Die politische Ökonomik der "Eurorettung"
Das Fazit von Nicolas Afflatet:
"Die „Konkursverschleppung“ ist somit ein Ergebnis des politischen Systems, in dem unbequeme Entscheidungen vertagt und künftigen Regierungen durch Externalisierung aufgezwungen werden können. Damit wäre auch zu erklären, dass die deutsche Regierung die negativen Umfragewerte und die breite Ablehnung der Griechenlandhilfen durch die Wähler hinnehmen: Würden sie den Bankrott Griechenlands und das Scheitern des Euro verkünden, müssten sie sicherlich noch viel schlechtere Umfragewerte hinnehmen. Die Wahl der Alternativen ist also schlicht eine Frage der Opportunitätskosten. In der Zwischenzeit wird die Eurorettung immer teurer, ohne dass die Regierungen einer echten Lösung näherkämen. Dieses Spiel wird wohl so lange weitergetrieben werden, bis die Kapitalmärkte den Rettern harte Grenzen diktieren."



Hans-Werner Sinn lehnt weder die EU noch den Euro ab. Aber er ist ein nachdrücklicher Kritiker der bisherigen offiziellen Euro-Rettungsaktionen. In seinem neuesten Buch weist er auf eine, in der Öffentlichkeit bisher weitgehend unbekannte Gefahr durch die Euro-Krise hin: Der Umfang der sog. "Target-Kredite", deren Rückzahlung völlig ungewiss ist, stellt die offiziellen Rettungskredite für die Staaten der Südeuropa-Peripherie weit in den Schatten.
