Dazu muss frau/man gar nicht die beiden Kommentare Friedmans im Wortlaut und Urtext durchkauen. Hier schnell die highlights:
Die US sind in einem Krieg, in dem der einzige Beteiligte, der klare Kriegsziele hat, dessen Argumentation überzeugend ist und der nie kriegsmüde wird, die Taliban sind.
Drei Fragen, sagt Friedman, sollte sich Obama stellen. Sie sind kindlich-einfach:
- Warum müssen eigentlich die US überhaupt die afghanische Armee trainieren? Antwort: Das können die Einheimischen eindeutig viel besser selber.
- Wie können die US das Ziel, in Kabul eine vertrauenserweckende Regierung zu etablieren, erreichen, wenn Karzai eindeutig die Wahlen gefälscht hat und die US davor die Augen verschließen? Antwort: Gar nicht.
- Was "gewinnen" die US eigentlich, wenn sie den Krieg in Afghanistan tatsächlich "gewinnen" würden? Antwort: Gar nichts, denn Al Queda sitzt längst in Pakistan bzw. im Herzen von Tausenden von Moslems von San Francisco bis London, alle durchs virtuelle Afghanistan, sprich: Internet, miteinander verbunden.
Also schlußfolgert Friedman:
Wenn die US schon nicht die allereinfachsten kindlichsten Fragen zu diesem Krieg beantworten können, muß man leider konstatieren: Sie blicken nicht mehr durch, und die einzige wahre Alternative ist nicht mehr zwischen Sieg oder Niederlage, sondern nur noch zwischen früherer oder späterer Niederlage. (BL: Wo hatten wir das schon mal? Richtig: In Vietnam).
Aber Friedman blickt auch über den aktuellen Krieg hinaus, indem er sarkastisch feststellt: China unterstützt Pakistan, verschafft sich die Ausbeutungsrechte für die Bodenschätze in Afghanistan, lässt die US Afghanistan sicher machen für die Arbeit chinesischer Firmen in Afghanistan, und die chinesischen Militärs freuen sich sowieso über die militärische Niederlage der US in Afghanistan.
Bleibt dem Blogger nur die kleine deutsche Fußnote: Herr Guttenberg, können Sie nicht dem amerikanischen Präsidenten diesmal mit gutem Vorbild vorangehen und das deutsche Militär noch vor den US aus Afghanistan abziehen? Vielleicht motiviert ja ein solcher Schritt des treuen deutschen Nato-Bundesgenossen den großen amerikanischen Bruder, dann einfach nachzuziehen und: They bring the boys home. Endlich!
Ein deutscher grüner Bürgermeister lernt das Sparen von Maywood in California
Geht Lernen so schnell? Nur 4 (!) Tage. nachdem ich in meinem Blog über die Abschaffung der Stadtverwaltung in Maywood (California) berichtet habe, lese ich heute beeindruckt den erste Artikel in der FTD vom 2.8.10 (S.11.) über "Kommunale Überlebenskünstler" in Deutschland.
Der grüne Bürgermeister von Freiburg hat offenbar einen erfolgreichen crashkurs bei der Bürgermeisterin in Maywood gemacht: In den letzten drei Jahren hat seine Stadt mehr als 50 Mio. Schulden getilgt und keine neuen Kredite mehr aufgenommen. Es war eine steile Lernkurve für Dieter Salomon: Die erste Liste seiner Ausgabenreduzierungen ging gleich den Bach herunter: Die BürgerInnen verweigerten sich Salomon, Schwimmbäder zu schließen oder die städtische Wohnungsbaugesellschaft zu verkaufen.
Also kürzte Salomon (Maywood lässt grüssen!) "bei sich selber": Im Laufe der Jahre sparte Freiburg über 300 Verwaltungsstellen ein und damit 200 Mio. Euro. Die freiwilligen Zuschüsse der Stadt im Sozial- und Kulturbereich wurden pauschal um 10 Prozent verringert, was 2 Mio. Euro Einsparungen und jede Woche Demonstrationen von allen Interessensgruppen in Freiburg mit sich brachte. Aber Salomon und die CDU im Freiburger Gemeinderat hielten zusammen und blieben bei ihrem harten Sparkurs.
Auch die Freiburger Verkehrs AG müssen bis 2013 zehn Prozent ihrer Betriebs-Ausgaben einsparen, aber wohlgemerkt: alle Einsparungen ohne Abstriche beim Fahrangebot! Den MitarbeiterInnen wurden fünf freie Tage gestrichen, und heute gehört die VAG zu den wirtschaftlichsten Verkehrsbetrieben Deutschlands.
Salomon kappte aber auch grüne ideologische Lieblingszöpfe: Der zeitweilig eingeführte sog. "Bürgerhauhalt" entpuppte sich schnell als viel zu aufwändig, teuer und überflüssig (Salomon: nur eine Bühne für die Funktionäre und Lobbyisten aus der Kultur- und Sozialszene....) Seine schnelle Wieder-Abschaffung erbrachte gleich wieder eine halbe Million Euro Einsparung.
Fazit:
Auch grüne Kommunalpolitiker können bemerkenswerte Realisten sein, wenn sie nicht ideologisch verbohrt sind, sondern sich unverstellten Blicks phantasievoll und ohne Angst vor kommunalen Tabus und städtischen Lobbygruppen den kommunalen Sparzwänge stellen.
Auf die weiteren Präsentationen kommunaler Sparwerkstätten in der FTD diese Woche bin ich gespannt:
Dienstag: Wolfsburg
Mittwoch: Rednitzenbach
Donnerstag: Pirna
Freitag: Flensburg.
Maywood, wir danken dir. Deine Botschaft kommt nun endlich auch in Deutschland an.
Der grüne Bürgermeister von Freiburg hat offenbar einen erfolgreichen crashkurs bei der Bürgermeisterin in Maywood gemacht: In den letzten drei Jahren hat seine Stadt mehr als 50 Mio. Schulden getilgt und keine neuen Kredite mehr aufgenommen. Es war eine steile Lernkurve für Dieter Salomon: Die erste Liste seiner Ausgabenreduzierungen ging gleich den Bach herunter: Die BürgerInnen verweigerten sich Salomon, Schwimmbäder zu schließen oder die städtische Wohnungsbaugesellschaft zu verkaufen.
Also kürzte Salomon (Maywood lässt grüssen!) "bei sich selber": Im Laufe der Jahre sparte Freiburg über 300 Verwaltungsstellen ein und damit 200 Mio. Euro. Die freiwilligen Zuschüsse der Stadt im Sozial- und Kulturbereich wurden pauschal um 10 Prozent verringert, was 2 Mio. Euro Einsparungen und jede Woche Demonstrationen von allen Interessensgruppen in Freiburg mit sich brachte. Aber Salomon und die CDU im Freiburger Gemeinderat hielten zusammen und blieben bei ihrem harten Sparkurs.
Auch die Freiburger Verkehrs AG müssen bis 2013 zehn Prozent ihrer Betriebs-Ausgaben einsparen, aber wohlgemerkt: alle Einsparungen ohne Abstriche beim Fahrangebot! Den MitarbeiterInnen wurden fünf freie Tage gestrichen, und heute gehört die VAG zu den wirtschaftlichsten Verkehrsbetrieben Deutschlands.
Salomon kappte aber auch grüne ideologische Lieblingszöpfe: Der zeitweilig eingeführte sog. "Bürgerhauhalt" entpuppte sich schnell als viel zu aufwändig, teuer und überflüssig (Salomon: nur eine Bühne für die Funktionäre und Lobbyisten aus der Kultur- und Sozialszene....) Seine schnelle Wieder-Abschaffung erbrachte gleich wieder eine halbe Million Euro Einsparung.
Fazit:
Auch grüne Kommunalpolitiker können bemerkenswerte Realisten sein, wenn sie nicht ideologisch verbohrt sind, sondern sich unverstellten Blicks phantasievoll und ohne Angst vor kommunalen Tabus und städtischen Lobbygruppen den kommunalen Sparzwänge stellen.
Auf die weiteren Präsentationen kommunaler Sparwerkstätten in der FTD diese Woche bin ich gespannt:
Dienstag: Wolfsburg
Mittwoch: Rednitzenbach
Donnerstag: Pirna
Freitag: Flensburg.
Maywood, wir danken dir. Deine Botschaft kommt nun endlich auch in Deutschland an.
Afghanistan-Krieg du Ungeheuer - nicht nur tödlich, auch noch teuer
Nicholas Kristof, der unerschrockene unermüdliche Kämpfer für Frieden und Gerechtigkeit ohne Militär hat auf S. 7 in der IHT vom 30.7.10 wieder mal den Kosten-Irrsinn des Afghanistankriegs für die US fantastisch statistisch-präzise auf den Begriff gebracht:
![]() |
| linkezeitung.de |
Der sog. Krieg gegen den Terror (inklusive der gegen Irak und in Afghanistan) ist nach dem 2.Weltkrieg der teuerste Krieg, den die US je geführt haben.
Der sogenannte "Friedens(sic!)- Nobelpreisträger" Obama gibt 6% mehr Militärausgaben aus als sein Vorgänger Bush und hat die US-Truppen in Afghanistan seit Amtsbeginn verdreifacht!
Unter Obama geben die US mehr fürs Militär aus als im Kalten Krieg, im Vietnam-Krieg und im Korea-Krieg.
Die Flotte der US-Schlachtschiffe ist die Nummer Eins in der Welt und umfasst eine grössere Zahl an Schlachtschiffen als die aller Militärmarinen von Nr. 2 bis Nr.13 auf der weltweiten Marine-Tabelle zusammen.
Aber gleichzeitig sind die US vom Rang 1 der Welt-Tabelle aller Länder mit StudentInnen mit College-Abschluß, den sie lange Zeit innehatten, auf nur noch Rang 13 zurückgefallen.
Die US-Focussierung aufs Militär zu Lasten von Erziehung ist fatal:
Statt einen Soldaten für ein Jahr in Afghanistan zu stationieren könnten die US in Afghanistan 20 neue Schulen bauen.
Eine abgefeuerte Cruise Missile kostet den Gegenwert des Aufbaus von 11 neuen Schulen in Afghanistan.
Und wenn jemand kontert: Schulerziehung ohne Militär sei in Afghanistan unmöglich, dann geht das auch an der Realität vorbei: CARE, eine humanitäre NGO unterhält 300 Schulen in Afghanistan, ohne dass eine davon von den Taliban zerstört worden ist. Internationale Hilfsorganisationen beweisen mit ihrer Aufbau- und Erziehungshilfe in Afghanistan sehr deutlich, dass man in Afghanistan sehr wohl Schulen unterhalten kann, wenn man sich mit den dortigen Dorfältesten berät und sie für solche Projekte gewinnt.
Sogar US-Militärminister Gates hat es satt, von der US-Generalität und den Militär-Lobbyisten im US-Congress immer nur "Mehr, Mehr, Mehr" (Militärausgaben) zu hören. Lakonisch wies er neulich darauf hin, dass die US mehr Soldaten unter Waffen hat als Diplomaten im US-Außenministerium. Und Gates legte sogar ironisch noch nach: "Ist es wirklich eine schreckliche Bedrohung für die US-Sicherheit, wenn die USA im Jahr 2020 nur zwanzig mal mehr Stealth Fighter Militärflugzeuge haben als China??"
Und trotz alles kostspieligen militärischen Engangements der US lässt sich damit keinesfalls Loyalität erkaufen. Bester Beweis: das Scheitern der US-Militärhilfe für Pakistan. Und nicht zufällig ist Bangladesh friedlicher als Pakistan, Oman weniger bedrohlich als Yemen.
Friedennobelpreisträger Obama hat in seinem Wahlkampf umfangreiche Investitionen in einen internationalen Erziehungfonds zu investieren. Daran will sich offenbar nicht mehr erinnern. Lieber investiert er alle 5 Wochen !) einen Betrag in den Afghanistan-Krieg, der so groß ist, das mit ihm jedes Kind dieser Erde eine Grundschulerziehung erhalten könnte!
Im nordamerikanischen Unabhängigkeitskrieg wurden - umgerechnet - 2.4 Milliarden USD investiert, soviel wie die US nun alle 9 Tage in ihren Afghanistan-Krieg investieren.
Danke, Nicholas, dass du uns wieder mal die Augen für den finanziellen Irrsinn des Kriegs in Afghanistan geöffnet hast und hoffentlich hört nicht nur Obama sondern auch Guttenberg deine Frage:
Ist es nicht endlich Zeit, unsere Prioritäten neu zu setzen?
Sonntag
Eine neue Blog-Zeitung
BloggerInnen sind oft einsame Schreiber. Das soll sich mit "Paperblog" ändern. Seit Anfang Juli bietet der deutsche startup Ableger des gleichnamigen französischen Projektes auch deutschen BloggerInnen die Möglichkeit, in Gemeinschaft aufzutreten. Paperblog weist den Posts registrierter Bloggerinnen Kategorien zu (von Politik über Kultur bis hin zu Life-Style), in denen dann der Post zu lesen ist. Dadurch entsteht - der Titel des Projektes soll es sagen - tatsächlich eine Art "Blogger´s Digest".
Ausser dieser vergrösserten Publizität durch informationelle Synergieeffekte ist Paperblog auch ein gutes Beispiel gegen Blogging-SkeptikerInnen, die fälschlicherweise meinen, dass BloggerInnen abgedrehte, mit Pizzakrümmel im Bett rumlungernde isolierte Web-Esoteriker seien.
Nein, BloggerInnen sind ganz "vernünftige" Menschen, die sich politisch, kulturell, gesellschaftlich outen, aber nicht peinlich wie in vielen unsäglichen TV-talkshows, sondern als gesellschaftlich engagierte verantwortungsbewußte BürgerInnen. Ich selbst verdanke Paperblog, dass ich als kritischer und passionierter Politik-Blogger (aber dadurch auch immer in der Gefahr, mit nur stark eingeengtem Blick online zu sein) stärker als bisher auch die non-politische online-welt wahrnehme: Z.B. Spiele (Wann kann man endlich via Paperblog auch Schach online spielen? Als passionierter Schachspieler = ich bin sofort dabei), Life-style (was meine Partnerin schon immer an mir bemängelt: nicht immer die gleichen abgewetzten Jeans-Klamotten...) oder Kochrezepte (damit ich mich endlich fantasievoll von meiner eindimensionalen pasta-solo-cucina befreien kann.
Also: "Welcome Paperblog!" - eine Bereicherung der blogging und web-community.
Ausser dieser vergrösserten Publizität durch informationelle Synergieeffekte ist Paperblog auch ein gutes Beispiel gegen Blogging-SkeptikerInnen, die fälschlicherweise meinen, dass BloggerInnen abgedrehte, mit Pizzakrümmel im Bett rumlungernde isolierte Web-Esoteriker seien.
Nein, BloggerInnen sind ganz "vernünftige" Menschen, die sich politisch, kulturell, gesellschaftlich outen, aber nicht peinlich wie in vielen unsäglichen TV-talkshows, sondern als gesellschaftlich engagierte verantwortungsbewußte BürgerInnen. Ich selbst verdanke Paperblog, dass ich als kritischer und passionierter Politik-Blogger (aber dadurch auch immer in der Gefahr, mit nur stark eingeengtem Blick online zu sein) stärker als bisher auch die non-politische online-welt wahrnehme: Z.B. Spiele (Wann kann man endlich via Paperblog auch Schach online spielen? Als passionierter Schachspieler = ich bin sofort dabei), Life-style (was meine Partnerin schon immer an mir bemängelt: nicht immer die gleichen abgewetzten Jeans-Klamotten...) oder Kochrezepte (damit ich mich endlich fantasievoll von meiner eindimensionalen pasta-solo-cucina befreien kann.
Also: "Welcome Paperblog!" - eine Bereicherung der blogging und web-community.
Eisenbahn-Fan-Alltag
Sonntagmittag in der Erfurt-Bahn:
Zugbegleiterin zum Fussball-Fan:
Das kostet 8 Euro 50
Fussball-Fan: Ne, nur 7.20
Bahn-Mitarbeiterin: 8.50
Fan: lacht
Bahnlerin: In Erfurt steht schon die Polizei am Gleis.
Fan: Vor der Polente hab ich keine Angst.
Bevor's spannend wurde, musste ich aussteigen.
1&1 macht das Internet mobile, mehr erfahren Sie unter www.1und1.de
Thueringen - Blogideen
Ich hatte zwei schoene Tage im Thueringer Wald. Oben auf der Hoehe kamen mir gute Ideen fuer die naechsten Blogpostings:
- Erhoehte Feinstaubbelastung 2010
- Gefahren der CO2 Erdeinlagerung
- Eurozone opt out scenarios
- Marathon-Reportage
Die naechste Blogwoche kann kommen. Stay tuned!
1&1 macht das Internet mobile, mehr erfahren Sie unter www.1und1.de
Samstag
Hinauf den Thueringer Wald
Bei gutem Tempo und warmer Sonne ne kleine "Wanderung". Hab irgendwie den Kontakt mit der Gruppe verloren. Die wird aber schon hinterher kommen bis zum "Gipfel".....
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Mobile Blogging im verspaeteten Intercity
Wegen nur 5 min! ICE Verspaetung lassen sie einen RE in Goettingen zum Umsteigen nicht warten......
Grube - ich kann Schwarzfahrer verstehen!
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Freitag
Nie wieder Krieg - nicht in Afghanistan und auch nicht anderswo
Deutlicher kann das Urteil über den sinnlosen Krieg in Afghanistan nicht mehr ausfallen, seitdem wikileaks uns die Augen über die Brutalität und den Schmutz dieses Krieges geöffnet.
Herr Minister: warum warten sie immer noch bis die Amerikaner dieses verfehlte Abenteuer endlich beenden und abziehen? Geben Sie sich einen Ruck und holen Sie die deutschen Soldaten JETZT nach Hause, ehe es für viele zu spät ist. In Ihrem Abrüstungskurs gegen die Ambitionen der Generäle haben Sie schon viel Courage bewiesen und in Ihrer Demaskierung der Wehrpflicht-Ideologie sich sogar mit der Kanzlerin angelegt. Hut ab! Mit einem raschen Abzug Deutschlands aus dem korrupten Drogenland am Hindukusch können Sie nur gewinnen!
Solange diese Forderung nicht erfüllt ist, ist es gut, sich immer mal wieder das simple Ein mal Eins von Friedenspolitik vor Augen zu führen. Dazu hier eine Rede, die ich zum 60. Jahrestag der Beendigung des 2. Weltkrieges im Nienburger Rathaus gehalten habe:
„Nie wieder Krieg!“
(Rede am 8. Mai 2005 im Rathaus Nienburg/Weser)
Liebe Nienburger Bürgerinnen und Bürger!
Wie oft sind diese drei einfachen Worte wohl heute vor sechzig Jahren in unserer Stadt gesagt worden - in Deutschland – in Europa? Wie oft sind sie von unseren Eltern und Großeltern geseufzt worden, geschrieen, gebetet, geweint, gestöhnt? Diese drei klaren Worte: Nie wieder Krieg!
Heute, zum Gedenken an das Ende des 2. Weltkrieges haben wir uns hier versammelt und müssen Antwort auf zwei Fragen geben:
Erstens:
Was haben wir aus diesen drei Worten gemacht in den vergangenen 60 Jahren?
Und zweitens:
Welche Lehren ziehen wir aus diesen drei Worten für die Zukunft?
Erstens:
Was haben wir aus diesen drei Worten gemacht seit 1945?
Wir haben in entscheidenden Bereichen ernst gemacht mit diesem Satz. Dazu drei Beispiele:
(Rede am 8. Mai 2005 im Rathaus Nienburg/Weser)
Liebe Nienburger Bürgerinnen und Bürger!
Wie oft sind diese drei einfachen Worte wohl heute vor sechzig Jahren in unserer Stadt gesagt worden - in Deutschland – in Europa? Wie oft sind sie von unseren Eltern und Großeltern geseufzt worden, geschrieen, gebetet, geweint, gestöhnt? Diese drei klaren Worte: Nie wieder Krieg!
Heute, zum Gedenken an das Ende des 2. Weltkrieges haben wir uns hier versammelt und müssen Antwort auf zwei Fragen geben:
Erstens:
Was haben wir aus diesen drei Worten gemacht in den vergangenen 60 Jahren?
Und zweitens:
Welche Lehren ziehen wir aus diesen drei Worten für die Zukunft?
Erstens:
Was haben wir aus diesen drei Worten gemacht seit 1945?
Wir haben in entscheidenden Bereichen ernst gemacht mit diesem Satz. Dazu drei Beispiele:
- Wir haben uns ausgesöhnt mit denen, die von unserem Volk generationenlang als „Erbfeinde“ verteufelt worden sind, insbesondere mit Franzosen und Polen.
- Wir haben verlässliche friedliche Grenzen mit den Ländern, die unser Volk vor mehr als sechzig Jahren überfallen hat: mit Tschechien, Dänemark, den Niederlanden und anderen Ländern.
- Wir geben so viel Geld für die Ausbildung in nicht-militärischer Konfliktbearbeitung aus wie nie jemals zuvor in der deutschen Geschichte.
Aber wir sind diesem Satz auch untreu geworden:
Welche Lehren ziehen wir aus diesen drei Worten für die Zukunft? Wie können wir die Friedens-Bilanz unseres Landes in der Zukunft verbessern?
Als Perspektive für die Antwort auf diese zweite Frage zitiere ich einen Satz aus der Präambel der UNESCO, wo es heisst: (Zitat)
„Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden"
Mein Beruf führt mich seit vielen Jahren immer wieder zu den aktuellen Konfliktbrennpunkte dieser Welt, in den Kosovo, nach Südafrika, in die Ukraine, nach Bosnien. Und ich kann Ihnen bestätigen: Die UNESCO hat recht! Kriege entstehen nicht durch Waffen. Kriege werden von Menschen gemacht, durch unser Denken, unsere Planungen, unsereEntscheidungen.
Wer ernst machen will, „Den Frieden im Geist der Menschen zu verankern“ – muß deshalb dreierlei tun:
Erstens: Aggressionen überwinden
Zweitens: Den Frieden vorbereiten
Drittens: Der Gewalt widerstehen
Erstens:
Frieden bedeutet: Aggressionen überwinden
Kriege sind kollektive Aggressionen. Kriege werden geführt,
Das gilt besonders für die Gebiete Europas, in denen kein Volk für sich alleine in einem Staatsterritorium wohnt. Wir denken dabei zunächst vor allem an Südosteuropa, wo überall verschiedene Völker in einer Staatsgrenze zusammengefasst leben müssen.
Aber auch andere Staaten Europas nähern sich dieser Situation in Südosteuropa immer mehr an. Auch in England, Frankreich und Deutschland ist die multikulturelle Gesellschaft schon längst Wirklichkeit geworden. Ähnlich im Baltikum: Jeder Dritte der in Estland und Lettland lebenden Bevölkerung ist Russe!
Nun hat man immer wieder versucht, das Dilemma der mangelnden Übereinstimmung von Staatsvolk und Staatsterritorium angeblich so „lösen“ zu wollen, dass man für eine möglichst weitgehende „Reinheit“ im Staatsvolk plädiert hat. Aber all diese Träume von Groß-Serbien, Groß-Albanien, Groß-Sonstwie sind gescheitert oder sie werden scheitern. Die Absicht, ethnisch reine Staaten zu schaffen ist eine Fiktion, und wer einer Fiktion nachjagt, wird enttäuscht werden, im schlimmsten Fall wird er intolerant und fanatisch.
Statt in gefährlicher Weise auf neue Grenzziehungen zugunsten ethnisch reiner Staaten zu spekulieren, ist es viel wichtiger, die gesellschaftlichen und politischen Realitäten multi-ethnischer Staaten anzuerkennen und Bedingungen zu schaffen, damit ethnische Minderheiten in einem Staatsgebiet angemessen toleriert werden. Das heißt, dass ihnen die Freiheiten garantiert werden, die sie für ihre kulturelle, sprachliche, erzieherische und religiöse Identität benötigen und dass ihnen eine angemessene Beteiligung an der politischen Willensbildung eingeräumt wird.
In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts feierte man in Mitteleuropa die historische Errungenschaft stabiler Grenzen als einen besonderen Beitrag zum Frieden. Die Herausforderung für die Staaten und Gesellschaften im Europa des 21. Jahrhunderts wird es sein, diese äußeren Grenzziehungen auch weiterhin stabil zu halten, aber auch die Gesellschaften und Politik in diesen Grenzen offen, tolerant und mit Respekt vor Minderheiten zu gestalten.
Frieden bedeutet: Den Frieden vorbereiten
Angesicht der vielen Kriege in der Vergangenheit und Gegenwart, fragt man sich: Warum? Warum verrennen sich die Politiker und Politikerinnen immer wieder in die Sackgassen der Gewalt?
Unter den vielen Gründen für die Eskalation zum Krieg gibt es zwei besonders fatale:
Der erste Grund = Naivität:
Oft rechnen weder die Politiker noch die Bevölkerung in der Zeit der Konflikt-Eskalation mit dem Schlimmsten, mit dem Krieg; sie erkennen nicht die Gefährlichkeit der Situation.
Der zweite Grund = Verblendung:
Wenn ein Konflikt eskaliert, gibt es den gefährlichen Punkt, ab dem keiner der Gegner ernsthaft mehr bereit ist, der sich anbahnenden Katastrophe in den Arm zu fallen. Alternativen zum Verhängnis des Krieges werden als unrealistisch abgetan, ohne sich die Mühe zu machen, ihnen eine Chance zu geben. Zug um Zug erhöhen die Gegner ihre Forderungen, bis schließlich nur noch der Zwang von "Ultimaten" den Weg ins Unheil diktiert. Gelähmt, ohnmächtig blickt man auf jede neue Runde der Droh-Eskalation, unfähig wirkliche Alternativenzu entwickeln.
Alle Untersuchungen über Konflikte weisen aber darauf hin, wie wichtig es ist, sich niemals den Blick für Alternativen zum Krieg zu verstellen. Sich energisch zu wehren:
In Konflikten kommt es nicht darauf an, möglichst schnell Entscheidungen zu treffen (die sich dann später meist doch als verhängnisvoll erweisen). Damit verengt man leichtfertig die Bandbreite der Handlungsmöglichkeiten.
Nötig ist stattdessen:
Ein echtes Bemühen um den Frieden ist jederzeit offen für neue Lösungsideen und für Konflikt-Entspannung.
Aus der Friedensforschung kennen wir:
"Das haben wir nicht gewusst",
„Es gibt keine Alternativen zum Krieg"
„Für Verhandlungen ist keine Zeit mehr“;
„In Konflikten hilft nur Gewalt“.
Glauben Sie diesen gefährlichen Vereinfachern nicht!
Bemühen wir uns stattdessen mit Geduld, Fantasie und Zähigkeit, herauszufinden, wo - trotz der Gegensätze - dennoch gemeinsame Interesse vorhanden sind. Solche gemeinsame Interessen können als vertrauensbildende Elemente dienen und später in eine stabile Konfliktlösung überführt werden. Das Ziel jeder Konfliktregelung ist es, aus der Krise in eine Situation hinein zu steuern, bei der es keine einseitigen Gewinner und Verlierer gibt und kein Gesichtsverlust für die Beteiligten.
Drittens:
Frieden bedeutet: Der Gewalt widerstehen.
In der Geschichte der Menschheit hat es immer wieder Personen gegeben, die der Versuchung der Gewalt widerstanden haben. Wir denken an Gandhi und M.L. King, an die Leipziger Montagsdemonstrationen 1989 und an die friedlichen Revolutionen kürzlich in Georgien und in der Ukraine. Aber es gibt auch viele namenlose Friedenarbeiterinnen und Friedenarbeiter, die mit bemerkenswertem Mut und Zähigkeit immer wieder Zeichen zur Gewaltüberwindung setzen.
Es sind Menschen, die klare deutliche Zeichen gegen die Anwendung von Gewalt setzen und die von der Vision einer friedlicheren Welt überzeugt sind. Keine Schwärmer oder irreale Idealisten, sondern sehr konkret denkende und praktisch handelnde Menschen, die der Gewalt widerstehen, meist gegen die herrschende Meinung und gegen die Machthaber - ohne Rücksicht darauf, ob dieses Engagement sie in persönliche Gefahr bringt.
Ein solches Nein zur Gewalt ist aber keine Selbstverständlichkeit. Das zeigen die Jahre 1933 bis 1945 in der deutschen Geschichte, wo eigentlich Widerstand notwendig gewesen wäre, in denen Deutschland aber versagt hat.
Wenn wir uns heute mit Menschen unterhalten, die sich noch bewusst an die 30er Jahre in Deutschland erinnern können, ist das Beeindruckende, dass es neben den aktiven Nationalsozialisten leider auch viele, viele Menschen in dieser Zeit gab, die gar nicht aktiv waren, sondern anpasserisch, die weggeschaut und keine Fantasie entwickelt haben, was man gegen das Unheil machen könne. Viele haben einfach nicht wahrhaben wollen, dass die Zustände in Deutschland so schlimm werden würden, wie sie es dann Jahr um Jahr wurden.
Daraus sollen wir lernen, dass Wachsamkeit und - falls nötig - auch aktiver Widerstand nicht von selber kommt, sondern eingeübt und trainiert werden muß. Das gilt nicht nur für den Widerstand gegen einen illegalen Staatstreich. Widerstand ist auch notwendig gegen Gewalt in der Straßenbahn, gegen Angriffe auf Ausländer, gegen intolerante Berichterstattung in den Medien, gegen heimliche Umweltzerstörungen.
Es gibt viele Situationen, wo der Mut zum Nein gefordert ist. Ein solcher Widerstand stellt sich aber nicht automatisch ein, er muß schon frühzeitig vorbereitet werden. Deshalb ist es hoffnungsvoll, dass es inzwischen richtige Kurse gibt, in denen solches Widerstehen gegen die Gewalt trainiert wird, wo man sich z.B. durch Rollenspiele auf verschiedene Situationen des gewaltfreien Widerstands vorbereiten kann.
Solcher Widerstand braucht keine grosse einzelne Helden, sondern Menschen mit Zivilcourage. Er braucht
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer: Sich für den Frieden zu engagieren, ist eine höchst praktische Sache, und deshalb lade ich Sie zum Abschluß meiner Ausführungen zu folgendem praktischen Schritt ein:
Wenn Sie heute Nachmittag wieder zu Hause sind, dann können Sie einmal darüber nachdenken, ob Sie nicht vielleicht eine Stunde in der Woche etwas praktisch für den Frieden in unserer Stadt tun können. Eine Stunde, das ist weniger als ein Prozent einer Kalenderwoche. Es gibt gute Gelegenheiten dafür: amnesty international, die Nienburger Tafel, der Eine Welt Laden.
Aber auch neue Ideen sind denkbar: Ich wünsche mir z.B. die Gründung einer neuen „Lokalen Friedensagentur“, wo Menschen unserer Stadt sich über Ausbildungen und Einsatzmöglichkeiten für Friedensarbeit, kreative Konfliktlösungen und Gewaltüberwindung informieren können, wo sie von Fachleuten beraten werden wie ein solcher Einsatz erfolgen kann und später von Nienburger Bürgerinnen und Bürger bei ihrem Engagement unterstützt werden.
Ich lade Sie also ein zu diesem kleinen Projekt „Eine Stunde pro Woche etwas für den Frieden in Nienburg tun“. Sie müssen ausser den 60 Minuten nur etwas Engagement und Geduld mitbringen. Natürlich wird es auch Probleme geben, Enttäuschungen. Aber alles in allem werden Sie durch einen solchen kleinen Einsatz das schöne Erlebnis bekommen, etwas Pessimismus abbauen zu können.
Denn Sie widerstehen damit jenem lähmenden Pessimismus, der uns immer wieder einflüstern will:
Wehren wir uns gegen diese negativen Einflüsterungen. Geben wir den positiven Stimmen mehr Raum, in uns selber, aber auch in der Öffentlichkeit.
Und wenn Sie dieses kleine Experiment „Eine Stunde Friedensarbeit pro Woche in Nienburg“ eine Weile durchgehalten haben – vielleicht erzählen Sie einmal Ihrer Nachbarin / ihrem Nachbarn davon und laden sie ein, auch mitzumachen. Genau das sind die berühmten „kleinen Schritte“ der Veränderung, die so oft beschworen, aber leider oft so wenig begangen werden.
Liebe Bürgerinnen und Bürger. Nur wenige von uns, die sich heute hier versammelt haben, werden den 8. Mai 2045 erleben, an dem Nienburg an den 100. Jahrestag des Kriegsendes denken wird. Aber wenn wir in diesen 40 Jahren beharrlich weiterhin an der Verbesserung unserer Friedensbilanz arbeiten, dann ist das Vermächtnis des 6. Mai 1945 nicht ungehört verhallt:
Nie wieder Krieg!
- 60 Jahre nach dem 2. Weltkrieg sind fast 25.000 deutsche Soldaten ausserhalb Deutschlands stationiert. Ein Drittel der gesamten Bundeswehr (inklusive Ausbildung und Logistik) ist an deutschen Auslandseinsätzen beteiligt. Ja, wir haben sogar junge deutsche Frauen und Männer wieder in Kriege geschickt. Eine Politik, die im Jahr 1945 für unser Land undenkbar gewesen war.
- Zweitens: Jahr für Jahr liefert Deutschland immer mehr Waffen in alle Welt. Die sicherlich nicht einseitig urteilende „Süddeutsche Zeitung“ formulierte es kürzlich sogar so,daß (Zitat) die „deutschen Rüstungsgeschäfte explodieren“! Von deutschen Firmen produziert und von deutschen Regierungen genehmigt, tragen also deutsche Waffen international dazu bei, daß Kriege geführt und Menschen blutig unterdrückt werden.
- Drittens: Wir haben inzwischen ein vor dreißig, vierzig Jahren noch unvorstellbares Ausmaß an Gewaltdarstellung, ja sogar Gewaltverherrlichung in allen Fernsehkanälen, auf den Computerbildschirmen und in den Spielzeugläden.
Welche Lehren ziehen wir aus diesen drei Worten für die Zukunft? Wie können wir die Friedens-Bilanz unseres Landes in der Zukunft verbessern?
Als Perspektive für die Antwort auf diese zweite Frage zitiere ich einen Satz aus der Präambel der UNESCO, wo es heisst: (Zitat)
„Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden"
Mein Beruf führt mich seit vielen Jahren immer wieder zu den aktuellen Konfliktbrennpunkte dieser Welt, in den Kosovo, nach Südafrika, in die Ukraine, nach Bosnien. Und ich kann Ihnen bestätigen: Die UNESCO hat recht! Kriege entstehen nicht durch Waffen. Kriege werden von Menschen gemacht, durch unser Denken, unsere Planungen, unsereEntscheidungen.
Wer ernst machen will, „Den Frieden im Geist der Menschen zu verankern“ – muß deshalb dreierlei tun:
Erstens: Aggressionen überwinden
Zweitens: Den Frieden vorbereiten
Drittens: Der Gewalt widerstehen
Erstens:
Frieden bedeutet: Aggressionen überwinden
Kriege sind kollektive Aggressionen. Kriege werden geführt,
- weil Menschen andere Menschen nicht tolerieren wollen,
- weil Menschen andere Menschen beherrschen wollen,
- weil Menschen mehr Reichtum haben wollen als andere Menschen.
Das gilt besonders für die Gebiete Europas, in denen kein Volk für sich alleine in einem Staatsterritorium wohnt. Wir denken dabei zunächst vor allem an Südosteuropa, wo überall verschiedene Völker in einer Staatsgrenze zusammengefasst leben müssen.
Aber auch andere Staaten Europas nähern sich dieser Situation in Südosteuropa immer mehr an. Auch in England, Frankreich und Deutschland ist die multikulturelle Gesellschaft schon längst Wirklichkeit geworden. Ähnlich im Baltikum: Jeder Dritte der in Estland und Lettland lebenden Bevölkerung ist Russe!
Nun hat man immer wieder versucht, das Dilemma der mangelnden Übereinstimmung von Staatsvolk und Staatsterritorium angeblich so „lösen“ zu wollen, dass man für eine möglichst weitgehende „Reinheit“ im Staatsvolk plädiert hat. Aber all diese Träume von Groß-Serbien, Groß-Albanien, Groß-Sonstwie sind gescheitert oder sie werden scheitern. Die Absicht, ethnisch reine Staaten zu schaffen ist eine Fiktion, und wer einer Fiktion nachjagt, wird enttäuscht werden, im schlimmsten Fall wird er intolerant und fanatisch.
Statt in gefährlicher Weise auf neue Grenzziehungen zugunsten ethnisch reiner Staaten zu spekulieren, ist es viel wichtiger, die gesellschaftlichen und politischen Realitäten multi-ethnischer Staaten anzuerkennen und Bedingungen zu schaffen, damit ethnische Minderheiten in einem Staatsgebiet angemessen toleriert werden. Das heißt, dass ihnen die Freiheiten garantiert werden, die sie für ihre kulturelle, sprachliche, erzieherische und religiöse Identität benötigen und dass ihnen eine angemessene Beteiligung an der politischen Willensbildung eingeräumt wird.
In den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts feierte man in Mitteleuropa die historische Errungenschaft stabiler Grenzen als einen besonderen Beitrag zum Frieden. Die Herausforderung für die Staaten und Gesellschaften im Europa des 21. Jahrhunderts wird es sein, diese äußeren Grenzziehungen auch weiterhin stabil zu halten, aber auch die Gesellschaften und Politik in diesen Grenzen offen, tolerant und mit Respekt vor Minderheiten zu gestalten.
Frieden bedeutet: Den Frieden vorbereiten
Angesicht der vielen Kriege in der Vergangenheit und Gegenwart, fragt man sich: Warum? Warum verrennen sich die Politiker und Politikerinnen immer wieder in die Sackgassen der Gewalt?
Unter den vielen Gründen für die Eskalation zum Krieg gibt es zwei besonders fatale:
Der erste Grund = Naivität:
Oft rechnen weder die Politiker noch die Bevölkerung in der Zeit der Konflikt-Eskalation mit dem Schlimmsten, mit dem Krieg; sie erkennen nicht die Gefährlichkeit der Situation.
Der zweite Grund = Verblendung:
Wenn ein Konflikt eskaliert, gibt es den gefährlichen Punkt, ab dem keiner der Gegner ernsthaft mehr bereit ist, der sich anbahnenden Katastrophe in den Arm zu fallen. Alternativen zum Verhängnis des Krieges werden als unrealistisch abgetan, ohne sich die Mühe zu machen, ihnen eine Chance zu geben. Zug um Zug erhöhen die Gegner ihre Forderungen, bis schließlich nur noch der Zwang von "Ultimaten" den Weg ins Unheil diktiert. Gelähmt, ohnmächtig blickt man auf jede neue Runde der Droh-Eskalation, unfähig wirkliche Alternativenzu entwickeln.
Alle Untersuchungen über Konflikte weisen aber darauf hin, wie wichtig es ist, sich niemals den Blick für Alternativen zum Krieg zu verstellen. Sich energisch zu wehren:
- gegen die übliche Drohrhetorik,
- gegen den immer wieder beschworenen angeblichen „Zeitdruck“ und
- gegen die sogenannten "Sachzwänge".
In Konflikten kommt es nicht darauf an, möglichst schnell Entscheidungen zu treffen (die sich dann später meist doch als verhängnisvoll erweisen). Damit verengt man leichtfertig die Bandbreite der Handlungsmöglichkeiten.
Nötig ist stattdessen:
- Immer wieder innezuhalten
- Bereit sein, Pläne wieder zu revidieren
- Sich nicht dem sogenannten "Druck der Verhältnisse" zu beugen
Ein echtes Bemühen um den Frieden ist jederzeit offen für neue Lösungsideen und für Konflikt-Entspannung.
Aus der Friedensforschung kennen wir:
- die Gefahren der Eskalation,
- die Illusionen von Drohpolitik und
- die schlimme Saat der Gewaltverherrlichung in den Medien.
"Das haben wir nicht gewusst",
„Es gibt keine Alternativen zum Krieg"
„Für Verhandlungen ist keine Zeit mehr“;
„In Konflikten hilft nur Gewalt“.
Glauben Sie diesen gefährlichen Vereinfachern nicht!
Bemühen wir uns stattdessen mit Geduld, Fantasie und Zähigkeit, herauszufinden, wo - trotz der Gegensätze - dennoch gemeinsame Interesse vorhanden sind. Solche gemeinsame Interessen können als vertrauensbildende Elemente dienen und später in eine stabile Konfliktlösung überführt werden. Das Ziel jeder Konfliktregelung ist es, aus der Krise in eine Situation hinein zu steuern, bei der es keine einseitigen Gewinner und Verlierer gibt und kein Gesichtsverlust für die Beteiligten.
Drittens:
Frieden bedeutet: Der Gewalt widerstehen.
In der Geschichte der Menschheit hat es immer wieder Personen gegeben, die der Versuchung der Gewalt widerstanden haben. Wir denken an Gandhi und M.L. King, an die Leipziger Montagsdemonstrationen 1989 und an die friedlichen Revolutionen kürzlich in Georgien und in der Ukraine. Aber es gibt auch viele namenlose Friedenarbeiterinnen und Friedenarbeiter, die mit bemerkenswertem Mut und Zähigkeit immer wieder Zeichen zur Gewaltüberwindung setzen.
Es sind Menschen, die klare deutliche Zeichen gegen die Anwendung von Gewalt setzen und die von der Vision einer friedlicheren Welt überzeugt sind. Keine Schwärmer oder irreale Idealisten, sondern sehr konkret denkende und praktisch handelnde Menschen, die der Gewalt widerstehen, meist gegen die herrschende Meinung und gegen die Machthaber - ohne Rücksicht darauf, ob dieses Engagement sie in persönliche Gefahr bringt.
Ein solches Nein zur Gewalt ist aber keine Selbstverständlichkeit. Das zeigen die Jahre 1933 bis 1945 in der deutschen Geschichte, wo eigentlich Widerstand notwendig gewesen wäre, in denen Deutschland aber versagt hat.
Wenn wir uns heute mit Menschen unterhalten, die sich noch bewusst an die 30er Jahre in Deutschland erinnern können, ist das Beeindruckende, dass es neben den aktiven Nationalsozialisten leider auch viele, viele Menschen in dieser Zeit gab, die gar nicht aktiv waren, sondern anpasserisch, die weggeschaut und keine Fantasie entwickelt haben, was man gegen das Unheil machen könne. Viele haben einfach nicht wahrhaben wollen, dass die Zustände in Deutschland so schlimm werden würden, wie sie es dann Jahr um Jahr wurden.
Daraus sollen wir lernen, dass Wachsamkeit und - falls nötig - auch aktiver Widerstand nicht von selber kommt, sondern eingeübt und trainiert werden muß. Das gilt nicht nur für den Widerstand gegen einen illegalen Staatstreich. Widerstand ist auch notwendig gegen Gewalt in der Straßenbahn, gegen Angriffe auf Ausländer, gegen intolerante Berichterstattung in den Medien, gegen heimliche Umweltzerstörungen.
Es gibt viele Situationen, wo der Mut zum Nein gefordert ist. Ein solcher Widerstand stellt sich aber nicht automatisch ein, er muß schon frühzeitig vorbereitet werden. Deshalb ist es hoffnungsvoll, dass es inzwischen richtige Kurse gibt, in denen solches Widerstehen gegen die Gewalt trainiert wird, wo man sich z.B. durch Rollenspiele auf verschiedene Situationen des gewaltfreien Widerstands vorbereiten kann.
Solcher Widerstand braucht keine grosse einzelne Helden, sondern Menschen mit Zivilcourage. Er braucht
- Lehrerinnen und Lehrer, die ihre Schülerinnen und Schüler über Kriegsursachen und Kriegsfolgen realistisch aufklären
- Er braucht Journalistinnen und Journalisten, die Kriege auch „Kriege“ nennen und nicht „militärische Operationen“ und die Kriegstote nicht als „Kollateralschaden“ abqualifzieren und er braucht
- Bürger und Bürgerinnen, die bei Überfällen gegen alte Leute oder Ausländer nicht wegschauen, sondern hinsehen und sich einmischen.
Liebe Zuhörerinnen und Zuhörer: Sich für den Frieden zu engagieren, ist eine höchst praktische Sache, und deshalb lade ich Sie zum Abschluß meiner Ausführungen zu folgendem praktischen Schritt ein:
Wenn Sie heute Nachmittag wieder zu Hause sind, dann können Sie einmal darüber nachdenken, ob Sie nicht vielleicht eine Stunde in der Woche etwas praktisch für den Frieden in unserer Stadt tun können. Eine Stunde, das ist weniger als ein Prozent einer Kalenderwoche. Es gibt gute Gelegenheiten dafür: amnesty international, die Nienburger Tafel, der Eine Welt Laden.
Aber auch neue Ideen sind denkbar: Ich wünsche mir z.B. die Gründung einer neuen „Lokalen Friedensagentur“, wo Menschen unserer Stadt sich über Ausbildungen und Einsatzmöglichkeiten für Friedensarbeit, kreative Konfliktlösungen und Gewaltüberwindung informieren können, wo sie von Fachleuten beraten werden wie ein solcher Einsatz erfolgen kann und später von Nienburger Bürgerinnen und Bürger bei ihrem Engagement unterstützt werden.
Ich lade Sie also ein zu diesem kleinen Projekt „Eine Stunde pro Woche etwas für den Frieden in Nienburg tun“. Sie müssen ausser den 60 Minuten nur etwas Engagement und Geduld mitbringen. Natürlich wird es auch Probleme geben, Enttäuschungen. Aber alles in allem werden Sie durch einen solchen kleinen Einsatz das schöne Erlebnis bekommen, etwas Pessimismus abbauen zu können.
Denn Sie widerstehen damit jenem lähmenden Pessimismus, der uns immer wieder einflüstern will:
- Kriege hat es immer gegeben
- Als Einzelner kannst du ja doch nichts machen
- In Konflikten hilft eben doch nur Gewalt
Wehren wir uns gegen diese negativen Einflüsterungen. Geben wir den positiven Stimmen mehr Raum, in uns selber, aber auch in der Öffentlichkeit.
Und wenn Sie dieses kleine Experiment „Eine Stunde Friedensarbeit pro Woche in Nienburg“ eine Weile durchgehalten haben – vielleicht erzählen Sie einmal Ihrer Nachbarin / ihrem Nachbarn davon und laden sie ein, auch mitzumachen. Genau das sind die berühmten „kleinen Schritte“ der Veränderung, die so oft beschworen, aber leider oft so wenig begangen werden.
Nie wieder Krieg!
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